Religionen im säkularen Staat

 

Dialogtagung mit Muslimen, Pfarrern und Pfarrerinnen sowie Multiplikatoren in der ev. Akademie Hofgeismar vom 20. – 22.3.06

 

Einige Notizen zur Tagung

 

An der Tagung nahmen 42 Muslime (Imame, Vorsteher von Moscheevereinen, Ditib Funktionäre) und 32 Christen teil. Nur die wenigsten Imame sprachen deutsch. Ditib Imame bleiben 4 Jahre in Deutschland. Dann werden sie wieder in die Türkei zurück gerufen. Imam Polat von der Ditib Moschee Hanau spricht nur türkisch. Er kehrt Ende Juni wieder in die Türkei zurück. Auf der Tagung wurde simultan übersetzt. Nur so war eine Verständigung möglich. In der Zeit außerhalb des Programms blieben die Gruppen meist unter sich, auch wegen des Sprachproblems.

 

 

Grußwort des kath. Regionaldechanten Chr. Steinert

Gesellschaft

-         Privilegierung einzelner Moscheeverbände vermeiden

-         Menschenrechte, weltanschaulich neutraler Staat – Grundlage in BRD

-         Unterschiede benennen und aushalten

-         Kath. Kirche in BRD eingebunden in Weltkirche

-         Es gibt unterschiedliche Erfahrungen der kath. Ortskirchen in der Welt mit dem Islam

-         Grundrechte: Religionsfreiheit incl. Religionslosigkeit, Übertritt

 

 

Hr. Müller Hofstätt, Bundeszentrale für politische Bildung

Es gibt Dianet, das Präsidium für Religionsangelegenheiten des türkischen Staates. Ditib ist die Auslandsorganisation von Dianet. Ditib ist der türkischen Botschaft in Berlin und den jeweiligen Konsulaten (bei uns Frankfurt) zugeordnet.

Er fordert:        Sprachkurse für Imame

Er fragt nach der Theologischen Ausbildung der Imame

 

 

Religion und Staat in der Türkei (Prof. Görgün, Uni Frankfurt )

– Inhaber des Stiftungslehrstuhls für die Ausbildung von muslimischen Religionslehrern in der BRD

Dianet ist als Behörde direkt dem türkischen Ministerpräsident unterstellt.

Eine Verwaltungsorganisation gehöre nicht zum Wesen des Islam.

Ein Vertreter der Organisation können theologisch eine andere Meinung haben als die Organisation.

Der Islam sei als Religion von der Wissenschaft getragen. Görgün wies nicht darauf hin, dass die theologische Ausbildung der Imame nicht mit der Ausbildung der Pfarrer in Deutschland verglichen werden kann. Es gibt in der Imam Ausbildung eine Internat. Eine theologische Fakultät in unserem Sinn aber nicht.

 

Die verwestlichung der Türkei sei unter einen Sultan im 19 Jhd mit diktatorischer Gewalt erfolgt. Ein Bedürfnis nach Reform bestand aber. Der Islam wurde damals durch Gelehrte, die von religiösen Stiftungen finanziert wurden, weiter gegeben. Der Staat habe die Stiftungen einkassiert. 1924 wurde das Kalifat aufgelöst und Dianet gegründet. Dianet übernimmt heute die Aufgaben der rel. Stiftungen. Dianet unterstehen die offiziellen Moscheen in der Türkei.

 

Der Artikel 2 der türkischen Verfassung betone die Laizität.

1923 Vertrag von Lausanne

-         Privilegien für die christlichen Kirchen (welche?)

-         Einschränkungen für die christliche Kirchen (keine Religionsfreiheit) vgl. http://www.missio-aachen.de/angebote-medien/pressedienst/archiv/2002/13_1515.asp

 

Görgün betont: Die Muslime hätten schlechte Erfahrungen bei Verträgen mit Christen gemacht

-         so in Spanien (Andalusien) sei nach der Eroberung durch die Christen nicht die vertraglich zugesicherte Religionsfreiheit praktiziert worden.

-         Ebenso im Balkan.

 

Fragen an Prof Görgün:

-         Wann darf die Orthodoxe Kirche ihr Priesterseminar in der Türkei wieder eröffnen?

