Theologe: Widerstand gegen Globalisierung leisten

Tübingen, 13.5.2004 (KNA). Zum Widerstand gegen einen zunehmenden weltweiten
Neoliberalismus hat der peruanische Befreiungstheologe und Dichter Luis
Zamprano aufgerufen. Im Rahmen einer Europareise forderte der katholische
Priester am Donnerstag an der Universität Tübingen eine "Option für die
Ausgeschlossenen", die Opfer der Globalisierung geworden sind. Vorbild dafür
könne die 1968 von den lateinamerikanischen Bischöfen im kolumbianischen
Medellin beschlossene "Option für die Armen" sein, sagte der 57-jährige
Theologe.

Zamprano, der 1982 in Tübingen promovierte, nannte eine im Zuge der
Globalisierung verstärkte Vorherrschaft des Kapitals über die Arbeit eine
"neue Form der Sklaverei". Die von Arbeit und Erwerbsmöglichkeiten
ausgeschlossenen Menschen müssten sich wehren. Ausdrücklich begrüßte der
Priester Bündnisse gegen Negativfolgen der Globalisierung wie "attac". Er
forderte eine solidarische Wirtschaft, in der die Interessen des Kapitals
und der arbeitenden Menschen ausgeglichen sind. Dazu müssten sich Millionen
Menschen, die aus Wirtschaft und Gesellschaft ausgeschlossen wurden, in
Netzwerken solidarisieren. "Wir dürfen die Utopie einer anderen Welt trotz
eines unüberwindbar scheinenden Neoliberalismus nicht verlieren", betonte
Zamprano.

"Übungsfeld Kirche"
Die Kirche könne "Übungsfeld eines solidarischen Miteinanders" sein,
unterstrich der Befreiungstheologe. Zamprano, der in der Pfarrei "Volk
Gottes" in der peruanischen Diözese Puno für 60.000 Katholiken zuständig
ist, forderte mehr Kompetenzen für Laien in der Kirche. Nur mit dem
Engagement der Menschen an der Basis könne sie ihre Zukunftschancen wahren.
Eine Reform der Kirche müsse mehr Solidarität mit den Armen und
Ausgegrenzten zum Ziel haben. Dies festige die Kirche selbst. "Denn die
Armen und Ausgeschlossenen werden ihrerseits eine Option für die Kirche
aussprechen", sagte der Theologe.

Quelle:
http://www.kna.de/webnews/kwn0_472prs865qylo/kwn0-20040513t122124125.htm