Vertrauen in kirchliche Führungspersönlichkeiten in Deutschland sehr gering
Genf, 15.1.2003 (KNA). Das Vertrauen in kirchliche Führungspersönlichkeiten in Deutschland ist laut einer Umfrage im internationalen Vergleich sehr gering. Lediglich 18 Prozent der befragten Deutschen hätten ihren religiösen Führern Vertrauen ausgesprochen, heißt es in der am Mittwoch in Genf veröffentlichten Umfrage aus 15 Ländern, die für das kommende Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos erstellt wurde. In den anderen Ländern sprachen demnach im Schnitt 42 Prozent der Befragten den Repräsentanten der Kirchen Vertrauen zu.
Eine erste, im November veröffentlichte Umfrage des renommierten Forschungsinstituts Gallup hatte ein weltweit sinkendes Vertrauen der Bürger in Großinstitutionen dokumentiert. In der Folge der Anschläge vom 11. September 2001 hatten lediglich Polizei und Sicherheitskräfte gute Werte erhalten. In der für Deutschland durchgeführten Teilumfrage zur Vertrauenswürdigkeit hatten die Kirchen den 17. und letzten Platz eingenommen.
Nach der jetzt veröffentlichten zweiten Umfrage bei 15.000 Personen in 15 Ländern hat der 11. September bei 40 Prozent der Befragten zu einem gesunkenen Vertrauen gegenüber politischen Führungspersonen in allen Ländern geführt. 10 Prozent der Befragten äußerten ein gestiegenes Zutrauen. In den USA allerdings bescheinigten 75 Prozent der Befragten ihren Politikern gute Noten.
Das größte Vertrauen in den 15 Ländern wird den Repräsentanten der Nichtregierungsorganisationen entgegen gebracht (56 Prozent), gefolgt von den Führungskräften der UNO (42 Prozent) und den religiösen Führern (41 Prozent). Am Ende einer Rangliste von acht Kategorien rangieren die Vertreter multinationaler Unternehmen (33 Prozent) und die Führer der USA (27 Prozent).
Laut Umfrage ist die Mehrheit der Bürger nicht zufrieden mit "der Richtung in die sich die Welt entwickelt". Diese Unzufriedenheit ist bedeutend höher als im letzten Jahr, besonders in den USA (plus 16 Prozentpunkte) und bei seinen Verbündeten, inklusive Deutschland, das mit 13 Prozent Zufriedenheit den letzten Platz unter den 15 beteiligten Nationen einnimmt. Auf der anderen Seite ist das Vertrauen in die Zukunft in China sehr hoch (90 Prozent) und hat sich extrem in der Türkei und in Indien verbessert. Die Führungseigenschaft, die am ehesten Vertrauen hervorruft, ist laut Studie Ehrlichkeit (50 Prozent), während "nicht tun, was man sagt" der Faktor ist, der am ehesten Misstrauen hervorruft (45 Prozent), weit vor Eigeninteresse (28 Prozent) oder Arroganz (8 Prozent).
15.1.03
Quelle:
http://www.kna.de/webnews/kwn0_472prs865qylo/kwn0-20030115t134811859.htm