Rom verordnet endgültigen Ausstieg aus der Schwangerschaftskonfliktberatung im Bistum Limburg

Pressemeldungen

Papst: Keine Beratungsscheine mehr. Anordnung des Papstes wird von Weihbischof Pieschl durchgeführt. Bischof Kamphaus bleibt enttäuscht und getroffen im Amt.

LIMBURG (ids). - Papst Johannes Paul II. hat verfügt, dass in den Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen im Bistum Limburg künftig keine Beratungsbescheinigungen mehr ausgestellt werden. Das hat der Limburger Bischof Franz Kamphaus unter Verweis auf einen Brief des Papstes am Freitag, 8. März 2002, in Limburg bekannt gegeben. Gleichzeitig hat der Papst den Limburger Weihbischof Gerhard Pieschl beauftragt, seine Verfügung so zügig wie möglich durchzuführen. "Ich mache keinen Hehl daraus, dass mich die Entscheidung des Papstes sehr trifft und traurig macht. Ich hatte bis zuletzt auf einen anderen Ausgang des Konfliktes gehofft. Nach meinen Erfahrungen werden jetzt Lebenschancen für Kinder vergeben", stellte der Bischof fest. Er respektiere die Gewissensentscheidung des Papstes, die er in Ausübung seiner höchsten Verantwortung in der Kirche getroffen habe. "Ich kann sie aber persönlich nicht mitvollziehen", sagte Kamphaus. Damit sei er vor die Frage gestellt, ob er weiter ein Bistum leiten könne, in dem ein Kernbereich so gestaltet sei, wie er es im Gewissen nicht mittragen könne. Er habe sich entschieden hinzunehmen, dass die Verfügung des Papstes durch Weihbischof Pieschl vollzogen werde. "Gleichzeitig bleibe ich Bischof von Limburg - getroffen zwar, aber mit der ungebrochenen Bereitschaft, aus dem Geist des Evangeliums das Mögliche zu tun für die Armen, für das Bistum und für ein gutes Miteinander in der Gesamtkirche", sagte der Limburger Bischof.

In einem Hirtenbrief an die Gemeinden, der in den Gottesdiensten am Samstag und Sonntag bekannt gemacht wird, begründet der Bischof ausführlich seine Entscheidung. Der Ausstieg aus der Schwangerschaftskonfliktberatung hinterlasse nicht nur bei ihm eine tiefe Wunde. Diese sei aber durch einen Amtsverzicht kaum zu heilen, würde durch einen zweiten Ausstieg wahrscheinlich nur weiter aufgerissen. Wenn auch Wichtiges in der bisherigen Arbeit nicht mehr möglich sei, so sei es im Blick auf die Folgen von Biomedizin, Gentechnik und Pränataler Diagnostik nötig, neue Formen der Beratung zu entwickeln und durchzusetzen. Daran möchte er zusammen mit den bewährten Beraterinnen mitarbeiten. Als Bischof müsse er bei seinen Entscheidungen auch das ganze Bistum im Blick haben. Hier seien neben der Konfliktberatung schwere Entscheidungen fällig. Die Zukunft des Glaubens, Kinder-, Jugend- und Familienpastoral sowie die geistlichen Berufe stünden auf der Tagesordnung. "In dieser Situation darf ich mich nicht einfach verabschieden", sagte Kamphaus. Außerdem sei zu fragen, was es für ein Signal wäre, wenn bei einem Konflikt zwischen Orts- und Weltkirche am Ende nur noch der Amtsverzicht bleibe. "Jesus hat uns nicht aufgetragen, die eigenen Wunden zu lecken, sondern den Verwundeten beizustehen. Nicht Resignation ist angesagt, sondern neuer Aufbruch", stellte Bischof Franz Kamphaus fest.

Verständnis äußerte Kamphaus für die schwierige Situation von Weihbischof Gerhard Pieschl. "Ich ahne, was ihm zugemutet ist". Weihbischof Pieschl stellte in einer ebenfalls am Freitag in Limburg veröffentlichten Erklärung fest, er nehme den Auftrag des Papstes an, weil er glaube, damit einen Dienst für Bischof und Bistum leisten zu können. Er sei zunächst der Meinung gewesen, seine Loyalität zu Bischof Franz Kamphaus verbiete es ihm, in dieser Weise tätig zu werden. Es sei bekannt, dass er in Sachen Konfliktberatung immer anderer Meinung gewesen sei als der Bischof. Es spreche für die entwickelte Dialogkultur im Bistum Limburg, dass es möglich war, diesen Konflikt auszuhalten. Er verstehe aber auch gut, dass der Bischof selbst die Verfügung des Papstes aus Gewissensgründen nicht umsetzen könne und wolle. Er sei dem Bischof dankbar, dass er sich entschlossen habe, Bischof von Limburg zu bleiben. "Ich weiß, dass es auch ihm nicht leicht fällt, den vom Papst angebotenen Weg zu gehen", erklärte der Limburger Weihbischof. Er werde jetzt mit den Verantwortlichen des Caritasverbandes prüfen, wie die Entscheidung des Papstes so zügig wie möglich umzusetzen sei. (ID02145)

