Katholiken
demonstrieren vor Regensburger Dom für ihre Pfarrer
Regensburg (ddp-bay). Mit einem
Schweigemarsch in Regensburg haben am Montagabend mehrere hundert Gläubige aus
dem Oberpfälzer Kohlberg und dem niederbayerischen Oberalteich gegen drohende
Sanktionen gegen ihre Pfarrer protestiert. Wegen der Mitgliedschaft im
kirchenkritischen Verein «Aktionskreis Regensburg» (AKR) sowie ihrer Mitarbeit
an der Zeitschrift «Pipeline» hatte Bischof Gerhard Ludwig Müller den beiden
Geistlichen Andreas Schlagenhaufer und Hans Trimpl mit der vorzeitigen
Versetzung in den Ruhestand gedroht.
Offenbar in Anspielung auf Müllers
Umgang mit Kirchenkritikern war der Bischof in der aktuellen Ausgabe des Hefts
in einer Karikatur als Strichmännchen neben einer Guillotine stehend und mit
dem Kommentar «Der nächste bitte!» abgebildet worden. Daraufhin wurde den
Priestern ein Ultimatum gestellt, sich bis Montag beim Bischof zu entschuldigen
und ihren Austritt aus dem Aktionskreis zu erklären.
Unter den Demonstranten waren nach
Angaben einer Sprecherin des Aktionskreises Mitglieder der Pfarrgemeinderäte
sowie der Kohlberger Bürgermeister Karl Prösl. Vor der Aktion hatten die
Demonstranten an den Bischof außerdem 720 Unterschriften gegen dessen Absage
eines ökumenischen Gottesdienstes beim Kohlberger Bürgerfest im Juli übergeben.
In einem von Prösl unterzeichneten Schreiben heißt es, ökumenische
Veranstaltungen hätten in seiner Gemeinde viel zur Gemeinsamkeit beigetragen,
«ohne dass der Einzelne seine religiöse Herkunft hätte verleugnen müssen».
Der AKR ist eine Vereinigung von
rund 100 Priestern und Laien, die nach eigenen Angaben \\"seit über 30
Jahren in der katholischen Kirche Reformen anmahnen». Der Verein ist außerdem
Mitglied der in insgesamt 11 Diözesen tätigen «Arbeitsgemeinschaft von
Priester- und Solidaritätsgruppen in Deutschland».
7. Juni 2004
Quelle: http://de.news.yahoo.com/040607/336/42enm.html
Regensburg, 08.06.2004
Einheit
des Presbyteriums mit seinem Bischof unverzichtbar
(pdr) Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller hat heute mit der
Ordinariatskonferenz, dem Sekretär und zwei Pfarrkonsultoren des
Priesterrates sowie den für die Pfarreien Oberalteich und Kohlberg
zuständigen Regionaldekanen und Dekanen die Situation nach dem
Verstreichenlassen der Erklärungsfrist durch die beiden Pfarrer Hans Trimpl
und Andreas Schlagenhaufer offen und intensiv beraten. Es wurde einhellig
festgestellt, dass die beiden Mitbrüder aufgrund der sakramentalen
Verbundenheit ihren Dienst wie jeder Priester nur in Einheit und
Übereinstimmung mit dem Bischof ausüben können.
Bei aller Wertschätzung ihres langjährigen seelsorglichen Einsatzes ist ihre
Verbindung zum "Aktionskreis Regensburg" und ihre
Mitherausgeberschaft bei
der "Pipeline" dahingehend endlich zu klären. Die zuständigen
Regionaldekane
und Dekane sowie der Priesterratssekretär und die Pfarrkonsultoren wurden
deshalb vom Bischof beauftragt, mit den beiden Pfarrern im Blick auf das
legitime Anliegen des Bischofs in nächster Zeit das Gespräch zu führen. Mit
diesem vom Bischof ermöglichten nochmaligen Bemühen verbindet sich die
Hoffnung, die beiden Pfarrer bewegen zu können, im Sinne der für die
Ortskirche unverzichtbaren Einheit des Presbyteriums mit seinem Bischof das
zu Recht erwartete deutliche Zeichen zu setzen.
Einzelheiten unter: http://mitglied.lycos.de/akrgbg
Im folgenden die
Meldung der Bischöflichen Pressestelle http://www.bistum-regensburg.de
Busse, Beifall, Buhrufe
Gespannte Stimmung der Kohlberger Demonstranten in Regensburg
Eventuell neuer Gottesdienst-Termin
Kohlberg, 9.6.2004 (jml). Obwohl erst am Sonntag bekannt wurde, dass am
Montagabend für den Verbleib von Pfarrer Andreas Schlagenhaufer in
Regensburg eine Demonstration stattfindet, haben sich fast 200 Bürger des
Ortes daran beteiligt. Schulkinder mit ihren Eltern, sehr viele Jugendliche
und auch etliche Ältere machten sich mit vier Bussen nach Regensburg auf.
Mitglieder des Frauenbundes, der KLJB, beide Bürgermeister, viele
Vereinsvorstände, Mitglieder des evangelischen Kirchenvorstands und eine
stattliche Zahl evangelischer Christen beteiligten sich an der Aktion.
