Todesurteil für konvertierten
Christen in Afghanistan?
Koran,
Sure 4.89
Sie möchten gern, ihr würdet ungläubig, wie sie ungläubig
sind, So dass ihr ihnen gleich würdet. So nehmt euch niemanden von ihnen zum Freund,
bis sie auf dem Weg Gottes auswandern. Wenn sie sich abkehren, dann greift sie
und tötet sie, wo immer ihr sie findet, und nehmt euch niemanden von ihnen zum
Freund oder HeIfer,
Osnabrück/Washington (ap). Die afghanische Regierung wirft Deutschland wegen
der scharfen Kritik am Prozess gegen den zum Christentum übergetretenen Abdul
Rahman Erpressung vor. Zugleich dämpfte Kabul die Sorge, der 41-Jährige könne
zum Tode verurteilt werden. "Die hitzige und emotionale Reaktion deutscher
Politiker ist überzogen und hat bei den Afghanen für Unmut gesorgt", sagte
Wirtschaftsminister Amin Farhang. Der Protest aus Berlin hielt dennoch an.
FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle forderte die Bundesregierung auf, Kabul
"dramatische Konsequenzen" anzudrohen, etwa den Abzug der deutschen
Soldaten.
Rahman war nach seiner Konversion von seinem eigenen Vater angezeigt und
daraufhin verhaftet worden. "Natürlich fordern Fanatiker in solchen Fällen
die Todesstrafe, doch es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie gegen Rahman verhängt
wird", sagte Farhang. "Wir wissen nicht, ob der Beschuldigte
überhaupt zurechnungsfähig ist." Nach der Anzeige habe die
Staatsanwaltschaft jedoch ermitteln müssen. "Das ist afghanisches
Recht", sagte der Minister. Jetzt werde die Rechtslage geprüft.
Der afghanische Außenminister Abdullah Abdullah sagte bei einem
Besuch in Washington, er hoffe, dass der verfassungsgemäße Prozess ein
"befriedigendes Ergebnis erbringen werde".
Der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz forderte die Bundesregierung zum Handeln
auf. "Wir müssen dringend Einfluss auf die afghanische Regierung nehmen,
damit Gesetze, die Konvertierungen von einem Glauben zu einem anderen mit
Strafe bedrohen, abgeschafft werden", sagte der Vorsitzende des
Auswärtigen Bundestagsausschusses.
Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle regte die Einstellung der
deutschen Hilfe für den Fall an, dass Afghanistan das Rechtssystem des Landes
nicht schnell modernisiert. Westerwelle sagte: "Wenn jemand durch ein
Urteil mit dem Tode bedroht wird, nur weil er zum christlichen Glauben
übergetreten ist, dann müssen die deutsch-afghanischen Beziehungen völlig neu
sortiert werden." Deutschland könne keine Soldaten nach Afghanistan
entsenden, "um ein solches Unrecht zu sichern".
Der afghanische Minister Farhang zeigte sich empört. "Wenn deutsche
Politiker indirekt mit dem Abzug der Bundeswehr drohen, dann grenzt das an eine
Art von Erpressung." Kabul mische sich auch nicht in die inneren
Angelegenheiten der Bundesrepublik oder gar in laufende Rechtsverfahren ein,
sagte er.
Kritik an dem Verfahren kam indes nicht nur aus Deutschland, auch das
italienische Außenministerium schaltete sich ein. Außenminister Gianfranco Fini
erklärte, er habe den afghanischen Botschafter in Rom zum Gespräch einbestellt.
Zuvor hatten bereits die Bundesregierung, die Katholische Kirche und deutsche
Muslime an Afghanistan appelliert, Toleranz zu üben.
Zurückhaltender reagierte die US-Regierung. Der Unterstaatssekretär im
Außenamt, Nicholas Burns, rief Kabul auf, den Prozess transparent zu gestalten.
Rahman müsse das Recht haben, seine Religion ohne Verfolgung zu praktizieren.
Allerdings wolle sich Washington nicht in die inneren Angelegenheiten
Afghanistans einmischen.
22.3.06
nach Frankfurter Rundschau
Quelle: http://www.fr-aktuell.de/fr_home/startseite/?sid=20c0d6161aaec0fa8087405a34356347&cnt=831530