SOZIALKÜRZUNGEN
BESCHLOSSEN
Landescaritasverband zeigt sich enttäuscht - Übergabe von 90.000
Protest-Unterschriften an Ministerin Stewens hat nichts gebracht
München, 17.3.2004.
Über 90.000 Unterschriften gegen die Sozialkürzungen in Bayern haben Bayerns
Landes-Caritasdirektor Prälat Karl-Heinz Zerrle und der Präsident des
Diakonischen Werkes Bayern, Dr. Ludwig Markert, am Montag an die bayerische
Sozialministerin Christa Stewens übergeben. Vergebens, denn die
CSU-Lanfdtagsfraktion verbschiedete das Sparpaket mit ihrer
Zwei-Drittel-Mehrheit heute im Landtag.
Bei der Caritas zeigte man sich enttäuscht über das Abstimmungsverhalten vieler
Abgeordneter. Man wisse aus vielen Gesprächen mit CSU-Politikern im ganzen
Land, dass sie die von der Staatsregierung vorgegebenen Sozialkürzungen nicht
alle für richtig halten. Man hätte bei der Abstimmung mehr Selbstvertrauen
erwartet. Aber offenbar stünde die Parteidisziplin an oberster Stelle, so
Bayerns Landes-Caritasdirektor Prälat Karl-Heinz Zerrle.
Die Unterschriften waren vorwiegend in kirchlichen Sozialeinrichtungen
gesammelt worden. Die Unterzeichner forderten von der Bayerischen
Staatsregierung Solidarität mit den Schwachen. In dem vom
Landes-Caritasdirektor und vom Diakonie-Präsidenten unterzeichneten Aufruf hieß
es, die Opfer der bayerischen Sparpolitik seien vor allem sozial Schwache,
Kinder, Jugendliche, Familien, pflegebedürftige Menschen, ausländische
Mitbürgerinnen und Mitbürger, Menschen mit Behinderung. Die derzeitige
Sparpolitik sei ein sozialer Kahlschlag.
Bei der Übergabe der Unterschriften an die bayerische Sozialministerin sagte
Landes-Caritasdirektor Prälat Karl-Heinz Zerrle, die Unterschriften dürften von
der Staatsregierung nicht unterschätzt werden: „Unterschriften sind
Wählermeinungen zu einer bestimmten Art von Politik.“ Die 90.000 Unterschriften
sind innerhalb von drei Wochen gesammelt worden. Der bayerische
Ministerpräsident habe es abgelehnt, die Unterschriften in Empfang zu nehmen,
so der Sprecher des Landescaritasverbandes Bernd Hein.
Landes-Caritasdirektor Zerrle hatte wiederholt betont, er verstehe die Pläne
der Bayerischen Staatsregierung, den künftigen Generationen keinen
überschuldeten Staat hinterlassen zu wollen. Deshalb sei eine Sparpolitik
grundsätzlich richtig. Späteren Generationen sei aber auch nicht gedient, wenn
man ihnen einen unsozialen Staat und eine unsolidarische Gesellschaft übergebe.
Aus Angst vor weiteren Sparmaßnahmen 2005 forderte er das Ende einseitiger
Sparmaßnahmen auf Kosten sozial schwacher, kranker, alter oder behinderter
Menschen und Familien mit Kindern in Bayern. Seiner Meinung nach könne das
politisch richtige Ziel eines ausgeglichenen Staatshaushaltes bis in die Jahre
2008 bis 2010 verschoben werden, ohne dass es künftigen Generationen schade. (gw)
Quelle: http://katholische-kirche.de/