SPD: Soziale Härten eingeräumt

Bilanz der Patientenbeauftragten

BERLIN. 5. APRIL. AP/DPA .Die Patientenbeauftragte Helga Kühn-Mengel hat eingeräumt, dass die Gesundheitsreform zah1reiche Menschen mit geringem Einkommen hart trifft. In ihrer Bilanz der ersten 100 Tage der Reform nannte die SPD-Politikerin vor allem Sozialhilfeempfänger und Bezieher kleiner Renten. Insgesamt habe die Flut von Protesten und Anfragen wegen der Reform aber inzwischen etwas abgenommen, sagte Kühn-Mengel. Kritisch bewertete die Patientenbeauftragte, dass im Zusammenhang mit der seit Januar erhobenen Praxisgebühr oder den neuen Zuzahlungsregelungen viele Patienten von Ärzten und Kassen nicht umfassend informiert und damit verunsichert worden seien. Hier müsse "nachgearbeitet« werden.

 

Die Patientenbeauftragte ist nach eigenen Worten eingeschritten, wenn gesetzliche Vorschriften nicht eingehalten wurden: So etwa in einer Stadt im Rheinland, wo Arzte Hausbesuche bei Heimbewohnern abgelehnt hatten. Auch gegen die Praxis von Kieferorthopäden sei sie angegangen, Kassenpatienten zu einer Privatabrechnung auf Basis der Kostenerstattung zu drängen.

 

Belastung von Rentnern beachten

Bei den Zuzahlungsregelungen für Sozialhilfeempfänger in Heimen sprach sie sich für Nachbesserungen aus, da es mehr Schwierigkeiten bei der Abrechnung zwischen Heimträgern, Kassen und Sozialämtern gebe als erwartet. Auch die Belastung von Menschen mit kleinen Renten müsse man im Auge behalten, sagte Kühn-Mengel. Wenn Praxisgebühr, Medikamentenzuzahlung und eine kaputte Brille zusammenkämen, werde es schwierig.

 

Quelle: Frankfurter Rundschau 6.4.04 S.5