Als Konsequenz aus der Finanzkrise hat der Kölner Kardinal Joachim Meisner den Aufbau einer neuen, christlich geprägten Gesellschaft gefordert. Neue Werte müssten her.
"Die sogenannte soziale Marktwirtschaft ist am Egoismus und an der Habsucht der Menschen zerbrochen“, sagte der 75-jährige Erzbischof am Sonntag in seiner Pfingstpredigt im Kölner Dom. „Fachkompetenz ohne Sinnkompetenz ist weltweit den Menschen zum Verhängnis geworden. Nun gilt es, aus der Kraft des Heiligen Geistes gleichsam wieder von vorn anzufangen und aus den Trümmern eine neue Zivilisation zu bauen.“
Neben der Wirtschaft kritisierte Meisner auch die Medien: „Man käme heute gar nicht mehr nach, Falschmeldungen zu dementieren und zu korrigieren“, sagte er.
Zollitsch: Vertrauen, Solidarität, Rücksicht
Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch rief zu mehr Gottvertrauen und Gemeinschaftssinn aufgerufen. In seiner Pfingstbotschaft ermutigte er die Christen dazu, „auf die Kraft des Heiligen Geistes zu vertrauen und damit zu einer Erneuerung in Kirche und Gesellschaft beizutragen“. Gerade in der gegenwärtigen Krise brauche es eine neue Offenheit und den Mut, „umzukehren und uns wieder neu auf die Werte zu besinnen, die dem Gemeinwohl dienen, die auf das Miteinander achten“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Er zelebrierte am Pfingstsonntag einen feierlichen Gottesdienst zum 200. Jubiläum der Heilig-Geist-Kirche in Heidelberg.
Vertrauen, Solidarität und Rücksicht seien keine Floskeln, sondern geisterfüllte Grundlage für ein gelingendes Leben, betonte Zollitsch. Die Christen hätten den Auftrag, den Menschen genau diese Perspektive aufzuzeigen, auch und gerade dann, wenn vieles ins Wanken gerate. „Wir haben der Welt zu sagen, dass es mehr gibt als Aktienkurse und Kapitalanlagen“, betonte der Erzbischof.
Zollitsch mahnte, das Land benötige neue Perspektiven. Dazu gehörten das Erleben von solidarischer Gemeinschaft, die auch die Schwachen trage und „das Wissen darum, dass unabhängig von Erfolg und Misserfolg mein Leben einen Sinn hat, weil ich von Gott geliebt bin“. Gefordert sei eine Haltung, die nicht nach dem eigenen Vorteil frage, sondern den Blick für die Gemeinschaft habe.
ast/dpa
31.5.09