War der Kirchentag ökumenisch?
Der Deutsche Evangelische Kirchentag steht seit seiner Gründung 1949 in
zunehmender Verbindung mit dem Deutschen Katholikentag, der erstmals 1848 in
Mainz zusammengekommen war, und seiner Trägerschaft, dem Zentralkomitee der
deutschen Katholiken (ZdK). 1958 wurde vereinbart, die Katholikentage stets
in den geraden Jahren und die Evangelischen Kirchentage in den ungeraden
Jahren abzuhalten, so dass in Deutschland in jedem Jahr ein grosses
christliches Ereignis stattfinden konnte. In der Aufbruchstimmung des
Zweiten Vatikanischen Konzils wurde 1971 eine gemeinsame Veranstaltung
durchgeführt, das ökumenische Pfingsttreffen von Augsburg. Ein
Vierteljahrhundert später wurde der Gedanke eines gemeinsamen Kirchentages
wieder besonders aktuell, weil die Unterzeichnung einer gemeinsamen
katholisch-lutherischen Erklärung zur Rechtfertigungslehre bevorzustehen
schien. Obwohl sich diese Unterzeichnung arg verzögerte, wurde ein
gemeinsamer Kirchentag beschlossen, der unter dem Leitwort «Ihr sollt ein
Segen sein» vom 28. Mai bis 1. Juni 2003 als erster Ökumenischer Kirchentag
in Berlin durchgeführt wurde.
Vorgaben
An den letzten Katholikentagen und Kirchentagen beteiligten sich in
zunehmendem Mass Glieder der jeweils anderen Kirche als Mitwirkende wie als
Besucherinnen und Besucher. Trotz dieser erfahrenen Nachbarschaft war es für
die Vorbereitung des Ökumenischen Kirchentags nicht einfach, die
unterschiedlichen Kulturen der beiden bewährten und vertrauten Grossanlässe
so zusammenzuführen, dass nicht einfach am gleichen Ort und zur gleichen
Zeit der Katholikentag und der Kirchentag durchgeführt wurden. Diese
Herausforderung wurde in der Vorbereitungszeit so angenommen, dass Hans
Joachim Meyer, der katholische Präsident des Ökumenischen Kirchentags, an
der Eröffnungspressekonferenz von einem Ertrag vor Beginn sprechen konnte:
«Denn die Jahre der Vorbereitung haben zu einer Vielzahl von neuen
ökumenischen Initiativen, Aktivitäten und Projekten geführt, haben neue
Formen der Partnerschaft und Zusammenarbeit zwischen Gemeinden,
Organisationen und Institutionen geschaffen und so neue Wege gegenseitiger
Kenntnis und gegenseitigen Verstehens gebahnt. Was bisher nicht selten vor
Ort die Sache einiger ökumenischer Aktivisten war, hat jetzt eine sehr viel
breitere Basis gewonnen. Das zeigt sich nicht zuletzt an der grossen Zahl
gemeinsamer Gruppen aus Gemeinden und Verbänden für die Teilnahme in Berlin.
So ist ein dichtes und kräftiges Wurzelwerk der ökumenischen Zusammenarbeit
entstanden, durch das die neu gewachsene Gemeinsamkeit über den Tag hinaus
Bestand haben wird.»
Der Ökumenische Kirchentag wollte vor allem ein Fest der Gemeinsamkeit im
christlichen Glauben sein. So wurde ein geistliches und ein kulturelles
sowie ein breites thematisches Angebot vorbereitet; dazu kamen
Veranstaltungen aus Anlass des Kirchentages. Die gut 200000 Besucherinnen
und Besucher konnten ihr Kirchentagsprogramm aus einem Angebot von rund 3200
Veranstaltungen zusammenstellen; eine Einschränkung bildeten nur die
Distanzen zwischen den Veranstaltungsorten im Zentrum der Stadt und dem
Messegelände im Westen.