Quelle: http://www.kath.de/bistum/limburg/presse/2002/id02145.htm

Erklärung von Bischof Franz Kamphaus zur Entscheidung von Papst Johannes Paul II. bezüglich der Schwangerschaftskonfliktberatung im Bistum Limburg

Wie Sie wissen, gab es um die Schwangerschaftskonfliktberatung eine lange innerkirchliche Auseinandersetzung. Dabei ging es vor allem um den gesetzlich geforderten Beratungsschein. Als im Herbst des Jahres 1999 auf Weisung des Papstes eine Neuordnung der Beratung beschlossen wurde, bin ich aufgrund meiner Erfahrungen aus vielen Gesprächen, insbesondere mit den Beraterinnen und mit betroffenen Frauen, einen eigenen Weg gegangen. Ich war und bin überzeugt, dass wir auf unserem Weg der Konfliktberatung mehr Kindern das Leben retten können. Durch gezielte Maßnahmen wollten wir langfristig erreichen, dass die Ausstellung der umstrittenen Beratungsbescheinigung minimiert wird.

Der Papst hat in seiner gesamtkirchlichen Verantwortung diesen längerfristigen Weg nicht akzeptiert. Er hat gestern verfügt, dass in den Beratungsstellen des Bistums Limburg künftig keine Beratungsbescheinigungen mehr ausgestellt werden. Er hat Weihbischof Gerhard Pieschl mit der Durchführung dieser Verfügung beauftragt. Mich bittet der Papst, mit dem Bistum ein Stück gemeinsamen Weges weiter zu gehen, also im Amt zu bleiben.

Ich hatte bis zuletzt auf einen anderen Ausgang des Konfliktes gehofft. Nach meinen Erfahrungen werden jetzt Lebenschancen für Kinder vergeben. Darum kann ich nicht verschweigen, dass mich die Verfügung des Papstes sehr schmerzt. Ich respektiere die Gewissensentscheidung, die er in Ausübung seiner höchsten Verantwortung in der Kirche getroffen hat. Ich kann sie aber persönlich nicht mitvollziehen.

Damit bin ich vor eine Frage gestellt, die mich nicht erst in diesen Tagen quält: Kann ich die Leitung eines Bistums verantworten, in dem ein Kernbereich so gestaltet ist, dass ich das im Gewissen nicht mittragen kann? Ich will an dieser Stelle nicht im Detail wiederholen, was ich in meinem Hirtenbrief an die Gemeinden unseres Bistums schreibe. Nur soviel:

Der Ausstieg aus der Schwangerschaftskonfliktberatung im Bistum Limburg hinterlässt nicht nur für mich eine tiefe Wunde. Sie ist aber durch einen Amtsverzicht nicht zu heilen. Wahrscheinlich würde sie durch diesen zweiten Ausstieg noch weiter aufgerissen. Es geht ja im Grunde auch nicht um meine Person und wie ich heil davon komme. Es geht an erster Stelle um die Sache Jesu in unserer Kirche und deshalb nicht zuletzt um die Frauen in Not. Die innerkirchlichen Fragen meines Konflikts sind schließlich zu lösen, aber die Fragen der betroffenen Frauen?

Leider wird Wichtiges in unserer bisherigen Arbeit nicht mehr möglich sein. Andererseits ist aufs Ganze gesehen viel mehr möglich, als derzeit geschieht. Eines dieser neuen Aufgabenfelder habe ich im diesjährigen Fastenhirtenbrief zur Sprache gebracht. Neue Verfahren in Biomedizin, Gentechnik und Pränataler Diagnostik erfordern, dass wir neue Formen der Beratung entwickeln und durchsetzen. Daran möchte ich arbeiten mit unseren bewährten Beraterinnen, den Caritasverbänden, dem Sozialdienst katholischer Frauen, mit der Katharina-Kasper-Stiftung und mit allen in der Sache Engagierten.

Als Bischof entscheide ich nicht nur für mich. Meine Entscheidung hat unmittelbar Konsequenzen für das Bistum, für die Menschen, mit denen ich in den zwanzig Jahren meines Dienstes den Weg des Glaubens gegangen bin. Wir stehen gegenwärtig nicht nur in der Beratungsfrage vor schweren Entscheidungen. Ich denke an die Zukunft des Glaubens in unserem Bistum, an neue Wege der Kinder-, Jugend- und Familienpastoral und nicht zuletzt an die geistlichen Berufe. An Aufgaben, die uns gemeinsam herausfordern, fehlt es nicht. In dieser Situation darf ich mich nicht einfach verabschieden. Und auch das muss ich mich fragen: Was wäre das für ein Signal, wenn bei einem Konflikt zwischen Orts- und Weltkirche am Ende nur noch der Amtsverzicht übrig bleibt?

