Staatsministerin Maria Böhmer (CDU) forderte in der Türkei Religionsfreiheit für Christen
Hoffnung für die Paulus-Kirche in Tarsus / Türkei
Ankara. Im Tauziehen um die Pauluskirche im südtürkischen Tarsus gibt es Hoffnung, die dem in Tarsus geborenen Apostel Paulus geweihte Kirche auch künftig für christliche Gottesdienste nutzen zu können. Staatsministerin Maria Böhmer (CDU) forderte in der Türkei Religionsfreiheit für Christen ein.
Die Pauluskirche in Tarsus soll weiter für christliche Gottesdienste genutzt werden können. Diese Zusage erhielt am Freitag die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Maria Böhmer (CDU), bei einem Gespräch mit ihrem türkischen Amtskollegen Mustafa Said Yazicioglu in Ankara.
"Positiver Schritt"
Yazicioglu ist Staatsminister für Auslandstürken und zuständig für das Amt für religiöse Angelegenheiten (Diyanet). Sie interpretiere die Zusage ihres türkischen Kollegen als „positiven Schritt”, sagte Böhmer am Freitag im Gespräch mit dieser Zeitung. „Er hat mir auch zugesichert, dass ein neben der Kirche gelegenes Gebäude als Gästehaus genutzt werden dürfe”, berichtete Böhmer.
Ob sich am rechtlichen Status der mittelalterlichen Kirche, die schon in den 1920er Jahren von dem türkischen Behörden verstaatlicht wurde und seitdem ein Museum ist, etwas ändern wird, bleibt allerdings offen. Bisher muss jeder einzelne Gottesdienst in der Kirche von der für die Museen zuständigen Behörde genehmigt werden. Auch fallen dafür „Mietgebühren” an. Für die uneingeschränkte Nutzung der Pauluskirche als christliches Gotteshaus setzt sich vor allem der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner seit langem intensiv ein.
Integrations-Projekte
Staatsministerin Böhmer informierte sich auf ihrer fünftägigen Türkeireise über Integrations-Projekte und Sprachkurse. Fragen der Religionsfreiheit und die Situation nicht-muslimischer Glaubensgemeinschaften in der Türkei waren ein weiterer Schwerpunkt der Reise, die Ministerin Böhmer auch nach Antakya in den äußersten Süden des Landes führte - einen Ort, „der das friedliche Zusammenleben verschiedener Religionen eindrucksvoll symbolisiert”, wie Böhmer sagte.
Antakya liegt an der Stelle des alten Antiochia, einer der bedeutendsten Metropolen der Antike. Eine besondere Rolle spielt sie in der Geschichte des Christentums. Nach der Überlieferung versammelte sich hier die erste christliche Gemeinde um Paulus, Barnabas und Petrus - in einer Felsenkirche, die noch heute als Petrus-Grotte erhalten ist und vom Vatikan zur ältesten Kirche der Christenheit erklärt wurde. Antiochia war schon immer eine weltoffene, multikulturelle und tolerante Stadt. Im modernen Antakya lebt die Tradition der Toleranz fort.
Christen leben vielerorts in Angst
„Ich habe aus Antakya den Eindruck mitgenommen, dass hier das friedliche Zusammenleben der Religionen auf einem guten Weg ist”, sagte Böhmer, die mit Vertretern aller vier Glaubensrichtungen - Muslime, Orthodoxe, Katholiken und Juden – zusammentraf. In Antakya sind nicht-muslimische Gemeinden und ethnische Minderheiten, wie die Araber, tatsächlich relativ gut integriert und haben kaum mit Vorurteilen oder Feindseligkeit der türkisch-muslimischen Mehrheit zu kämpfen.
Das unterscheidet Antakya von anderen Gegenden der Türkei, wo viele Christen seit der Ermordung des katholischen Priesters Andrea Santoro 2006 in der Schwarzmeerstadt Trabzon und dem furchtbaren Foltertod dreier evangelischer Missionare in Malatya im Jahr darauf in Angst leben.
EU-Forderungen haben bisher wenig bewirkt
Auch in Antakya ist allerdings die Zahl der Christen seit Jahrzehnten immer weiter zurückgegangen. Heute leben, neben einer kleinen jüdischen Gemeinde, nur noch etwa 2000 orthodoxe und katholische Christen in der Stadt. Und wie die nicht-muslimischen Glaubensgemeinschaften in anderen Teilen der Türkei, leiden auch sie unter dem unsicheren rechtlichen Status der Kirchengemeinden. Sie können weder Immobilien erwerben noch verkaufen, nicht einmal Bankkonten unterhalten. Sie leben in ständiger Angst vor Beschlagnahme ihrer Gebäude, sind der Willkür der Behörden ausliefert.
Die EU, der die Türkei beitreten möchte, mahnt den islamisch-konservativen Premier Tayyip Erdogan seit Jahren, nicht-muslimischen Kirchen einen gesicherten Rechtsstatus zu geben. Bewirkt haben die Forderungen bisher wenig.
04.04.2009
Quelle: http://www.derwesten.de/nachrichten/waz/politik/2009/4/4/news-116266305/detail.html