Vatikan ernennt Visitator im Sexskandal von St. Pölten

Rom (dpa) - Papst Johannes Paul II. hat im Sex-Skandal am Priesterseminar von St. Pölten in Niederösterreich überraschend schnell gehandelt und den umstrittenen Bischof der Diözese weitgehend entmachtet. Wie der Vatikan bekannt gab, ernannte Johannes Paul II. den Bischof der Diözese von Vorarlberg, Klaus Küng, zum «Apostolischen Visitator» für die gesamte Diözese. Damit ist der umstrittene Bischof Kurt Krenn faktisch entmachtet. Auf Computern des Seminars hatte die Polizei unter anderem Kinderpornographie entdeckt.

20. Juli 2004

Quelle: http://de.news.yahoo.com/040720/3/44ijr.html

 

 

Vatikan schaltet sich in Untersuchung von Pornoskandal in St. Pölten ein

Wien/Rom (AP) Mit der Ernennung eines Sonderbeauftragten hat der Vatikan die Untersuchung des Kinderpornoskandals im Priesterseminar St. Pölten in die eigenen Hände genommen. Papst Johannes Paul II. setzte den Vorarlberger Bischof Klaus Küng am Dienstag als so genannten Apostolischen Visitator für die gesamte Diözese St. Pölten ein.

Damit ist auch das Mandat der von Ortsbischof Kurt Krenn benannten Untersuchungskommission erloschen. Kirchenintern wird der Schritt des Vatikans als Paukenschlag und Misstrauenserklärung gewertet, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete. Ein Apostolischer Visitator wird vom Vatikan ernannt, wenn der Papst schwere Missstände in einem Bistum vermutet.

Küng sprach von einer «delikaten und diffizilen Aufgabe». Er erklärte, zunächst wolle er sich ein möglichst objektives Bild der Lage verschaffen. Danach müsse er die zuständigen Vatikanischen Kongregationen entsprechend informieren und «geeignete Maßnahmen» vorschlagen. Er wolle seine Arbeit in St. Pölten «gründlich und zügig voranbringen». Küng gilt als konservativ, er ist Mitglied der umstrittenen katholischen Bewegung Opus Dei.

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn erklärte, Rom habe schnell gehandelt. Er sprach von einer «außergewöhnlichen Maßnahme». Die vom Vatikan getroffene Entscheidung sei ein «wichtiger Schritt hin zu einer Sanierung der Situation», sagte Schönborn laut APA. «Wir wissen inzwischen alle und spüren es schmerzlich, dass eine solche Sanierung notwendig ist.»

Die Polizei hatte bei Ermittlungen im Priesterseminar St. Pölten rund 40.000 pornografische Bilder und zahlreiche Filme sichergestellt. Die Aufnahmen zeigen auch homosexuelle Handlungen zwischen Seminaristen und ihren Vorgesetzten. Am Montag stellte die österreichische Staatsanwaltschaft Strafantrag gegen einen Studenten des Priesterseminars wegen Besitzes von Kinderpornografie. Auf der Festplatte des 27-jährigen Polen sei eine «Vielzahl von pornografischen Darstellungen mit Unmündigen» entdeckt worden, hieß es.

Auch die Diözese St. Pölten begrüßte die Einsetzung des Apostolischen Visitators. Küng werde Diözese und Priesterseminar «einer umfassenden, sorgfältigen und objektiven Prüfung unterziehen», hieß es auf der Web-Seite von Bischof Krenn. Damit sei «in allen betreffenden Fragen eine Wende zum Guten eingeleitet».

Krenn selbst ist wegen des Skandals im Priesterseminar unter Druck geraten. Die Rufe nach seiner Ablösung rissen auch am Dienstag nicht ab. Krenn und «alle anderen Personen seines Dunstkreises, die für die Missstände im Priesterseminar St. Pölten zuständig sind», müssten sofort ihrer Ämter enthoben werden, forderte die Laien-Organisation «Wir sind Kirche». Der Verein «Aktiva Austria», der sich um sexuell misshandelte Kinder kümmert, kritisierte, es sei «unerträglich, wie Bischof Krenn mit den aktuellen Vorwürfen umgeht». Krenn sorgte unter anderem für Empörung, weil er im Zusammenhang mit dem Skandal von «Buben-Dummheiten» sprach.

http://www.stjosef.at/bischof.k.krenn/

20. Juli 2004

Quelle: http://de.news.yahoo.com/040720/12/44j02.html

 

 

Vatikan ermittelt nach Porno-Skandal in St. Pölten

Wien (AFP) - Papst Johannes Paul II. hat sich in den Porno-Skandal am österreichischen Priesterseminar von St. Pölten eingeschaltet. Der Papst beauftragte den Bischof von Feldkirch, Klaus Küng, in dem Fall zu ermitteln. Küng wurde als "apostolischer Visitator" eingesetzt, um den Vorwürfen auf den Grund zu gehen. Die außergewöhnliche Maßnahme gilt als deutliche Misstrauenserklärung an die Amtsführung des erzkonservativen St. Pöltener Bischofs Kurt Krenn.

In einer ersten Stellungnahme gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA sprach Küng von einer "delikaten und diffizilen Aufgabe". Sein Auftrag sei es, sich zunächst ein möglichst objektives Bild über die Lage zu machen und dann den Vatikanischen Kongregationen "geeignete Maßnahmen vorzuschlagen". Ihm gehe es vor allem darum, "das Vertrauen, das viele Gläubige der Kirche und dem Heiligen Vater entgegen bringen, nicht zu enttäuschen".

Bereits im November waren auf mehreren Computern des Seminars rund 40.000 Pornobilder, darunter auch zahlreiche pädophile Darstellungen, entdeckt worden. Ins Rollen kam die Affäre Anfang Juli durch einen Artikel des österreichischen Magazins "Profil", in dem auch Fotos von sexuellen Kontakten zwischen Seminarmitgliedern und Lehrenden veröffentlicht wurden.

Der Direktor des Priesterseminars und sein Vize reichten inzwischen ihren Rücktritt ein. Die Staatsanwaltschaft von St. Pölten stellte am Montag Strafantrag gegen einen Priesterschüler wegen des Besitzes von tausenden Kinderporno-Fotos.

Der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn, sprach von einer "außergewöhnlichen und seltenen Maßnahme" des Vatikans. Küng sei mit seiner Bestellung zum Apostolischen Visitator mit Sondervollmachten für Diözese und Priesterseminar ausgestattet. Während der Zeit der Ermittlungen müssten "alle großen Entscheidungen" mit dem Visitator abgesprochen werden. Damit erlösche auch das Mandat der von Bischof Krenn ernannten Untersuchungskommission.

Krenn begrüßte auf seiner Internetseite die Entscheidung des Vatikans, Diözese und Priesterseminar "einer sorgfältigen und objektiven Prüfung" zu unterziehen. Der Bischof hatte bis zuletzt versucht, die Affäre herunterzuspielen. Laut einer von "Profil" veröffentlichten Umfrage befürworten 72 Prozent der Österreicher eine Abberufung des seit 1991 amtierenden Bischofs.

20. Juli 2004

Quelle: http://de.news.yahoo.com/040720/286/44j94.html