Ich habe meine Entscheidung getroffen: Ich nehme hin, dass die Verfügung des Papstes durch Weihbischof Pieschl im Bistum Limburg vollzogen wird. Zugleich ahne ich, welche Last dem Weihbischof damit zugemutet ist. Ich bleibe Bischof von Limburg - getroffen zwar, aber mit der ungebrochenen Bereitschaft, aus dem Geist des Evangeliums das Mögliche zu tun für die Armen, für das Bistum und für ein gutes Miteinander in der Gesamtkirche. Jesus hat uns nicht aufgetragen, die eigenen Wunden zu lecken, sondern den Verwundeten beizustehen. Nicht Resignation ist angesagt, sondern neuer Aufbruch, damit wir unseres Glaubens froh sein können.

Quelle: http://www.kath.de/bistum/limburg/aktion/texte/erkl-kamph.htm

Erklärung von Weihbischof Gerhard Pieschl zur Entscheidung des Papstes

1. Papst Johannes Paul II. hat verfügt, dass in Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen im Bistum Limburg künftig keine Beratungsnachweise mehr ausgestellt werden dürfen. Er hat mich mit der Durchführung dieser Verordnung beauftragt.

2. Ich nehme diesen Auftrag an und werde ihn der Weisung des Papstes gemäß durchführen. Ich war zunächst der Meinung, dass ich den Auftrag nicht annehmen kann, weil meine Loyalität zu Bischof Franz Kamphaus es mir verbietet, in dieser Weise tätig zu werden. Ich übernehme den Auftrag, weil ich glaube, dass ich so Bischof und Bistum einen Dienst erweisen kann. Ich folge damit meinem Wahlspruch "non rescuso laborem" - "Ich drücke mich nicht".

3. Es ist kein Geheimnis, dass ich in der Sache seit vielen Jahren eine andere Position vertrete als Bischof Franz Kamphaus und einen Rückzug aus der staatlich geregelten Konfliktberatung befürwortet habe. Es spricht für die entwickelte Dialogkultur in unserem Bistum, dass wir diesen Konflikt ausgehalten haben. So sehr ich in der Sache anderer Meinung bin, so sehr verstehe ich auch, dass der Bischof selbst die Verfügung des Papstes aus Gewissensgründen nicht umsetzen kann und will.

4. Ich habe in den vergangenen Monaten den Herrn Bischof immer wieder gebeten, das Bistum im Blick zu behalten. Deshalb bin ich dankbar für seine Entscheidung, Bischof von Limburg zu bleiben. Ich weiß, dass es auch ihm nicht leicht fällt, den vom Papst gebotenen Weg zu gehen.

5. Ich werde schnell mit den Verantwortlichen im Caritasverband Kontakt aufnehmen, um zu prüfen, wie die Entscheidung des Papstes so zügig wie möglich umzusetzen ist. Ich bitte um Verständnis, dass ich mich entschlossen habe, in dieser Sache zunächst keine weiteren öffentlichen Erklärungen abzugeben.

Limburg, 8. März 2002

Quelle: http://www.kath.de/bistum/limburg/aktion/texte/erkl-pieschl.htm

Brief von Bischof Franz Kamphaus an die Gemeinden im Bistum Limburg

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Im Advent 1998 habe ich Sie gebeten, den Schutz des ungeborenen Lebens "ganz oben auf die Tagesordnung" zu setzen. Unter dem Leitwort "Wir lassen Sie nicht allein" ist damals die "Aktion Konfliktberatung" entstanden. Sie hat bis heute viel in Bewegung gebracht. In allen Bezirken des Bistums sind ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in rund 60 Einzelprojekten tätig. Es gibt Wohnungen für Frauen in Not. Kinder-Kleider-Körbe stellen Baby- und Kinderausstattung zur Verfügung und sind Treffpunkte für Mütter in schwierigen Situationen. Fast viertausend Spender haben Frauen in Not mit mehr als 1,8 Millionen Mark unterstützt. Allen, die in dieser Aktion mitgedacht und mitgearbeitet haben, danke ich herzlich.

Wie Sie wissen, gab es um die Schwangerschaftskonfliktberatung eine lange innerkirchliche Auseinandersetzung. Dabei ging es vor allem um den gesetzlich geforderten Beratungsschein. Als im Herbst des Jahres 1999 auf Weisung des Papstes eine Neuordnung der Beratung beschlossen wurde, bin ich aufgrund meiner Erfahrungen aus vielen Gesprächen, insbesondere mit den Beraterinnen und mit betroffenen Frauen, einen eigenen Weg gegangen. Ich war und bin überzeugt, dass wir auf unserem Weg der Konfliktberatung mehr Kindern das Leben retten können. Ich weiß, der Beratungsschein ist inzwischen für die Allermeisten kein neutrales, unbeschriebenes Blatt. Über die Jahre ist er in der Vorstellung vieler, gerade auch vieler betroffener Frauen, zu einem Instrument geworden, das die Abtreibung ermöglicht oder gar rechtfertigt. Zugleich hat er viele Frauen in Schwangerschaftskonflikten dazu bewegt, in unsere Beratungsstellen zu kommen. Viele von ihnen, schon fast zur Abtreibung entschlossen, haben durch Beratung und Hilfe erst den Schlüssel zu einem Leben mit ihrem Kind gefunden. Es war mein Ziel, die Schwangerschaftskonfliktberatung so weiter zu entwickeln, dass die Ausstellung des Beratungsscheines minimiert wird, ohne dass wir in unseren Beratungsstellen jene Mütter verlieren, deren Kinder durch unsere Beratung zu retten sind. Dieses Ziel ist weder leicht noch kurzfristig zu erreichen. Nach unseren Erfahrungen im vergangenen Jahr zeigen sich aber durchaus Wege, diesem Ziel näher zu kommen.

