Vatikan Islam Papier
Bischöfe: Vatikan-Islam-Papier wichtiger Schritt im Dialog Päpstlicher Rat und iranische Theologen verabschieden Erklärung
"Glaube und Vernunft sind von sich aus gewaltlos." Das ist die zentrale Aussage einer Erklärung, die der Vatikan und iranische Muslime verabschiedet haben. Die Deutsche Bischofskonferenz sieht in dem Dokument einen "bedeutenden Schritt im Dialog".
Innerhalb eines langjährigen Dialogs mit Muslimen sei bei dem nun sechsten Zusammentreffen mit Schiiten aus dem Iran ein "Kommuniqué von hohem Stellenwert" gelungen. "Ganz entscheidend ist hierbei die Absage an die Gewalt als zentraler Punkt", sagte der Leiter der Fachstelle für christlich-islamischen Dialog der Bischofskonferenz, Peter Hünseler, auf.
"Mutige Erklärung"
Zugleich betonte Hünseler, die Feststellung, dass Glaube und Vernunft gewaltlos sein müssten und nicht für Gewalttätigkeit missbraucht werden dürften, sei seitens der muslimischen Unterzeichner auch "mutig". Im Iran gebe es hier gegensätzliche Positionen. Die gemeinsame Erklärung mit ihren sieben Grundsätzen sei auch in einer Linie mit der Regensburger Vorlesung von Papst Benedikt im September 2006 zu sehen.
2.5.08
Quelle: http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/21/0,3672,7230133,00.html?dr=1
Vatikan
Vatikan/Deutschland
Für die gemeinsame Erklärung von Vatikan und führenden muslimischen Vertretern des Iran gab es in Deutschland viel Lob. Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Bambergs Erzbischof Ludwig Schick, bezeichnete die Erklärung als „einen großen Fortschritt für den interreligiösen Dialog”. Nun müsse die Vorstellung eines nicht gewalttätigen Glaubens in die Köpfe und Herzen aller Religionsführer gelangen. Schick warnte jedoch vor allzu großen Erwartungen, da der Dialog nur mit einer Gruppe von Muslimen stattgefunden habe. Die islamische Welt sei tatsächlich viel größer und vielfältiger. Der Vatikan und führende Theologen aus dem Iran hatten sich am Mittwoch in Rom auf eine Erklärung zum Thema „Glaube und Vernunft im Christentum und im Islam” geeinigt. Sie betonten dabei, dass Religion „in sich gewaltlos” sei. Weder Vernunft noch Glaube dürften Gewalt rechtfertigen. Die Gespräche sollen in den kommenden zwei Jahren vertieft werden. (kna)
3.5.08
http://www.radiovaticana.org/tedesco/newsted.htm#s2
Vatikan: Papst trifft iranische Muslime
Christen und Moslems seien zu Toleranz und gegenseitigem
Respekt aufgerufen; Glaubensdifferenzen und auch historische gegebene
Unterschiede seien wichtige Faktoren.
Diese Themen besprach Papst Benedikt XVI. an diesem Mittwoch mit einer
Delegation iranischer Muslime. Die Begegnung mit den Mitgliedern der
„Organisation für islamische Kultur und Beziehungen“ aus Teheran fand im
Anschluss an die Generalaudienz statt.
Die iranischen Theologen waren zu Gesprächen zum Thema „Glaube und Religion in
Christentum und Islam“ mit Delegierten des Päpstlichen Rats für den
interreligiösen Dialog in Rom. Glaube wie Vernunft seien Geschenke Gottes;
Glaube könne mitunter über der Vernunft stehen, aber niemals gegen sie, heißt es
in der zum Abschluss veröffentlichten gemeinsamen Presseerklärung. Glaube wie
Vernunft seien per se gewaltfrei und dürften niemals zur Begründung von Gewalt
missbraucht werden, wie es in der Vergangenheit „manchmal“ vorgekommen sei.
Christen und Moslems wollten künftig gemeinsam für die Achtung religiöser
Symbole und die Ausbreitung ethischer Werte arbeiten. Verallgemeinerungen
sollten im religiösen Kontext vermieden werden. Religiöse Traditionen könnten
nicht auf der Grundlage eines einzelnen Zitates aus den jeweils heiligen Büchern
beurteilt werden. Für ein angemessenes Verständnis der Schriften brauche es eine
ganzheitliche Sicht. Papst Benedikt habe bei der Begegnung am Mittag seine
Zustimmung zur Wahl des Diskussions-Themas ausgedrückt, heißt es in der
Vatikan-Erklärung.
