Todesurteil für konvertierten Christen in Afghanistan? 

 

Abfall vom Glauben - Tötung der Abtrünnigen

Koran, Sure 4.89

Sie möchten gern, ihr würdet ungläubig, wie sie ungläubig sind, So dass ihr ihnen gleich würdet. So nehmt euch niemanden von ihnen zum Freund, bis sie auf dem Weg Gottes auswandern. Wenn sie sich abkehren, dann greift sie und tötet sie, wo immer ihr sie findet, und nehmt euch niemanden von ihnen zum Freund oder HeIfer,

Übersetzung nach: Khoury u.a., Islam Lexikon, 1991, S. 771 ff

 

Osnabrück/Washington (ap). Die afghanische Regierung wirft Deutschland wegen der scharfen Kritik am Prozess gegen den zum Christentum übergetretenen Abdul Rahman Erpressung vor. Zugleich dämpfte Kabul die Sorge, der 41-Jährige könne zum Tode verurteilt werden. "Die hitzige und emotionale Reaktion deutscher Politiker ist überzogen und hat bei den Afghanen für Unmut gesorgt", sagte Wirtschaftsminister Amin Farhang. Der Protest aus Berlin hielt dennoch an. FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle forderte die Bundesregierung auf, Kabul "dramatische Konsequenzen" anzudrohen, etwa den Abzug der deutschen Soldaten.

Rahman war nach seiner Konversion von seinem eigenen Vater angezeigt und daraufhin verhaftet worden. "Natürlich fordern Fanatiker in solchen Fällen die Todesstrafe, doch es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie gegen Rahman verhängt wird", sagte Farhang. "Wir wissen nicht, ob der Beschuldigte überhaupt zurechnungsfähig ist." Nach der Anzeige habe die Staatsanwaltschaft jedoch ermitteln müssen. "Das ist afghanisches Recht", sagte der Minister. Jetzt werde die Rechtslage geprüft.

Der afghanische Außenminister Abdullah Abdullah sagte bei einem
Besuch in Washington, er hoffe, dass der verfassungsgemäße Prozess ein "befriedigendes Ergebnis erbringen werde".

Der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz forderte die Bundesregierung zum Handeln auf. "Wir müssen dringend Einfluss auf die afghanische Regierung nehmen, damit Gesetze, die Konvertierungen von einem Glauben zu einem anderen mit Strafe bedrohen, abgeschafft werden", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Bundestagsausschusses.

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle regte die Einstellung der deutschen Hilfe für den Fall an, dass Afghanistan das Rechtssystem des Landes nicht schnell modernisiert. Westerwelle sagte: "Wenn jemand durch ein Urteil mit dem Tode bedroht wird, nur weil er zum christlichen Glauben übergetreten ist, dann müssen die deutsch-afghanischen Beziehungen völlig neu sortiert werden." Deutschland könne keine Soldaten nach Afghanistan entsenden, "um ein solches Unrecht zu sichern".

Der afghanische Minister Farhang zeigte sich empört. "Wenn deutsche Politiker indirekt mit dem Abzug der Bundeswehr drohen, dann grenzt das an eine Art von Erpressung." Kabul mische sich auch nicht in die inneren Angelegenheiten der Bundesrepublik oder gar in laufende Rechtsverfahren ein, sagte er.

Kritik an dem Verfahren kam indes nicht nur aus Deutschland, auch das italienische Außenministerium schaltete sich ein. Außenminister Gianfranco Fini erklärte, er habe den afghanischen Botschafter in Rom zum Gespräch einbestellt. Zuvor hatten bereits die Bundesregierung, die Katholische Kirche und deutsche Muslime an Afghanistan appelliert, Toleranz zu üben.

Zurückhaltender reagierte die US-Regierung. Der Unterstaatssekretär im Außenamt, Nicholas Burns, rief Kabul auf, den Prozess transparent zu gestalten. Rahman müsse das Recht haben, seine Religion ohne Verfolgung zu praktizieren. Allerdings wolle sich Washington nicht in die inneren Angelegenheiten Afghanistans einmischen.

22.3.06

nach Frankfurter Rundschau

Quelle: http://www.fr-aktuell.de/fr_home/startseite/?sid=20c0d6161aaec0fa8087405a34356347&cnt=831530