·        Bis zur Wiedereröffnung würde es noch etwas dauern.

-         Warum dürfen kath. und ev. Kirche in der Türkei keine Grundstücke für Kirchen und kirchliche Einrichtungen besitzen?.

·        Dies würde bald geregelt.

-         Wann ist in der Türkei eine christliche Mission möglich, wie dies die Muslime in Deutschland tun könnten.

·        Dies sei auch in Zukunft nicht vorstellbar und nicht möglich.

 

In Diskussionsbeiträgen wurde von Muslimischer Seite die christliche Hilfe für die Tsunami Opfer kritisiert. Dort sei christliche Mission erfolgt.

Es wurde von ev. Seite darauf Hingewiesen, dass beim Erdbeben in der Türkei die Kirchen auch geholfen hätten, ohne zu missionieren. Der Vorwurf sei somit eine Unterstellung

 

 

Staatskirchenrecht und Religionsunterricht

Die rechtliche Stellung der Kirche in Deutschland wurde gut dargestellt. Thema: Staatskirchenrecht; Kirche als Körperschaft öffentlichen Rechts; welche Voraussetzungen sind erforderlich um als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt zu werden. Klar wurden auch die rechtlichen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen dargestellt, die es auch Moschee Vereinen ermöglichen würde, an Schulen Religionsunterricht zu erteilen.

 

Die Nachfragen machten deutlich, dass viele Imame nicht den Unterschied von Religionsunterricht an Schulen und einer Glaubensunterweisung (z.B. Kommunion-, Kohnfirmantenunterricht der Kirchen) verstanden. Viele konnten nicht nachvollziehen, dass ein Religionslehrer eine entsprechende Ausbildung haben, der Lehrplan mit Staat und Religionsgemeinschaft abgestimmt werden muss und eine Mindestzahl von Schülern (in Hessen 8) vorhanden sein muss, damit ein vom Staat bezahlter Religionslehrer eingesetzt wird. Es wurde ein Modellprojekt für religionskundlichen Islamunterricht in NRW vorgestellt.

 

Da es dem Muslimen in Deutschland bisher nicht gelungen ist, einen Dachverband mit Weisungsbefugnis gegenüber dessen Mitgliedsverbänden ins Leben zu rufen, wird eine Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Kirchensteuereinzug kaum möglich sein. Die rechtlichen Voraussetzungen zur Anerkennung als Körperschaft öffentlichen Rechts sowie der rechtliche Rahmen zur Erteilung des Religionsunterrichts wurde von vielen Imamen als Schikane aufgefasst. Die Einsicht, dass hier vieles in der Eigenverantwortung und dem Einsatz der Moscheevereine liegt, wurde nicht gesehen. Es wurden die Forderung nach Zulassung zum Religionsunterricht gestellt, ohne dass eingesehen wurde, dass die juristischen Vorgaben dazu erfüllt werden müssen. Sehr viele Imame vermittelten den Eindruck, über keinen hohen Bildungsstand zu verfügen. Inwieweit sie intellektuell den Ausführungen der Fachjuristen folgen konnten sei dahingestellt. Unklar blieb auch, ob immer richtig übersetzt wurde. Von einer Reihe von Imamen wurde indirekt vermittelt, dass es ihnen in den Moscheen auch um die Pflege des Türkentums auf Kosten einer engeren Bindung an Deutschland geht.

 

Ein islamischer Religionsunterricht für Muslime im Rahmen des bestehenden Rechts wurde von der Tagung als sehr sinnvoll angesehen. Offen blieb dabei, ob ein vertieftes und reflektiertes Wissen der muslimischen Schüler über den Islam die Autorität der Imame, die pädagogisch wenig geschult zu sein scheinen, untergräbt.

 

 

Andacht

Großes Interesse und viele Nachfragen gab es von Muslimischer Seite, wie eine christliche Andacht zu verstehen sei. Auch wurde nach den Unterscheiden von ev. und kath. Kirche gefragt. Dies konnte wegen der Kürze der Zeit nicht beantwortet werden.

