ISTANBUL. Die
christdemokratisch-konservative EVP-Fraktion im Europaparlament und orthodoxe Würdenträger
haben die Türkei aufgefordert, die Rechte religiöser Minderheiten zu starken.
Diese müssten in der Türkei die gleichen Rechte erhalten wie in den EU
-Staaten, heißt es in der am Freitag in Istanbul verabschiedeten Schlusserklärung
der 9. Konferenz der EVP mit der Orthodoxie. Unter anderem wird darin zur Rückgabe
beschlagnahmten Kirchenbesitzes sowie zur Wiedereröffnung des 1971 geschlossenen
orthodoxen Priesterseminars Halki aufgerufen.
Der niederländische Türkei-Berichterstatter
des Europaparlaments, Camiel Eurlings, warf den türkischen Behörden schwere Versäumnisse
bei der Religionsfreiheit vor. Er erinnerte daran, dass die Regierung in Ankara
beispielsweise schon in den 90er Jahren die Wiedereröffnung des Priesterseminars
versprochen habe. Verfassungsrechtliche Bedenken der Türkei, als laizistischer
Staat könne sie keine Zugeständnisse machen, wies er zurück.
Eurlings äußerte die
Erwartung, dass auch die EU-Kommission in ihrem für November erwarteten
Fortschrittsbericht zur Türkei festhalten werde, dass es bei der Religionsfreiheit
im vergangenen Jahr keine wesentlichen Verbesserungen gegeben habe.
Das Ehrenoberhaupt
der Orthodoxie, Patriarch Bartholomaios I., griff die türkischen Behörden
scharf an. Er geißelte die Schließung von Kirchen und die Verweigerung der Rückgabe
von Besitztümern. KNA
Quelle: Frankfurter Rundschau, 20.10.05, S. 6