Geordnet bzw. gruppiert worden waren die thematischen Einzelveranstaltungen
zu vier Themenbereichen. Die beiden ersten nahmen die Gemeinschaft der
Christinnen und Christen und den ökumenischen Dialog in den Blick, zu dem
wie zu jedem Dialog neben Phasen des Brückenbaus auch Phasen der
Identitätsvergewisserung gehören. So hiess der Themenbereich 1: «Glauben
bezeugen im Dialog leben», und der Themenbereich 2: «Einheit suchen in
Vielfalt einander begegnen». Weil es zum Selbstverständnis von
Katholikentagen und Evangelischen Kirchentagen gehört, sich den
Herausforderungen der Zeit zu stellen, befassten sich die beiden anderen
Themenbereiche mit aktuellen Fragen: der Themenkreis 3 mit «Menschenwürde
achten die Freiheit wahren» und der Themenkreis 4 mit «Welt gestalten in
Verantwortung leben». Diese vier Themenbereiche waren mit Hauptvorträgen,
Hauptpodien, Foren, Podien, Podienreihen, Abendreihen, Werkstätten
vergleichbar strukturiert. Dazu kamen themenübergreifende Zentren und die
wie die Themenbereiche gruppierte Agora, eine grosse, die Kirchenmeile der
Katholikentage und den Markt der Möglichkeiten der Evangelischen Kirchentage
weiterführende Ausstellung.
Stolperstein oder Stein des Anstosses
Mit einem eigenen Stand auf der Agora vertreten war auch die
«KirchenVolksBewegung 'Wir sind Kirche'», die mit der «Initiative Kirche von
unten (IKvu)» und der Pfarrerschaft der Kirchengemeinde Prenzlauer Berg-Nord
zu Berlin im September 2002 erklärt hatte, am Kirchentag das Abendmahl
gemeinsam feiern zu wollen. An der ersten Pressekonferenz der
«KirchenVolksBewegung» während des Kirchentages begründete Christian Weisner
dieses Vorgehen damit, dass der Kirchentag ein ökumenischer werden und nicht
ein gemeinsamer bleiben solle.
Demgegenüber hatten der Präsident des ZdK und die Präsidentin des Deutschen
Evangelischen Kirchentags in ihrem Wort an die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer des Kirchentags darauf hingewiesen, dass «der Respekt vor dem
Glauben, den theologischen Lehrauffassungen und den geltenden Regeln der
jeweils anderen Kirche» die Grundlage der Zusammenarbeit beim Ökumenischen
Kirchentag sind. Zusammen mit dem Vorstand des Ökumenischen Kirchentags
haben sie damit die Bitte verbunden, «die in den Kirchen gültigen Regeln zu
achten und im Bezug auf Eucharistiefeier und Abendmahl in ökumenischer
Sensibilität miteinander umzugehen». Diesen Standpunkt unterstützte dann
auch Papst Johannes Paul II. in seinem Grusswort an den Kirchentag, in dem
er zu weiteren Schritten der Versöhnung ermunterte. «Setzt diese Bemühungen
mit Sensibilität und Rücksichtnahme aufeinander, in Geduld und zugleich mit
Mut in Ehrfurcht vor der Wahrheit und in aufrichtiger Liebe fort: im
gemeinsamen Bekenntnis und Gebet, im theologischen Gespräch, in Vorschlägen
zur Gestaltung des öffentlichen Lebens, in einem missionarischen Aufbruch zu
einer neuen Evangelisierung und im Dienst der Liebe für die Armen und
Bedrängten allüberall, und schliesslich in einem neuen, an der Person Jesu
Christi ausgerichteten Lebensstil, der die Schätze dieser Erde schonend
gebraucht, nicht zuletzt im Blick auf die kommenden Generationen.»
Die ökumenischen Gottesdienste, die dann in der Gethsemane-Kirche in
Prenzlau-Nord gefeiert wurden, waren einmal eine katholische
Eucharistiefeier mit «offener Kommunion» und ein andermal ein evangelischer
Gottesdienst mit «Abendmahl für alle». Damit wurde keine volle Abendmahls-
bzw. Eucharistiegemeinschaft gefeiert, sondern die gegenseitige
Gastfreundschaft bei Eucharistie und Abendmahl vorweggenommen. Als Zeichen,
dass Christen und Christinnen nicht nur miteinander, sondern zugleich mit
den Bedürftigen teilen sollen, richtete die «KirchenVolksBewegung» gemeinsam
mit der «Initiative Kirche von unten (IKvu)» und der «Initiative Ordensleute
für den Frieden» unter Beteiligung von Bischof Jacques Gaillot ein «Mahl der
Solidarität - Für alle genug» aus.
