Bischof Algermissen - Veränderungen als Herausforderungen
Europäische Union entscheidend geprägt durch das Christentum
Fulda (bpf). Die Veränderungen in der Kirche müßten als Herausforderungen angenommen werden. Dies machte Bischof Heinz Josef Algermissen beim traditionellen Neujahrsempfang im Fuldaer Priesterseminar deutlich. Diese Veränderungen seien weniger Ergebnis einer hausgemachten Krise, weil die Kirche zu konservativ oder zu progressiv wäre, betonte der Oberhirte. Vielmehr ergäben sie sich daraus, "daß der soziale Wandel unserer Gesellschaft auch die Kirchen mitprägt und demographische Änderungen, wie der rapide Rückgang der Eheschließungen und Familiengründungen, auch in den Kirchengemeinden spürbar sind". Diese Erklärung entlaste die Pfarrer und ihre Gemeinden, die sich fragten, warum so viele pastorale Anstrengungen oft nicht fruchteten.
Der Dichter Jean Anouilh habe vom "Gepäck der Vergangenheit" gesprochen, das die Menschen in die Zukunft hineintragen müßten, erinnerte Algermissen. Dies gelte für den Einzelnen wie auch die Kirche sowie die Gesellschaft, in der die Menschen heute lebten. Der Beginn eines neuen Jahres lade zur Rückschau auf das Vergangene ein, "um von daher einen Ausblick auf das Kommende zu wagen". Der Bischof nahm Bezug auf die immer wiederkehrende Formulierung aus der Theologie der frühen Kirchenväter: "Nur was man annimmt, kann man verwandeln" und machte deutlich, daß so verstanden die Annahme der menschlichen Natur durch das ewige göttliche Wort die Bedingung der Möglichkeit der Erlösung sei.
Die Erklärung des Wandels in Kirche und Gesellschaft stelle uns vor die Frage, die er in seinem ersten Brief zur Einführung als Bischof von Fulda gestellt habe, unterstrich Bischof Algermissen, nämlich die Frage, was der Geist der Kirche und den Gemeinden damit sage und wohin Gott unser Bistum führen wolle. "Konkret: Das ganze Volk Gottes, vom Bischof bis zu den Einzelnen, steht vor der Aufgabe, den Wandel zu gestalten und nicht über schlechte Zeiten zu lamentieren." Im Bistum Fulda sei in bezug auf die Gestaltung des Wandels im Jahr 2002 ein guter erster Schritt getan worden, so Algermissen. "Wir haben über die Zukunftsfähigkeit unserer Gemeinden nachgedacht, deren Profile beschrieben und sind auf der Suche nach neuen Formen verbindlicher Kooperation im Verbund benachbarter Gemeinden." Die Bündelung und Stärkung pastoraler Dienste solle zukunftsfähige Gemeinden sichern und ihre Grunddienste profilieren. Der Bischof erinnerte daran, daß dieser Prozeß bis zum Bonifatiusfest 2006 abgeschlossen sein müsse.
Der neue Aufbruch, den das Bistum brauche, könne bisweilen Abschied von vertrauten Vorstellungen und Strukturen bedeuten, gab der Oberhirte zu bedenken. Er solle aber entscheidend die Einsicht bringen, daß aller formalen Strukturfrage die Frage nach der persönlichen Spiritualität vorgelagert sei. "In einer Zeit des Umbruchs und Übergangs läßt sich eine missionarische Perspektive nur entwickeln, wo es eine Glaubensgrundlegung gibt." Das habe der heilige Bonifatius deutlich gezeigt. Bischof Algermissen wies darauf hin, daß es ohne neuen Geist keinen wirklichen Neuanfang gebe.
Nach dem Jahr 2002 habe er allen zu danken, die den geistlichen Prozeß zu ihrem gemacht hätten, sagte der Bischof weiter, und nannte die Mitglieder des Geistlichen Rates, besonders die Domkapitulare Prof. Dr. Gerhard Stanke und Rudolf Hofmann sowie auch dessen Assistenten Stefan Wick. "Sie wurden nicht müde, immer wieder in die Dekanate hinein zu argumentieren, zu begründen, Rat und Tat anzubieten." Sodann dankte Algermissen auch den vielen Dechanten und den vier Regionaldechanten, die hilfreiche Multiplikatoren seien, ferner dem Katholikenrat und vielen Pfarrgemeinderäten wie Verwaltungsräten, die sich offen und mit Phantasie auf den neuen Weg einließen.
Kein Europa ohne das jüdisch-christliche Menschenbild
Schließlich brachte Bischof Algermissen noch eine Sorge zur Sprache, die alle gemeinsam betreffen müsse: "In einem sich globalisierenden Europa dürfen wir als Kirche nicht gleichgültig zuschauen und uns damit abfinden, daß im europäischen Verfassungsvertrag von Gott nicht die Rede ist." Die Europäische Union werde am Ende scheitern, wenn sie ihren Blick gebannt nur auf ökonomische Dominanz und Aktienmärkte richte, unterstrich der Bischof. Die Union, die als ein Werk des Friedens gegründet worden sei, beruhe wesentlich auf Voraussetzungen, die sie selbst nicht unmittelbar hervorbringen könne: "Das europäische Verständnis vom Menschen und die Wertebasis, auf die sich die Union als Wertegemeinschaft stützt, sind entscheidend geprägt durch die Religion, insbesondere durch das Christentum." Es könne kein Europa ohne das jüdisch-christliche Menschenbild geben, hob der Bischof hervor. Wenn auch die Charta mit ihren 54 Artikeln bereits beschlossene Sache sei, müßten wir Christen alles uns Mögliche tun, den Gottesbezug in die Präambel der Charta zu setzen, forderte Algermissen. "Es braucht also Persönlichkeiten in Gesellschaft und Politik, die das Zeug haben, gegen den Strom des Zeitgeistes zu schwimmen und für christliche Überzeugungen zu kämpfen", schloß der Fuldaer Bischof und bat um eine große Solidarisierung zur Durchsetzung dieses Projekts.
Im Anschluß an seine Ansprache gab Bischof Algermissen die Ernennung von Dechant Markus Günther (Großenlüder) zum Bistumsbeauftragten für den Erwachsenenkatechumenat sowie die Ernennung von Generalvikar Monsignore Peter-Martin Schmidt und Seelsorgeamtsleiter Domkapitular Rudolf Hofmann zu päpstlichen Ehrenprälaten bekannt.
03.01.2003
Quelle: http://katholische-kirche.de/