Dialog wird
fortgesetzt
- VON KARL-HEINZ BAUM
Spitzenvertreter der
Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und moslemischer Verbande wollen
ihren Dialog regelmäßig fortsetzen. Das vereinbarten sie bei einem ersten
Treffen am Dienstag in Berlin.
BERLIN. 11. JANUAR
.Man habe ein "offenes und faires« Gespräch geführt, sagte der
EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber nach dem Treffen. Die moslemische
Sei- te nannte den Austausch "offen und konstruktiv«. Er soll nun laut
Huber auf zwei Ebenen fortgesetzt werden: zum einen sollen Spitzengespräche über
die Gesamtlage, Integration und interreligiösen Dialog, da- neben Fachgespräche
in Arbeitskreisen geführt werden. Wichtigstes Thema der Zusammenkunft am
Dienstag war laut Huber die Ausbildung von Imamen und islamischen
Religionslehrern, die in deutscher Sprache unterrichten sollen. Dafür wollen
sich beide Seiten künftig verstärkt einsetzen.
Im Berliner Haus der
EKD am Gendarmenmarkt standen ferner einige strittige Fragen zwischen beiden
Weltreligionen auf der
Tagesordnung: der Kopftuchstreit, die Sicherheitslage, die Diskriminierung von
Christen in islamischen Ländern, aber auch der Wert der Familie. Auf
evangelischer Seite nahmen neben Huber der frühere Präses der EKD-Synode, Jürgen
Schmude, und Oberkirchenrat Martin Affolderbach teil. Auf moslemischer Seite
beteiligten sich der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland, der Verband
Islamischer Kulturzentren, der staatlich - türkische Moscheeverband und als
Vertreter der Schiiten das Islamische Zentrum Hamburg sowie die islamische
Frauenzeitschrift Huda. Der Vorsitzen- de des Zentralrats der Muslime in
Deutsch- land, Nadeem Elyas, hatte abgesagt.
Vor dem Treffen war
es zu Verstimmungen gekommen. Huber hatte die Mitglieder des
Islamisch-Christlichen Arbeitskreises zum Gespräch eingeladen, ein 1976 gegründetes
Dialoggremium, das seitdem aber an Bedeutung verloren hat. Die islamischen
Spitzenorganisationen fühlten sich prompt nicht angesprochen. Nur gut 300000
der 3,1 Millionen in Deutschland lebenden Moslems sind organisiert. Der
Zentralverband umfasst 12 000, der Islamrat unter AIi Kizikaya 140000 Glaubige.
Quelle: Frankfurter Rundschau 12.1.05, S. 4