Der Regelbruch in der Gethsemane-Kirche wurde von einzelnen katholischen
Bischöfen bedauert; gegen einen Priester, der am Abendmahl teilgenommen
hatte, wurden gar Sanktionen ergriffen. Vor allem aber löste er bei strammen
Katholiken Entrüstung aus (www.kath.net). Der
protestantische Klaus Berger,
Professor für Neutestamentliche Theologie an der Universität Heidelberg,
verstieg sich gar zur Aussage, die «offene Kommunion» sei «ein Almosen für
die Medien» gewesen, «die auf die Sensation erpicht waren» (in einem
Interview mit «Die Welt», 3. Juni 2003).
Weil die Frage der eucharistischen Gastbereitschaft und Gastfreundschaft
zwischen den Kirchen kontrovers ist, wurde sie auch in der Podienreihe
«Ökumene kontrovers» unter dem Titel «Ein Glaube eine Taufe getrennt
beim Abendmahl?» thematisiert. Ein Ergebnis dieser Veranstaltung ist eine
Resolution, die von der Überzeugung getragen ist: «Eucharistische
Gastfreundschaft ist theologisch möglich und sollte deshalb als Zeichen
schon bestehender Kirchengemeinschaft in ökumenischen Zusammenhängen auch
jetzt schon praktiziert werden.» Gedacht ist dabei vor allem an
«Angehörige[n] konfesionsverbindender Familien... und andere[n] getaufte[n]
Christen in besonderen ökumenischen Zusammenhängen wie zum Beispiel
langjährigen ökumenischen Gruppen, lokalen ökumenischen Ereignissen und
ökumenischen Kirchentagen».
«Tun, was uns eint»
Für den Alltag der Konfessionskirchen und ihrer örtlichen Gemeinden wäre die
eucharistische Gastbereitschaft bzw. Gastfreundschaft demnach ein verfrühter
Schritt. Die Schritte, die getan werden könnten und müssten, haben am
Kirchentag 16 Kirchen mit der Unterzeichnung der 2001 bereits vom Rat der
Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) und der Konferenz Europäischer
Kirchen (KEK) unterzeichneten Charta Oecumenica vorgezeichnet.
Anregungen zu deren Umsetzung waren auf dem Kirchentag nicht zuletzt auf der
Agora, der Ausstellung mit weit über 1000 Ständen, zu finden. So ist das
«Netzwerk konfessionsverbindender Paare und Familien» überzeugt, «dass die
Einheit der Christen schrittweise insbesondere zwischen
konfessionsverschiedenen Nachbargemeinden gefördert und herbeigeführt werden
kann und muss»; wichtig sei dabei, auch die kleineren christlichen
Konfessionen einzubeziehen. Für diese Annäherung schlägt das Netzwerk die
folgenden Stufen vor:
«1. Initial: Die Gemeinden leben friedvoll und tolerant nebeneinander.
2. Interessiert: In möglichst vielen Bereichen werden regelmässig
ökumenische Veranstaltungen durchgeführt.
3. Informiert: Nachbargemeinden laden sich bewusst und gezielt gegenseitig
zu ihren jeweils eigenen Veranstaltungen ein, wo immer es möglich ist. Dazu
wird ein systematischer Informationsaustausch gefördert.
4. Integriert: Es wird alles gemeinsam durchgeführt, was nicht getrennt
getan werden muss.»
In einem Hauptvortrag plädierte auch Kardinal Walter Kasper, der Präsident
des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, dafür, endlich gemeinsam
zu tun, was gemeinsam getan werden kann: «Wir wären vermutlich schon
wesentlich weiter, wenn wir alles das gemeinsam täten und lebten, was schon
heute möglich ist.»