Seit der Regensburger Rede Benedikts XVI. und den anschließenden Kontroversen um
den Gebrauch eines islamkritischen Zitats in der Rede hat der Vatikan seine
Beziehungen zum Islam intensiviert. Im November soll das erste Seminar des neu
gegründeten „Katholisch-muslimischen Forums“ in Rom stattfinden. Das nächste
Treffen zwischen Dialograt und iranischen Theologen ist in zwei Jahren in
Teheran geplant.
(rv 30.04.2008 bp)
http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=202571
Der Vatikan und schiitische Muslime
Ermutigung oder Bollwerk gegen Liberalität
Nach einem Treffen zwischen Papst Benedikt XVI. und Mitgliedern der »Organisation für islamische Kultur und Beziehungen« aus Teheran wurde am 2. Mai 2008 eine gemeinsame Erklärung der schiitischen Geistlichen und des Vatikans über das Verhältnis von Glaube und Vernunft veröffentlicht. Dem Treffen gingen Gespräche der schiitischen Muslime mit Delegierten des Päpstlichen Rats für den interreligiösen Dialog in Rom voran. Seit der Regensburger Rede Benedikts XVI. und den anschließenden Kontroversen um den Gebrauch eines islamkritischen Zitats in der Rede hat der Vatikan seine Beziehungen zum Islam intensiviert. Im November soll das erste Seminar des neu gegründeten »Katholisch-muslimischen Forums« in Rom stattfinden. Das nächste Treffen zwischen Dialograt und iranischen Theologen ist in zwei Jahren in Teheran geplant. Die Erklärung des Vatikans und führender Schiiten hat folgenden Wortlaut:
1. Glaube und Vernunft sind beides Geschenke Gottes an die Menschheit.
2. Glaube und Vernunft widersprechen einander nicht, aber Glaube kann in einigen Fällen über der Vernunft sein, aber nie gegen sie.
3. Glaube und Vernunft sind in sich nicht gewalttätig. Weder Vernunft noch Glaube sollten für Gewalt gebraucht werden; unglücklicherweise wurden beide zuweilen missbraucht, um Gewalttaten zu begehen. In jedem Fall können diese Ereignisse weder Vernunft noch Glaube infrage stellen.
4. Beide Seiten stimmten überein, in der gemeinsamen Förderung wahrer Religiosität fortzufahren, in besonderer Spiritualität, um die Achtung für heilig gehaltene Symbole zu ermutigen und moralische Werte zu fördern.
5. Christen und Muslime sollten über Toleranz hinausgehen, in der Anerkennung der Unterschiede, doch im Bewusstsein der Gemeinsamkeiten, und Gott dafür dankbar sein. Sie sind berufen zu gegenseitigem Respekt und verurteilen deshalb die Verspottung des religiösen Glaubens.
6. Verallgemeinerungen sollten im Gespräch über Religionen vermieden werden. Unterschiede zwischen den Konfessionen innerhalb des Christentums und des Islams sowie die Verschiedenheit historischer Kontexte sind wichtige beachtenswerte Faktoren.
7. Religiöse Traditionen können nicht auf der Basis eines einzelnen Verses oder einer Passage in den jeweiligen heiligen Büchern beurteilt werden. Sowohl eine Gesamtschau als auch eine adäquate hermeneutische Methode sind notwendig für ihr faires Verständnis.«
Die Erklärung enthält eine Reihe von Selbstverständlichkeiten. Offenbar müssen diese nach Ansicht der Geistlichen betont werden, weil sie in den eigenen Reihen infrage gestellt werden. Allerdings können dann die sieben Punkte nur der Anfang, nicht das Ende eines Dialogs sein.
Denn von welcher Gewalt ist hier die Rede? Ist es auch die subtile, strukturelle Gewalt, die Frauen weitgehend von schiitischen Führungspositionen im Iran abhält und in der katholischen Kirche deren Gleichberechtigung verhindert?
Von welcher Vernunft ist hier die Rede? Ist es die voraufklärerische Vernunft, die immer schon vom Glauben umklammert wird, dann ist die Vernunft nur eine mindere Art des Glaubens und von daher keine dem Glauben ebenbürtige Größe.
Was ist mit Toleranz gemeint: auch die Toleranz gegenüber Kinderehen im Islam und gegenüber der Ausgrenzung von homosexuellen Menschen in beiden Konfessionen?
Gerade hat der Islam weltweit mit 19,2 Prozent der Weltbevölkerung den Anteil der katholischen Kirche mit 17,4 Prozent erstmalig überflügelt. So ermutigend die Erklärung und der schiitisch-katholische Dialog sind: Ein neuer Pakt religiös-autoritärer Gemeinschaften zur Abwehr von Liberalität und zur Sicherung eigener Einflussbereiche wäre ein globaler Rückschritt. nc
Publik Forum 6.5.08
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