Die neuen "entsetzlichen Bilder aus Abu Ghraib" bedecken "die Folterer und die Fotografen mit Schande", betonte der chaldäisch-katholische Bagdader Weihbischof Shlemon Warduni im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR. Die Täter seien Leute "ohne Humanität". Bischof Warduni äußerte die Befürchtung, dass die Bilder neuerliche Attacken auf die irakischen Christen auslösen könnten.
Etwa drei Prozent der Iraker sind Christen, die zum Teil unter dem früheren laizistischen Baath-Regime Vorteile genossen; die Mehrheit gehört zu der mit Rom unierten Glaubensgemeinschaft der Chaldäer (deren Mitglied der inhaftierte Ex-Vizepremier Tarek Aziz war). Ihr Oberhaupt ist der in Bagdad residierende Patriarch von Babylon, Emmanuel III. Delly. Ihre Sicherheitslage hat sich seit der US-Intervention verschlechtert. Kirchen in Mossul und Bagdad und anderen Orten wurden niedergebrannt, Dutzende von Christen getötet. Die christlichen Kirchen hatten sich einer Verankerung des islamischen Rechts in der neuen Verfassung zu widersetzen versucht.
Nach den jüngsten Anschlägen würden die neuen Folterbilder aus Abu Ghraib eine "ernste Gefahr" für die Christen darstellen. Manche Leute im Irak könnten meinen, dass die Verursacher der auf den Bildern zu sehenden "scheußlichen Untaten" Christen sind. Bischof Warduni wörtlich: "Und sie könnten meinen, dass alle Christen so sind". Dabei sei klar, dass niemand ein Christ ist, der sich solcher Taten schuldig mache. Was in Abu Ghraib geschehen sei, bedecke alle Menschen, ob sie nun Christen, Juden oder Muslime seien, mit Schande. Abschließend sagte der chaldäische Bischof: "Was die Bilder zeigen, das sind Gotteslästerungen gegen den Menschen und seine Würde als Kind Gottes". (Ag.
17.2.06
Quelle: http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=p&ressort=a&id=540062