«Ermutigende Enttäuschungen»
Die ersten beiden Themenkreise brachten mit sich, dass auf dem Kirchentag
der theologische Dialog nicht zu kurz kam; die Theologische Fakultät der
Humboldt-Universität hatte dazu eine ganze Podienreihe vorbereitet. Das
Podium zum gegenwärtigen Stand der Ökumene wurde unter dem Titel
«Ermutigende Enttäuschungen» angeboten. Im einführenden Vortrag benannte
Wilfried Härle, Professor für Systematische Theologie an der Universität
Heidelberg, was in den letzten Jahren die römisch-katholische Kirche, die
Orthodoxen Kirchen und die Evangelische Kirche in Deutschland den anderen
Kirchen an Enttäuschungen zugemutet hatten. Damit sei zu Tage getreten, wie
Gemeinsamkeiten oft mehr gewünscht wurden als vorhanden gewesen seien, so
dass es zu einer ökumenischen Öffnung gekommen sei, die den tatsächlichen
ökumenischen Beziehungen nicht entsprochen habe. Das dürfe nicht aus
«ökumenischer Scham» verschwiegen werden. Diese Enttäuschungen seien aber
ermutigend, weil eine Vortäuschung nicht ewig halte und die Befreiung von
einer Täuschung ein Realitäts-, Orientierungs- Freiheits- und Segensgewinn
sei.
Das Ziel der Ökumene sei die volle Gemeinschaft am Tisch des Herrn, und das
ökumenische Problem die Uneinigkeit in Bezug auf die dazu erforderlichen
Voraussetzungen. Die evangelische Vorstellung sei eine Kirchengemeinschaft
selbständiger Kirchen, die römisch-katholische hingegen eine sichtbare bzw.
organisatorische Einheit. Beide Kirchen können nicht anders, und zwar aus
Treue gegenüber einer Einsicht, auch wenn andere Motive mitspielen mögen.
Taktische und andere nicht lautere Motive dürften aber nur Gegenstand einer
Selbstprüfung, nicht einer Fremdprüfung sein. Müsste aber das Fehlen eines
«ehrlichen Willens» festgestellt werden, wäre erst dies eine entmutigende
Enttäuschung. So sei eine Intensivierung der Gespräche angesagt, in denen
auf eine wechselseitige Bezeugung nicht verzichtet werde.
Dabei wäre die Methode der Mediation hilfreich, mit der eine Frage
aufgegriffen wird, die noch nicht erörtert wurde, für die aber beide Seiten
sensibilisiert sind. In der Ökumene wäre dies die Frage nach dem Grund des
Glaubens. Der freikirchliche Theologieprofessor Erich Geldbach von der
Universität Bochum möchte die Frage nach dem Grund des Glaubens auch im
Blick auf die entchristlichte Gegenwart als missionarische Situation
gestellt wissen.
Auf die kritischen Bemerkungen von Wilfried Härle zu den Begriffen
«versöhnte Verschiedenheit» und «differenzierter Konsens» antwortete auf dem
Podium Kardinal Georg Sterzinsky, Verschiedenheit müsse bleiben. Damit
stimmte er mit der Aussage von Kardinal Walter Kasper überein: «Jede Kirche
hat ihre Reichtümer, die sie nicht aufgeben kann und auch nicht aufgeben
soll.» Diese Reichtümer gehören zur jeweiligen konfessionellen Identität und
Beheimatung. Hier tritt das ökumenische Problem zu Tage, wenn eine
Konfessionskirche in einer anderen Wesentliches vermisst: in mehr als einer
Veranstaltung wurde dieses Wesentliche «essantials» genannt.
«Freie Kirchen in offener Gesellschaft»
Eine besondere Art der Identitätsvergewisserung geschieht sowohl unter dem
Säkularisierungsdruck als auch in der Konfrontation mit Fremdreligionen,
neuen religiösen Bewegungen und so genannten Sekten. Dazu hatten die
Weltanschauungsbeauftragten der Kirchen in der «Werkstatt Weltanschauungen»
einen eigenen Programmteil vorbereitet mit unter anderem einer
Vortragsveranstaltung zum Thema «Christlicher Glaube und östliche
Spiritualität» sowie einem Diskussionsforum zur Frage: «Esoterisches
Christentum - Weg oder Holzweg?» Auf diesem Forum erklärte P. Niklaus
Brantschen SJ vom Lassalle-Haus: «Wer andere ausgrenzt, schliesst sich ein.»