 

 

In Gesprächen am Rande der Tagung kamen christliche Vertreter zu der Einschätzung, dass das Gespräche mit Ditib aufgrund der sprachlichen, kulturellen und religiösen Unterschiede sehr schwer seien. Es sei wichtig, christliche Positionen deutlich zu machen.

 

23.03.2006

H-A Link

 

TAGUNGSPROGRAMM

 

Montag. 20. März 2006

 

14.00   Eintreffen zum Begrüßungs- kaffee / -tee

14.30   Begrüßung

Michael Goldbach

 

thematische Grußworte

-         Bundeszentrale für politische Bildung,

Hr. Müller Hofstätt

-         DITIB

Ridvan Cakir, Präsident der DITIB, Köln

-         Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck

Oberlandeskirchenrat Pfarrer Dr. Wilhelm Richebacher, Kassel

-         Katholische Kirche

Regionaldechant Pfarrer Christof Steinert, Witzenhausen

-         Regierungspräsidium Kassel

-         Regierungspräsident Lutz Klein

 

15.15   Vorstellungsrunde der Teilnehmer

15.45      Kaffee/Tee und Kuchen im Gästehaus

15.46       

16.15   Gelegenheit zum Nachmittagsgebet für Muslime mit Einführung für Nicht-

Muslime

 

16.45   Das Verhältnis von Staat und Kirche in Deutschland

Hr. Müller Hofstätt, Islamreferent, Bundeszentrale für politische Bildung,

18.00   Abendessen

19.00   Gelegenheit zum Abendgebet für Muslime

19.30   Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen

 

 

Dienstag, 21.Marz 2006

 

8.15     Frühstuck

8.45          Christliches Morgengebet

8.46           

9.15     Das Verhältnis von Religion und Staat in der Türkei

Prof. Dr. Tahsin Görgün, Universität Frankfurt/M.

 

10.30   Stehkaffee / -tee

11.00   Soziale Handlungsfelder in Kommune, Kirche und Moscheeverein

-         Caritas

Frau Schwarz

-         Diakonie

Pfarrer Joachim Bertelmann, Kassel

-         Stadt Kassel

Manfred Kimm, Geschäftsstelle Ausländerbeirat

-         Moscheeverein

N.N.

 

12.30   Mittagessen

13.30        Gelegenheit zum Mittagsgebet für Muslime

 

14.30   Erfahrungsberichte I

-         Marburg: Integrationsprojekt Berufsfachschule

Pfarrer Hans Werner Biehn

-         Stadtallendorf: Kirchenvorstand begegnet dem Moscheeverein

Pfarrer Rainer Bickert, Imam Emin Karaca

-         Kassel: Kindertagesstätte Mattenberg

Leiterin Dorle Klindt

 

15.30   Kaffee/Tee und Kuchen im Speisepavillon

16.00   Gelegenheit zum Nachmittagsgebet fur Muslime

 

16.30 Erfahrungsberichte II

-         Integrationsarbeit mit Migrantinnen am Kulturzentrum Schlachthof

Ayse Gülec, Kassel

-         Krankenhausseelsorge

Pakize Cetinkaya und Perihan Yilmaz, Blaue Helferinnen am Klinikum Kassel (Milli Görus)

-         Gefangenenseelsorge

Ltd. RegDir Jorg-Uwe Meister, Leiter der Justizvollzugsanstalt Kassel

 

18.00   Abendessen

19.0            Gelegenheit zum Abendgebet für Muslime

20.0             

19.30   Mystische Musik mit einer DITIB- Gruppe aus Köln

 

 

Mittwoch. 22. März 2006

 

8.15     Frühstück

8.45     Christliches Morgengebet mit Einführung für Nicht-Christen

 

9.30     Praxisfeld Religionsunterricht I

Rechtliche Grundlagen

Oberlandeskirchenrat Rüdiger Joedt, Kirchenjurist, Kassel

 

10.30   Stehkaffee / -tee

 

11.00   Praxisfeld Religionsunterricht II

-         Islamischer Religionsunterricht

Hüseyin Cetin, Duisburg

 

-         Christlicher Religionsunterricht

Pfarrerin Dr. Gudrun Neebe, Pädagogisch- Theologisches Institut, Kassel

 

12.00   Schlussakzent

12.30   Ende mit dem Mittagessen