Der Papst hat in seiner gesamtkirchlichen Verantwortung diesen längerfristigen Weg nicht akzeptiert. Er hat verfügt, dass in den Beratungsstellen des Bistums Limburg künftig keine Beratungsbescheinigungen mehr ausgestellt werden. Er hat Weihbischof Gerhard Pieschl mit der Durchführung dieser Verfügung beauftragt.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass mich die Entscheidung des Papstes sehr trifft und traurig macht. Ich hatte bis zuletzt auf einen anderen Ausgang des Konfliktes gehofft. Nach meinen Erfahrungen werden jetzt Lebenschancen für Kinder vergeben. Darum kann ich nicht verschweigen, dass die Verfügung des Papstes mich sehr schmerzt. Ich respektiere die Gewissensentscheidung, die er in Ausübung seiner höchsten Verantwortung in der Kirche getroffen hat. Ich kann sie aber persönlich nicht mitvollziehen. Gleichwohl gehört für mich die Einheit mit dem Papst zur Substanz des katholischen Glaubensverständnisses. Also nehme ich hin, dass die Verfügung des Papstes durch Weihbischof Pieschl im Bistum Limburg vollzogen wird. Ich ahne, welche Last ihm damit zugemutet ist. Ich erwarte, dass alle Diözesanstellen dem Weihbischof in der Erfüllung des ihm vom Heiligen Vater anvertrauten Auftrags loyal Beistand leisten.

Damit bin ich vor eine Frage gestellt, die mich nicht erst in diesen Tagen quält: Kann ich die Leitung eines Bistums verantworten, in dem ein Kernbereich so gestaltet ist, dass ich das im Gewissen nicht mittragen kann? Lange habe ich gedacht: Nein. "Den Armen das Evangelium verkündigen", unter diesem Wort Jesu habe ich vor zwanzig Jahren meinen Dienst im Bistum begonnen. Ich bin diesem Wahlspruch selten so auf der Spur gewesen wie in den vielen Begegnungen mit Frauen in Schwangerschaftskonflikten. Meinen kirchlichen Konflikt habe ich in Solidarität zu ihnen all die Jahre durchgetragen, mit dem einzigen Ziel, Leben zu retten. Bin ich damit jetzt am Ende?

Die Entscheidung des Papstes ist endgültig. Ich muss akzeptieren, dass er in der Frage der Schwangerschaftskonfliktberatung eine andere Auffassung vertritt und umsetzt als die meinige, so sehr ich sie auch vor meinem Gewissen geprüft und in Argumenten dargestellt habe. Der Pontifex hat mir jedoch mit dem nun eingeleiteten Verfahren eine Brücke zu bauen versucht. Er hat mich darum gebeten, mit dem Bistum ein Stück gemeinsamen Weges weiter zu gehen. Offen gesagt: Diese Brücke zu betreten fällt mir schwer. Der Brückenschlag zeigt jedoch den Willen des Papstes, den Konflikt zu lösen, ohne ihn zu kaschieren. Der Ausstieg aus der Schwangerschaftskonfliktberatung im Bistum Limburg hinterlässt nicht nur für mich eine tiefe Wunde. Sie ist aber durch einen Amtsverzicht nicht zu heilen. Wahrscheinlich würde sie durch diesen zweiten Ausstieg noch weiter aufgerissen.

Es geht ja im Grunde auch nicht um meine Person und wie ich heil davon komme. Es geht an erster Stelle um die Sache Jesu in unserer Kirche und deshalb nicht zuletzt um die Frauen in Not. Die innerkirchlichen Fragen meines Konflikts sind schließlich zu lösen, aber die Fragen der betroffenen Frauen? Leider wird Wichtiges in unserer bisherigen Arbeit nicht mehr möglich sein. Andererseits ist aufs Ganze gesehen viel mehr möglich, als derzeit geschieht. Die Beraterinnen haben mich immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass sie viel mehr Aufgaben angehen könnten, wenn sie nur mehr Zeit hätten. Eines dieser neuen Aufgabenfelder habe ich im diesjährigen Fastenhirtenbrief zur Sprache gebracht. Neue Verfahren in Biomedizin, Gentechnik und Pränataler Diagnostik erfordern, dass wir neue Formen der Beratung entwickeln und durchsetzen. Daran möchte ich arbeiten mit unseren bewährten Beraterinnen, den Caritasverbänden, dem Sozialdienst katholischer Frauen, mit der Katharina-Kasper-Stiftung und mit allen in der Sache Engagierten.

