US-Kardinal kritisiert
Bush-Regierung wegen Krieg in Irak.
Öffentlichkeit über die wahren
Kriegsgründe getäuscht
Rom (AP) Der amerikanische Kardinal James Francis
Stafford hat der US-Regierung vorgeworfen, die Amerikaner hinsichtlich der
Gründe für den Irak-Krieg getäuscht zu haben. In einem Interview der im
kommenden Monat erscheinenden Ausgabe des Magazins «Inside the Vatican» sagte
der beim Vatikan tätige Kardinal, er warte immer noch auf harte Beweise für die
Behauptung der Regierung von Präsident George W. Bush, Irak sei vor dem Krieg
noch im Besitz von Massenvernichtungswaffen gewesen.
«Ich habe diese Beweise nicht gesehen. Ich habe alles
gelesen, aber ich habe nichts gefunden», sagte Stafford. «Warum haben der
Präsident, der Vizepräsident und der Verteidigungsminister gesagt, es gebe eine
unmittelbare Bedrohung des Friedens für die amerikanische Gesellschaft durch
Waffen aus Irak, entweder direkt oder indirekt durch El Kaida? Warum haben sie
das gesagt, obwohl sie keine Dokumente hatten, die das stützten?» Der Kardinal
warf der Regierung vor, die wahren Gründe für den Krieg verschwiegen zu haben.
«Ich frage, ob dies auch ein moralisches Versagen ist? Und ich denke ja. Und
ich bedauere, dies sagen zu müssen.»
Der Kardinal ging in dem Interview auch auf die
Misshandlung irakischer Gefangener durch US-Soldaten ein. Er warf in diesem
Zusammenhang der Regierung, ihren Widersachern im Kongress und den Medien vor,
sich im Krieg gegen den Terror nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nicht
eindeutig gegen Folter ausgesprochen zu haben.
Papst Johannes Paul II. und andere führende Vertreter
des Vatikans haben sich schon vor Beginn des Irak-Kriegs im März vorigen Jahres
gegen kriegerische Mittel zur Lösung des Irak-Konflikts ausgesprochen und auch
später wiederholt die Kriegsentscheidung kritisiert.
18. Mai 2004
Quelle: http://de.news.yahoo.com/040518/12/41dms.html