Vatikan contra Piusbruderschaft
Rom/Zaitzkofen (ddp-bay). Der Vatikan stellt sich klar gegen die von der traditionalistischen Piusbruderschaft geplanten Priesterweihen. In einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung verweist das Presseamt des Heiligen Stuhls darauf, dass die Bischöfe der Bruderschaft weiter keine rechtmäßigen Ämter in der Kirche ausübten. «Die Priesterweihen sind daher weiterhin als unrechtmäßig anzusehen», betonte das vatikanische Presseamt. Der deutsche Distrikt der Piusbruderschaft ließ vorerst offen, ob aus dieser Klarstellung des Vatikans Konsequenzen gezogen werden.
Der Vatikan verwies in seiner Mitteilung auf den Brief von Papst Benedikt XVI. an die katholischen Bischöfe vom 10. März. Darin betonte der Papst: «Solange die Bruderschaft keine kanonische Stellung in der Kirche hat, solange üben auch ihre Amtsträger keine rechtmäßigen Ämter in der Kirche aus.» Zugleich stellte der Vatikan der Piusbruderschaft am Mittwoch in Aussicht, dass in Kürze die Voraussetzungen für den Beginn des Dialogs mit den Verantwortlichen der Gemeinschaft geschaffen würden. Dann könne über lehramtliche und folglich auch disziplinarische Fragen gesprochen werden, die derzeit offen seien.
Die Piusbruderschaft will in wenigen Tagen im US-amerikanischen Winona, in Ecône in der Schweiz sowie im oberpfälzischen Zaitzkofen insgesamt rund 20 Priester weihen. Im Priesterseminar Zaitzkofen ist für den 27. Juni die Weihe von drei Priestern und drei Diakonen angesetzt. Dazu werden der argentinische Pius-Bischof Alfonso de Galarreta sowie der Generalobere, Bischof Bernard Fellay, erwartet.
Mehrere deutsche Bischöfe hatten das Vorhaben scharf kritisiert. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, sprach vergangene Woche von einem «Affront gegen die Einheit der Kirche». Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller bezeichnete die Weihen als «unerlaubt» und forderte eine Absage. Der Regens des Priesterseminars von Zaitzkofen, Stefan Frey, bekräftigte am Montag ungeachtet der Kritik den Plan, an den Weihen festzuhalten: «Es geht um Sein oder Nichtsein des Christentums in Europa.»
Nach der Klarstellung des Vatikans will die Piusbruderschaft in Deutschland nicht eigenständig über das weitere Vorgehen entscheiden. Ein Sprecher sagte auf ddp-Anfrage in Stuttgart, der deutsche Distrikt warte in der Frage der Priesterweihe auf eine Äußerung des Generaloberen, Bischof Fellay. Die Deutsche Bischofskonferenz und das Bistum Regensburg wollten sich auf Anfrage vorerst nicht weiter zu der Debatte äußern.
Der Papst hatte im Januar die Exkommunikation der vier Bischöfe der Piusbruderschaft aufgehoben. Unter ihnen war auch der Brite Richard Williamson, der den Holocaust geleugnet hatte. Benedikt XVI. geriet deswegen auch innerhalb der Kirche stark unter Druck.
17.6.09
Quelle: http://de.news.yahoo.com/17/20090617/twl-vatikan-contra-piusbruderschaft-aea69d0_1.html