Auch dies hat mich beschäftigt: Als Bischof entscheide ich nicht nur für mich. Meine Entscheidung hat unmittelbar Konsequenzen für das Bistum, für die Menschen, mit denen ich in den zwanzig Jahren meines Dienstes den Weg des Glaubens gegangen bin. Der Konflikt um die Konfliktberatung hat nicht nur mich viel Kraft gekostet. Das Bistum ist meinen Weg bewusst und entschieden mitgegangen und hat sich, in der Sache engagiert, zugleich mit öffentlichen Stellungnahmen und Demonstrationen wohltuend zurückgehalten. Es hat gezeigt, dass der gemeinsame Weg keineswegs zu Streit und zersetzender Amtskritik führen muss, sondern gerade in schwierigen Zeiten dem Ziel unseres Glaubensweges dient. Wir stehen gegenwärtig nicht nur in der Beratungsfrage vor schweren Entscheidungen. Ich denke an die Zukunft des Glaubens in unserem Bistum, an neue Wege der Kinder-, Jugend- und Familienpastoral und nicht zuletzt an die geistlichen Berufe. An Aufgaben, die uns gemeinsam herausfordern, fehlt es nicht. Darf ich mich in dieser Situation verabschieden? Was wird aus dem, was uns wichtig ist? Und auch das muss ich mich fragen: Was wäre das für ein Signal, wenn bei einem Konflikt zwischen Orts- und Weltkirche am Ende nur noch der Amtsverzicht übrig bleibt? Meine Entscheidung muss diesen Fragen standhalten.

Im Hin und Her der Entscheidungssuche kam mir neu der Bischofsring in den Blick. Bei der Weihe wurde er mir übergeben mit den Worten: "Trag diesen Ring als Zeichen deiner Treue ...". Unser Bistum und seine Menschen sind mir im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen. Wäre das nicht ein Treuebruch, wenn ich mich in dieser besonders kritischen Situation vom Bischofsamt zurückziehe? Ich bleibe also Bischof von Limburg - getroffen zwar, aber mit der ungebrochenen Bereitschaft, mit Ihnen aus dem Geist des Evangeliums das uns Mögliche zu tun für die Armen, für das Bistum und für ein gutes Miteinander in der Gesamtkirche. Jesus hat uns nicht aufgetragen, die eigenen Wunden zu lecken, sondern den Verwundeten beizustehen. Nicht Resignation ist angesagt, sondern neuer Aufbruch, damit wir unseres Glaubens froh sein können. Beten Sie für unser Bistum und für unsere Gemeinschaft mit dem Papst. Gott segne Sie: Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Quelle: http://www.kath.de/bistum/limburg/aktion/texte/hbr-konfl.htm

Erklärung des Papstes zum Fortgang der Konfliktberatung im Bistum Limburg

Lieber Bruder!

Ich habe Ihren freundlichen Brief vom 28. Januar d. J., mit dem Sie auf mein Schreiben vom 18. desselben Monats geantwortet haben, aufmerksam gelesen. Ich kenne und schätze Ihren langjährigen hochherzigen Einsatz für den Schutz des ungeborenen Lebens. Auch Ihre Entschiedenheit in der Treue zu Christus und zum Nachfolger des Hl. Petrus steht außer Zweifel. Daher bewegen mich Ihre Gewissensnöte in Bezug auf den Ausstieg aus dem staatlichen System der Schwangerschaftskonfliktberatung zum jetzigen Zeitpunkt.

Sie räumen ein, dass das Feld des staatlichen Gesetzessystems mit der Ausstellung des Beratungsnachweises - und damit die aktuelle Praxis des Bistums Limburg - nicht neutral, sondern kontaminiertes Gelände ist. Die Mehrzahl der Frauen in Schwangerschaftskonflikten, die eine Beratungsstelle des Bistums Limburg aufsuchen, erbittet den Beratungsnachweis, der eine unabdingbare Voraussetzung für eine straffreie Abtreibung ist. Damit wird in gewisser Weise auch die Kirche in das Geschehen der Abtreibung eingebunden.

Sie versichern, dass das Bistum Limburg anstrebt, in Zukunft die Frauen mit Schwangerschaftskonflikten ohne die Ausstellung des vom staatlichen System vorgeschriebenen Scheins zu erreichen, doch sehen Sie sich aus Gewissengründen außerstande, die Entscheidung zu treffen, den Ausstieg der Diözese Limburg aus dem staatlichen System der Schwangerschaftskonfliktberatung, den alle anderen deutschen Diözesen entsprechend der an die deutschen Bischöfe ergangenen Weisung schon vollzogen haben, zum jetzigen Zeitpunkt zu vollziehen.

Lieber Bruder, ich respektiere Ihren inneren Konflikt, aber das Ergebnis, zu dem Sie gelangt sind, kann ich nicht teilen.

In der Verantwortung, die ich als Nachfolger des Hl. Petrus nach dem Willen Jesu Christi vor Gott für das Wohl aller Teilkirchen und für ihre Einheit trage, und im Hinblick auf die Klarheit und Geschlossenheit des Zeugnisses der katholischen Kirche in Deutschland für das Leben verfüge ich, nach entsprechenden Beratungen und reiflicher Überlegung kraft meiner apostolischen Vollmacht, dass die Diözese Limburg entsprechend der von den anderen deutschen Bischöfen vor mehr als einem Jahr getroffenen Entscheidung aus dem staatlichen System der Schwangerschaftskonfliktberatung aussteigt und damit in den katholischen Beratungsstellen keine Scheine mehr ausgestellt werden, die eine straffreie Abtreibung ermöglichen.

