Streit um Mohammed-Karikaturen

 

Streit um dänische Mohammed-Karikaturen eskaliert

 

Kopenhagen/Teheran (AFP) - Der Konflikt um die in Dänemark veröffentlichten Karikaturen über den Propheten Mohammed ist eskaliert: Nach einer Bombendrohung mussten mehrere Redaktionsbüros der Zeitung "Jyllands-Posten" in Aarhus und Kopenhagen geräumt werden. Vertreter mehrerer arabischer Staaten forderten von der dänischen Regierung eine Bestrafung der Urheber der Karikaturen. Zuvor hatte sich der Chefredakteur der Zeitung bereits für die Veröffentlichung

 

Die Redaktionsräume von "Jyllands-Posten" bei Aarhus und im Zentrum Kopenhagens wurden nach Polizeiangaben vollständig geräumt. In Viby bei Aarhus wurden rund 300 Menschen in Sicherheit gebracht, in Kopenhagen mussten etwa 50 Menschen ihre Arbeitsplätze verlassen. Die Polizei suchte mit Spürhunden nach möglichen Sprengsätzen. Ein Polizeisprecher ging davon aus, dass die Drohung nicht ernst gemeint war: "Wahrscheinlich war das die Tat eines Verrückten."

 

"Jyllands-Posten" hatte Ende September zwölf satirische Zeichnungen mit dem Titel "Die Gesichter Mohammeds" abgedruckt. Darunter war ein Bild, das Mohammed mit einem Turban in Form einer Zeitbombe zeigte. Moslems beklagten, dass die Karikaturen ihre religiösen Gefühle verletzten. Am 10. Januar druckte die norwegische Zeitung "Magazinet" die Zeichnungen nach, woraufhin der Streit vollends eskalierte.

 

Der Chefredakteur von "Jyllands-Posten", Carsten Juste, hatte sich in einem Brief an die jordanische Nachrichtenagentur Petra für die Veröffentlichung der Karikaturen entschuldigt. Diese seien zwar mit dänischem Recht vereinbar, sie hätten aber "unwiderlegbar viele Moslems verletzt".

 

Der dänische Regierungschef Anders Fogh Rasmussen sagte, es freue ihn außerordentlich, dass die "Jyllands-Posten" diesen "sehr wichtigen Schritt" gemacht habe. Seine Regierung betrachte die Angelegenheit als "sehr ernste Sache", betonte er. Zuvor hatte er die Zeichnungen verurteilt, jedoch auf die Pressefreiheit verwiesen.

 

Bei einem Treffen des Rats der arabischen Innenminister in Tunis verurteilten die Vertreter von 17 Staaten die "Beleidigung des Islam und des Propheten". Die dänische Regierung müsse die Urheber der Karikaturen "streng bestrafen". Im Irak rief eine radikale Gruppe zu Anschlägen auf dänische Soldaten auf. In zahlreichen arabischen Ländern wurden dänische Produkte boykottiert.

 

31. Januar 2006

Quelle: http://de.news.yahoo.com/31012006/286/streit-daenische-mohammed-karikaturen-eskaliert.html

 

 

Mohammed-Karikaturen:
Regierung um Deeskalation bemüht

 

Die dänische Regierung und die Islamische Gemeinde in Kopenhagen haben sich am Dienstag um Entspannung im Streit mit arabischen Ländern um die umstrittenen Mohammed-Karikaturen engagiert

 

Am Tag nach der Entschuldigung der Zeitung "Jyllands-Posten" für die Kränkung religiöser Gefühle bei Muslimen durch den Abdruck der Bilder äußerte Regierungschef Anders Fogh Rasmussen die Hoffnung, dass es nun nicht zu den angedrohten Boykottaktionen gegen Dänemark in der islamischen Welt kommen werde.

 

Rasmussen hatte zuvor im Fernsehen erklärt, persönlich hätte er niemals Bilder von Mohammed veröffentlicht. Allerdings sei eine Entschuldigung durch Dänemarks Regierung nicht möglich, weil Medien auf Grund der Pressefreiheit selbst über ihre Veröffentlichung zu entscheiden hätten. Rasmussen fügte hinzu. "Ich würde niemals Mohammed oder auch Jesus so abbilden, dass das die religiösen Gefühle anderer kränken könnte."

 

Die EU-Außenminister hatten bei ihrem Treffen am Montag ihre Solidarität mit Dänemark betont. Premier Rasmussen telefonierte in der Angelegenheit auch mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in dessen Funktion als EU-Ratspräsident.

 

Vertreter der Islamischen Gemeinde in Kopenhagen erklärten, sie seien mit den Erklärungen von dänischer Seite zufrieden und wollten sich nun gemeinsam mit Regierung und Medien in arabischen Ländern um eine Beruhigung der Gemüter bemühen. Der Sprecher der Dachorganisation der islamischen Gemeinden in Dänemark, Kasim Amat, erklärte am Dienstag die Kampagne gegen die Tageszeigung für eingestellt. Die islamische Glaubensgemeinde werde auch arabische Medien kontaktieren, darunter den Fernsehsender Al-Jazeera, um über den Kontext zu klären.

 

Nach den massiven Aktionen arabischer Regierungen sowie Demonstrationen seit dem Wochenende wurden am Dienstag deutlich weniger Proteste gemeldet. Vor der dänischen Botschaft in Damaskus beteiligten sich rund hundert Syrer an einem Sit-In.

 

Die irakische Regierung bestellte wegen des Vorfalls den dänischen Botschafter in Bagdad ein. Der irakische Außenminister Hoshiyar Zebari verurteilte laut einer offiziellen Erklärung gegenüber dem Diplomaten, Kristian Oldenberg, die Regierung in Kopenhagen wegen des Abdrucks der Zeichnungen. Eine radikale Gruppe rief zu Anschlägen auf dänische Soldaten auf. In zahlreichen arabischen Ländern wurden dänische Produkte boykottiert.

 

Das norwegische Magazin "Magazinet" sprach am Dienstag sein Bedauern aus, weil es die Zeichnungen abgedruckt hatte. Ein Sprecher des Außenministeriums in Oslo widersprach unterdessen Medienberichten, die Regierung habe ihre Diplomaten aufgefordert, sich für die Veröffentlichung der Zeichnungen zu entschuldigen. Die Vertreter Norwegens hätten sich nur für die Aufregung entschuldigen sollen, die der Abdruck nach sich gezogen habe, sagte der Ministeriumssprecher der norwegischen Nachrichtenagentur NTB.

 

Auch die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich gab eine Stellungnahme zu der Angelegenheit ab. Sie sprach in einer Aussendung von "herabwürdigende Karikaturen des Propheten Muhammad in Dänemark". Meinungsfreiheit dürfe "kein Deckmantel für Schmähungen und Hetze sein". Auch dürften Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit nicht gegeneinander ausgespielt werden. "Provokation muss dort eine Grenze finden, wo sie verantwortungslos und ignorant um das Wesen des behandelten Gegenstands direkt oder indirekt zur Hetze einlädt." (Ag.)

 

31.1.06

Quelle: http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=p&ressort=a&id=536109