Türkei: Kulturhauptstadt 2010: Orthodoxe Kirche in Istanbul nicht einbezogen
Istanbul, 09.10.2009 (KAP) Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel ist mit der Einbindung in das Projekt "Kulturhauptstadt 2010" unzufrieden. Im kommenden Jahr wird Istanbul zu einem Zentrum der europäischen Kultur, das Motto lautet "Wo die Kulturen sich treffen". Wie der Pressesprecher des Patriarchats, Erzpriester Dositheos Anagnostopoulos in einem "Kathpress"-Gespräch in Istanbul sagte, werde das Patriarchat aufgrund des fehlenden Rechtsstatus überhaupt nicht kontaktiert. Einige kirchliche Kulturvereine seien zwar schon vor längerem zur Mitarbeit eingeladen wurden, es würden aber noch keine konkreten Ergebnisse der eingesetzten Gremien vorliegen.
Wenn man nur einige kirchliche Gebäude renoviert und Museen einrichtet, sei das letztlich zu wenig, so Anagnostopoulos. Kultur erschöpfe sich nicht in schönen Gebäuden, sondern bedeute Begegnung zwischen Menschen und deshalb brauche es auch kirchliche Institutionen als Orte der Begegnung. Doch davon sei bisher nichts zu bemerken.
Der Pressesprecher des Patriarchats warnte die Kulturhauptstadt-Verantwortlichen vor einer Zwickmühle. Schließlich gebe es in Istanbul zahlreiche kirchliche Gebäude, doch es fehlten die dazugehörigen Menschen. Anagnostopoulos: "Das kann man nicht kaschieren, das gehört aufgearbeitet". Doch solch ein Denken sei in Istanbul noch nicht etabliert.
Der Pressesprecher des Patriarchats erinnerte daran, dass Istanbul vor 50 Jahren bei einer Einwohnerzahl von rund 1,1 Millionen Menschen einen fast 25-prozentigen Minderheitenanteil hatte. Allein 110.000 Griechen lebten damals in der Region. Heute seien es nur noch wenige tausend in einer Stadt mit 17 Millionen Menschen.
Bezeichnend sei auch, so Anagnostopoulos, dass weder die theologische Fakultät und das Priesterseminar auf Chalki noch das orthodoxe Waisenhaus auf der Prinzeninsel Büyük ada in Projekte rund um die Kulturhauptstadt eingebunden sind. Dazu müsste man die dahinterstehenden Probleme erst lösen, wofür es aber scheinbar kein Interesse gebe.
In der "Kulturhauptstadt 2010" entsteht derzeit eine Reihe neuer Kulturzentren. Weiters werden zentrale archäologische Stätten wie jene im Garten der Hagia Sophia restauriert. Ein neues Stadtmuseum ist im Entstehen, das archäologische Funde zeigt, und das bereits bestehende Archäologische Museum sowie das Topkapi-Museum werden runderneuert. Zudem wird ein neues Museum für Reliquien und Ikonen eröffnet. Musikprojekte aller Stile und Richtungen, Literaturveranstaltungen und Filmfestivals gehören ebenso zum Programm wie gänzlich neue visuelle Kunstprojekte, die sich beispielsweise mit dem Thema "Leben und Arbeiten in Istanbul" beschäftigen.
9.10.09
Quelle: http://www.kathweb.at/content/site/nachrichten/database/28592.html