Durch den Verzicht auf die Ausstellung des Beratungsscheines darf die Fortführung des Einsatzes zum Schutz des ungeborenen Lebens nicht gemindert werden. Das Bistum Limburg muss unter Aufbietung seiner Kräfte und unter Ausschöpfung aller möglichen Wege in der Beratung von Frauen in Schwangerschaftskonflikten präsent bleiben.

Die konkrete Durchführung meiner Entscheidung vertraue ich dem Hochwürdigsten Herrn Weihbischof Gerhard Pieschl an, dem ich hiermit die erforderlichen Vollmachten übertrage. Ich bitte Sie, Herrn Weihbischof Pieschl von diesem Mandat in Kenntnis zu setzen. Der Ausstieg aus dem staatlichen System ist so zügig wie möglich durchzuführen.

Zugleich ist es mein Wunsch, dass Sie im Amt des Bischofs von Limburg verbleiben, Ihren apostolischen Dienst zum Heil der Menschen und zum Aufbau des Reiches Gottes weiterführen und sich dabei weiterhin im Kampf gegen die Abtreibung und für den Schutz des menschlichen Lebens engagieren.

Lieber Bruder, ich versichere Ihnen und dem Bistum Limburg meine Nähe im Gebet und meine Wertschätzung für das vielfältige Zeugnis christlichen Lebens und erteile Ihnen und allen Ihrer Hirtensorge anvertrauten Gläubigen meinen Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, den 7. März 2002

Joannes Paulus II.

Quelle: http://www.kath.de/bistum/limburg/aktion/texte/papst.htm

Caritas-Präsident würdigt Mut von Kamphaus bei Konfliktberatung

Freiburg (dpa) - Den mutigen Weg des Limburger Bischofs Franz Kamphaus in der Schwangerschafts-Konfliktberatung hat der Präsident des Deutschen Caritasverbands, Hellmut Puschmann, gewürdigt. «Respekt und Dank verdient der Bischof für den eigenständigen Weg, den er in seiner Diözese gegangen ist», teilte Puschmann am Freitag in Freiburg mit. Papst Johannes Paul II. hatte dem Limburger Bistum untersagt, weiterhin Beratungsnachweise im Rahmen des gesetzlichen Systems auszustellen. Mit Erleichterung und Freude nehme Puschmann zur Kenntnis, dass Kamphaus in seinem Amt bleiben wolle. «Ich sehe sehr wohl, wie tief Bischof Kamphaus durch die jüngsten Ereignisse getroffen ist und spreche ihm mein Mitempfinden und meine Solidarität aus», sagte der Caritas-Präsident.

ZdK: Entscheidung demütigt viele Katholiken

Bonn (dpa) - Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat hat die für das Bistum Limburg gefundene Lösung mit dem Ausstieg aus der staatlichen Schwangeren-Konfliktberatung mit «tiefer Enttäuschung» aufgenommen. Die Entscheidung von Papst Johannes Paul II. demütige viele Katholiken in Deutschland, erklärte ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer am Freitag in Bonn. Sie sei auch für Bischof Franz Kamphaus «tief verletzend» und missachte außerdem die vom Zweiten Vatikanischen Konzil hervorgehobene Eigenverantwortung der Bischöfe für ihre Ortskirche.

Kamphaus sei ein «überzeugender Anwalt der Menschlichkeit», betonte Meyer. «Diese Entscheidung ignoriert, dass im Bistum Limburg viele Frauen in Konfliktsituationen für ihre im Mutterleib lebenden Kinder gewonnen werden konnten, während die anderen kirchlichen Beratungsstellen nach dem von Rom angeordneten Ausstieg aus der gesetzlichen Schwangerschaftskonfliktberatung faktisch keine Frauen mehr erreichen, die einen Schwangerschaftsabbruch ernsthaft in Erwägung ziehen.»

EKD: «Stehvermögen von Bischof Kamphaus ist zu bewundern»

Hannover (dpa) - Nach der Vatikan-Entscheidung gegen die katholische Schwangerschafts-Konfliktberatung im Bistum Limburg hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) Bischof Franz Kamphaus Respekt gezollt. «Das Stehvermögen von Bischof Kamphaus ist zu bewundern. Seine Geradlinigkeit in der Sache, um die es ihm geht - der Schutz des ungeborenen Lebens - ist ein beeindruckendes Zeugnis seiner Redlichkeit und seines Glaubens», sagte ein EKD-Sprecher am Freitag in Hannover. Papst Johannes Paul II. hatte angewiesen, dass das Bistum Limburg als letzte deutsche Diözese aus dem staatlichem System der Konfliktberatung aussteigen muss.

