Sex-Skandal in St. Pölten offenbar lange bekannt

Baden-Baden (AFP) - Die österreichische Bischofskonferenz, der Vatikan und der St. Pöltener Bischof Kurt Krenn haben offenbar bereits seit mehr als zwei Jahren von Ausschweifungen im Priesterseminar von St. Pölten gewusst. Ein Vertrauter des inzwischen zurückgetretenen Bischofs Krenn habe beispielsweise schriftlich vor dem "Priesterseminar als Freudenhaus für Homosexuelle" gewarnt, berichtete der Südwestrundfunk (SWR) vorab aus einer Dokumentation.

Der Vertraute schrieb demnach, dass "Herr Regens (der Leiter des Seminars) durchschnittlich drei bis vier, und Herr Subregens (der stellvertretende Leiter) durchschnittlich eine homosexuelle Beziehung lebt".

Zu dem Sex-Skandal in St. Pölten äußerte sich trotz des vom Vatikan verhängten Interviewverbots nun erstmals ein Seminarist öffentlich. "Es hat eine homosexuelle Atmosphäre im Seminar geherrscht", sagte der Priesteranwärter, der auch an verschiedenen "Sex-Festen" teilgenommen haben soll, im SWR.

Der Seminarist nannte die Vorgänge in St. Pölten "ganz schlimm" und "ganz furchtbar". "Dass man das ausgenutzt hat, dass man ein Doppelleben geführt hat. Nach außen sind wir ein ganz katholisches und konservatives Priesterseminar. Und wie es innen ausschaut, war es ganz anders: Moralisch unter'm Hund." Der Priesteranwärter sprach von einem "richtigen Sumpf".

Im vergangenen Jahr waren in dem Priesterseminar auf Rechnern tausende pornographische Bilder, auch mit Minderjährigen, entdeckt worden. Ins Rollen kam die Affäre Anfang Juli durch einen Artikel des österreichischen Magazins "Profil", das auch Fotos von sexuellen Kontakten zwischen Seminarmitgliedern und Lehrenden veröffentlichte. Der Leiter des Priesterseminars und sein Vize reichten daraufhin ihren Rücktritt ein. Der vom Vatikan mit der Untersuchung der Affäre beauftragte österreichische Bischof Klaus Küng forderte angesichts der "schwerwiegenden Fehlentwicklungen" einen radikalen Neuanfang. Daraufhin ließ der Vatikan das Seminar schließen.

Die deutsche Bischofskonferenz legte nach Informationen des SWR in einer vertraulichen Studie mit dem Titel "Homosexualität und Priesterberuf" genaue Richtlinien im Umgang mit schwulen Priestern und Seminaristen fest. Nach dem 23-seitigen Papier, das dem Sender vorliegt, darf auch ein homosexueller Kandidat zum Priester geweiht werden, sofern er "in überzeugender Weise sexuelle, personale und geistliche Reife und Integration zeigt und zur zölibatären Lebensweise bereit und fähig ist".

20. August 2004

Quelle: http://de.news.yahoo.com/040820/286/469ul.html