In der gleichen Werkstatt hatte zwei Tage zuvor der Jurist Axel von
Campenhausen, Professor in Göttingen, darauf bestanden: «Abgrenzung von
anderen ist selbstverständlicher Bestandteil jeder kirchlichen Lehre.» (Über
den Unterschied zwischen «abgrenzen» und «ausgrenzen» nachzudenken lohnte
sich auch unabhängig vom Ökumenischen Kirchentag!)
Damit begründete er in einem Streitgespräch unter dem Titel «Ist
Sektenkritik tabu?» die Zulässigkeit kirchlicher Information und auch
kritischer Aufklärung über so genannte Sekten, wenn die beauftragten
kirchlichen Stellen dabei rechtstreu bleiben und als Beauftragte von
öffentlich-rechtlich anerkannten Grosskirchen auch rechtspolitische Vorsicht
walten lassen, sich also besonderer Sorgfalt, Sachlichkeit und
Wahrhaftigkeit befleissigen. Strittig war bei dieser Veranstaltung
namentlich die Zulässigkeit staatlicher Stellen, das Streitgespräch hatte
die Spannung von weltanschaulicher Neutralität und Religionskritik im
säkularen Staat aufzunehmen, sowie die sozial unerwünschten Folgen als
Kriterium der kirchlichen Sektenkritik. Kirchliche
Weltanschauungsbeauftragte berücksichtigen dieses Kriterium, weil sie ihre
Aufgabe im Sinne des Verbraucherschutzes wahrnehmen wollen und sich deshalb
auch auf ihre Beratungserfahrung abstützen. Andere am Gespräch Beteiligte,
namentlich der Religionswissenschaftler Hubert Seiwert von der Universität
Leipzig und der Staatsrechtler Hermann Weber von der Universität Frankfurt
am Main, setzten dem Verbraucherschutz den Minderheitenschutz entgegen, wie
sie Sekten denn auch einfach als kleinere Religionsgemeinschaften
umschrieben.
Mit dem Ort der Kirche im säkularen Staat befasste sich auch eine von der
Vereinigung Evangelischer Freikirchen vorbereitete Diskussion der Fragen:
Wie frei sind die Kirchen in der heutigen Zeit? Entwickeln sich die
Grosskirchen zu Freikirchen? Der Titel der Veranstaltung gab als wünschbare
Zukunft allerdings schon vor: Freie Kirchen in offener Gesellschaft. Ins
Gespräch gebracht wurden dann vor allem gute gemeinsame Erfahrungen der
Kirchenbeauftragten am Sitz der Bundesregierung. Grundsätzliche Überlegungen
eingebracht wurden von Bischof Wolfgang Huber, der daran erinnerte, dass
schon Dietrich Bonhoeffer gesehen hat, wie die volkskirchliche von der
missionskirchlichen Situation abgelöst würde; gegen die Gefahr einer
Milieuverengung plädierte Bischof Huber für «eine Kirche in dieser Welt und
für diese Gesellschaft». Dazu gehöre, dass sich die Kirche dem Staat
gegenüber als eine glaubwürdige Dialogpartnerin bewähre, aber auch die
Kompetenz der Politiker und Politikerinnen, die Kirchenglieder sind, ernst
nehme. Anderseits sollten sich auch die christlichen Politikerinnen und
Politiker als Christinnen und Christen erkennbar machen. So werde das
allgemeine Priestertum einerseits von der Kirchenleitung ernst genommen und
so komme es anderseits zum Tragen. (Rolf Weibel)
24.6.03
Aus: Schweizerische Kirchenzeitung, Nr. 25 / 2003
Quelle: http://www.kath.ch/skz/welt/welt25.htm
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