Für seine Haltung, «in der er keinen Zweifel an seiner Loyalität aufkommen lässt», habe Kamphaus «hohen Respekt verdient», sagte der EKD-Sprecher. «Es ist erfreulich, dass er sich entschieden hat, seiner seelsorgerlichen und pastoralen Verantwortung für das Bistum Limburg nachzugehen», sagte der Sprecher. Die evangelische Kirche werde ihrerseits weiter an der Konfliktberatung festhalten «Wir halten es für den richtigen Weg, an der Seite der Frauen zu stehen», sagte der Sprecher.

Quelle: http://www.kiz-online.de/ticker/getlatestnews.cgi

Pressemitteilung Hannover / Haltern, 8. März 2002

Wir sind Kirche protestiert gegen Anordnung aus Rom an Bischof Kamphaus

Doch dem Bistum Limburg bleibt ein glaubwürdiger Bischof erhalten

Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche ist empört, dass der Vatikan mit dem Bistum Limburg das letzte der 27 deutschen Bistümer gezwungen hat, aus dem gesetzlichen System der Schwangerenkonfliktberatung auszusteigen. Die Missachtung der Gewissensentscheidung des Limburger Bischof Dr. Franz Kamphaus und seiner pastoralen Verantwortung hat deutlich gemacht, wie unwichtig dem Vatikan ortskirchliche Gegebenheiten und Entscheidungen sind. Das Beharren auf absolutem Gehorsam auch in diesem Fall ist die Fortführung des Kurses, den Rom seit einem Jahrzehnt gegenüber allen fortschrittlichen Kräften führt.

"Jetzt sind Frauen in besonderen Lebenskonflikten von der katholischen Kirche völlig allein gelassen", erklärt Annegret Laakmann für die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche und den zur KirchenVolksBewegung gehörenden Verein Frauenwürde. "Gerade die finanziell schwierige Situation der Beratungsstellen im Land Hessen steigert die Probleme für Frauen im Schwangerschaftskonflikt und macht es schwer, die Lücke nach dem Wegfall der katholischen Beratungsstellen zu schließen. Die bischöflichen und diözesanen Hilfsfonds kommen nur denjenigen Frauen zu Gute, die sich bereits für das Kind entschieden haben."

Bischof Kamphaus war der letzte Bischof, der die Schwangerschaftskonfliktberatung im staatlichen System so weiterführt hat, wie sie ursprünglich alle deutschen Bistümer - mit Ausnahme des Bistums Fulda - seit 1995 praktiziert haben. Dafür und für seine klare und beeindruckende Gewissenshalten sind ihm große Anerkennung und Hochachtung des Kirchenvolkes weit über sein Bistum hinaus sicher, so Laakmann. Die Beauftragung des Papstes an Weihbischof Gerhard Pieschl, die Anordnung aus Rom im Bistum zu vollziehen, ist eine unbotmäßige und beispiellose Entmachtung von Bischof Kamphaus.

Die jahrelange Auseinandersetzung um die Schwangerschaftskonfliktberatung und das wiederholte Eingreifens des Vatikans hat der katholischen Kirche in Deutschland unermesslichen Schaden zugefügt, sagte Laakmann. Der erzwungene Auszug aller kirchlichen Beratungsstellen werde von der großen Mehrheit der Katholiken und Katholikinnen außerordentlich bedauert.

Der Verein Frauenwürde e.V., eine Arbeitsgruppe der KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche, unterhält mittlerweile vier Beratungsstellen in Deutschland. Mit der frühzeitigen Erarbeitung eines eigenen Beratungskonzeptes hat Frauenwürde e.V. eine wichtige Schrittmacherfunktion für die Weiterführung der Schwangerschaftskonfliktberatung durch katholische Laien ausgeübt.

Mehr Informationen:

Annegret Laakmann (Referentin der KirchenVolksBewegung und Vorsitzende des Vereins Frauenwürde e.V. zur Förderung der Schwangerschaftskonfliktberatung)

Flaesheimer Str. 269, D-45721 Haltern, Tel. (02364) 5588, Fax: (02364) 5299,

email: laakmann@ic-marl.de

Bundesweite Kontaktadresse:

KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche

Hildesheimer Str. 103, D-30173 Hannover

Tel.: (0511) 80 00 10, Fax: (0511) 988 60 50

eMail: info@wir-sind-kirche.de, Internet: www.wir-sind-kirche.de

+ + + p r e s s e m i t t e i l u n g 2/2002 + + +

Diskriminierung von Frauen und Feigheit der Deutschen Bischofskonferenz

IKvu zur Disziplinierung von Bischof Kamphaus

Bonn, 09.02.2002. Es kann kein Zufall sein, daß Papst Johannes Paul II. ausgerechnet am Vorabend des Internationalen Frauentags den Limburger Diözesanbischof Franz Kamphaus anweist, aus der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung auszusteigen. Das fundamentalistische Stereotyp des Papstes über Frauen in Kirche und Gesellschaft ist bekannt. Die Beendigung des erfolgreichen Sonderwegs des Bistums Limburg ist ein weiterer Schritt der Diskriminierung von Frauen. Er bestätigt den Rückzug aus gesellschaftlichen Bereichen, die nicht eindeutig im römisch-kath. Sinn zu gestalten sind, sondern Kompromißlösungen erfordern.

