Vorerst keine Islamkunde an hessischen Schulen

 

VON PITT VON BEBENBURG

Muslimische Kinder sollten die Möglichkeit bekommen, an deutschen Schulen in ihrer Religion unterrichtet zu werden. Das wäre ganz im Sinne einer erfolgreichen Integrationspolitik. Von staatlicher Seite wäre es das Signal, dass diese große religiöse Minderheit beachtet und geachtet wird. Zugleich böte sich dem Staat die Möglichkeit, besser zu beobachten, was gelehrt wird - anders als in den privaten Koranschulen. Doch bis dahin ist es noch ein sehr weiter Weg.

Das Kasseler Urteil vom Mittwoch ist ein deutliches Zeichen dafür. Vor allem fehlt auf der Seite der Muslime ein überzeugender Ansprechpartner. Einen quasi "natürlichen" Partner gibt es nicht, weil der Islam keine Amtskirche kennt wie das Christentum. Stattdessen bemüht sich die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen darum, an staatlichen Schulen unterrichten zu dürfen - doch ihre Verfassungstreue gilt als zweifelhaft. Es wäre deshalb fahrlässig, ihr die Verantwortung für den Religionsunterricht zu übertragen. Deswegen kam der Spruch aus Kassel nicht überraschend.

Versäumnisse gibt es aber auch auf Seiten der Politik. Viel zu lange hat es etwa gedauert, bis die Lehrerausbildung für Islamunterricht an den Universitäten zum Thema wurde. Und um den Dialog mit den höchst verschiedenen islamischen Gruppen kümmert sich nicht vorrangig die Politik, sondern die Evangelische Kirche. Es ist an der Zeit, sich dieses Themas ernsthaft anzunehmen. Nicht nur im Sinne der muslimischen Familien.

Nach: Frankfurter Rundschau, 15.9.05, S. 33

Quelle: http://www.fr-aktuell.de/ressorts/frankfurt_und_hessen/frankfurt_und_hessen/?cnt=726549