Inhaltlich bleibt Bischof Kamphaus bei seiner Überzeugung - und dafür gebührt ihm Respekt: Der Verbleib im staatlichen System der Schwangerenkonfliktberatung allein bietet Frauen - unter den gegebenen gesetzlichen Bestimmungen - eine echte Hilfestellung an. Nur auf diesem Weg wird Kirche dem christlichen Anspruch bedingungsloser Nächstenliebe gerecht: Hilfe unabhängig von Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung.... – eben auch der sittlich-moralischen Überzeugung. Das Bekenntnis zur römischen Moral- und Sittenlehre kann nicht das Eingangskriterium für katholische Beratungsstellen sein, sondern das erste Prinzip der Konfliktberatung ist die Parteilichkeit für ratsuchende Frauen.

Kamphaus´ Einsatz für einen Verbleib in der staatlichen Konfliktberatung stützte sich auf empirische Erkenntnisse, die den Sonderweg seines Bistums als erfolgreich kennzeichneten. Daran kann auch Rom nicht vorbei. Die Entscheidung des Papstes für den Ausstieg ist also nicht nur eine pastorale Fehlentscheidung, sondern geschieht zudem wider beseres Wissen.

Johannes Paul II. geht es jedoch weder konkret um Hilfe für Frauen noch allgemein um die christliche Praxis der Nächstenliebe: Sein Ziel ist die Wahrung der päpstlichen Autorität in Glaubens- und Sittenfragen und der Einheit der römisch-kath. Hierarchie. Dies versucht Rom seit Jahren durch einen strengen Legalismus, durch die Reduktion röm.-kath. Lehre auf Rechtgläubigkeit durchzusetzen.

Mit der Lebenswirklichkeit von Frauen hat dieses Denken nichts mehr zu tun: Im Alltag moderner Menschen wirkt diese Praxis repressiv und autoritär, weder verstehend und noch solidarisch.

Bischof Kamphaus kann nicht anders als sich der Anweisung formal fügen – im Fall seines Widerstands wären die nächsten Schritte vorprogrammiert: seine Entmachtung durch Bestellung eines Bischofskoadjutors (can. 403 CIC), der den Bischof in potentiell kontroversen kirchenrechtlichen und theologischen Fragen faktisch zur Marionette im eigenen Bistum gemacht hätte, oder die direkte Absetzung (can. 1371 und 1372 CIC).

Kamphaus´ Einlenken ist ein dem formalen Regelwerk der röm.-katholischen Kirche geschuldeter Gehorsam, den er nur verweigern könnte, indem er die formale Autorität des Papstes nicht anerkennen würde.

Die Angst vor einem widerständigen Verhalten gegenüber der römischen Hierarchie steckt offenbar tief im deutschen Episkopat - nicht oft genug kann hier an das Vorbild des Paulus erinnert werden, der Petrus offen widerspricht: "Als aber Kephas nach Antiochia kam, trat ich ihm ins Angesicht entgegen, weil er im Unrecht war." (Galater 2,11)

Es überrascht deshalb nicht, daß sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Karl Lehmann erfreut über die Anweisung des Papstes zeigt, und läßt heimliches Aufatmen erkennen. Außer Franz Kamphaus hatten auch andere Bischöfe lange mit sich gerungen, sich dann jedoch für Ausstieg und damit für Gehorsam gegenüber dem Papst entschieden. Daß Bischof Kamphaus einen Sonderweg erstritten hatte und dieses Modell noch dazu in der Sache erfolgreich war, mußte seine Mitbrüder immer wieder an ihre eigene Feigheit und ihr Versagen in einem der wichtigsten Konfliktfälle in der Geschichte des deutschen Episkopates erinnern. Kirchenpolitisch hat dieses Verhalten im Konflikt um die Eigenständigkeit der Bischofskonferenzen gegenüber der römischen Zenrale großen Schaden angerichtet.

Der menschliche Vorwurf, mit dem bischöflichen Bruder nicht solidarisch gewesen zu sein, wird im Kreis der Bischöfe noch lange nachwirken. Der Vorwurf, mit Frauen in Konfliktsituationen nicht vorurteilsfrei solidarisch zu sein, bleibt in der deutschen römisch-katholischen Kirche als Makel bestehen.

Bernd Hans Göhrig Bundesgeschäftsführer der Initiative Kirche von unten

Initiative Kirche von unten (IKvu) ist ein ökumenisches Netzwerk aus 35 Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen in der Tradition des politischen Linkskatholizismus und der Befreiungstheologie.

Kontakt:

Bernd H. Göhrig

Bundesgeschäftsführer

Mobil: ++49-179 / 52 44 07 5

Fon: ++49-69 / 42 09 57 80

Fax: ++49-69 / 42 09 57 81

E-Mail: presse@ikvu.de

Internet: http://www.ikvu.de

Initiative Kirche von unten (IKvu)

Oscar-Romero-Haus, Heerstraße 205, BRD-53111 Bonn