Die Stimmung im Bus war gespannt. Was würde kommen? Immer wieder Gespräche
über die Situation im Ort und Empörung über die harte Haltung des Bischofs.
Bereits am Vormittag hatte eine vierköpfige Delegation des Pfarrgemeinderats
über 760 Unterschriften im Bischöflichen Ordinariat abgegeben. Die
Kohlberger Katholiken wollen den ökumenischen Gottesdienst am 25. Juli, den
Bischof Gerhard Ludwig Müller verboten hat, durchsetzen.
Die Listen nimmt der persönliche Sekretär im Flur des Bischofssitzes
entgegen. Man spricht etwa eine Stunde miteinander. Den Besuchern wird kein
Zimmer, nicht einmal eine Sitzgelegenheit angeboten, obwohl eine schwangere
Frau mit zur Delegation gehört. Das Gespräch dreht sich immer wieder im
Kreis. Von klerikaler Seite wird kein Einlenken signalisiert. Allerdings
deutet der Sekretär einen eventuell gangbaren Weg an. Die Kohlberger
Vereinsgemeinschaft wird nun beraten, ob eine zeitliche Verschiebung des
ökumenischen Wortgottesdienstes bei der Festeröffnung möglich ist.
Am Domportal treffen die Kohlberger auf die Demonstranten aus Niederalteich
und Rain. Auch sie sind mit mehreren Bussen angereist, um sich mit ihrem
Pfarrer Hans Trimpl solidarisch zu zeigen. Plakate und Spruchbänder werden
entrollt. "Bischof werden ist nicht schwer, Pfarrer sein dagegen
sehr" ist
unter anderem zu lesen. "So was kann man mit uns nicht machen, wir sind
doch
nicht mehr im Mittelalter", schimpft eine Teilnehmerin.
Der Redner des Aktionskreises Regensburg (AKR) nimmt die Zuhörer mit ins
Boot. Auch der Bischof gehört bei ihm natürlich dazu. "Denn nur dann sind
wir ein schöner, bunter Haufen." Ein Zaungast bemerkt: "Diese Kirche
wird
sich nicht bewegen. Das hat schon Luther vergeblich versucht. Seit dem
Unfehlbarkeitsdogma des Papstes kommen die da nicht mehr raus."
Allerdings wurde an dem Montag in Regensburg ein deutliches Zeichen auch
dafür gesetzt, dass die Kirche Ökumene lebt und die Gläubigen nicht lenkbar
sind wie eine Schafherde. "Wir wissen nicht, ob es was bringt, wenn wir
hier
zum Bischof marschieren, aber würden wir es nicht tun, dann könnte der
denken, dass er machen kann, was er will", sagte einer der Demonstranten.
Ein älterer Passant regt sich darüber auf, dass so viele Kinder von ihren
Eltern dazu "missbraucht" werden, bei der Protestaktion mitzumachen.
"Wie
sollen die denn Respekt und Vertrauen zu unserem ehrwürdigsten Herrn Bischof
lernen, wenn ihnen die Eltern so was vormachen?"
Pfiffe und Buhrufe
Der lange Zug wird am nahe gelegenen Bischofssitz bereits von Generalvikar
Dr. Wilhelm Gegenfurtner, Domkapitular Dr. Franz Frühmorgen und zwei
weiteren Herren sowie einem großen Medienaufgebot erwartet. Die kleine Gasse
ist randvoll mit Menschen.
Die Protesterklärung des AKR wird verlesen, mehrfach von lang anhaltendem
Beifall unterbrochen. Gegenfurtner bedauert, dass er in der aufgeheizten
Stimmung nicht sachlich und argumentativ antworten kann. "Ich nehme die
Listen jetzt entgegen, was soll ich auch sonst machen? Wir werden sie in der
Sitzung besprechen." Und dann kommt der Satz, der den Protestierenden wie
Hohn in den Ohren klingt: "Es ist jetzt an den beiden Pfarrern, sich zu
bewegen!" Pfiffe, Buhrufe und "Wir sind Kirche" wird minutenlang
skandiert.
Dann Gesang aus der Menge: "Wo zwei oder drei versammelt sind, da bin ich
mitten unter ihnen."
Derweil spricht Pfarrer Schlagenhaufer mit den Kirchenoberen. Sachlich,
ruhige Gesten. Das Ergebnis ist ungewiss. Bei Glockengeläut wird die
Demonstration beendet. Viele Teilnehmer wünschen sich, dass dem Bischof die
Ohren geklungen haben. Ein Fenster im oberen Stock war jedenfalls geöffnet.
Aus: Amberger Zeitung, 9.6.2004
Quelle: http://www.zeitung.org/onetz/569068-127,1,0.html
Wahrheit
und Wahrhaftigkeit in Regensburg
Kommentar von Martin Staffe
Man muss kein Prophet sein: Andreas Schlagenhaufer wird auch in einigen
Tagen nicht dem kritischen, reformorientierten Aktionskreis Regensburg, in
dem er seit 35 Jahren exponiert mitarbeitet, den Rücken kehren. Der
"Rebell", der sich schon zu WAA-Zeiten nicht von der Obrigkeit
einschüchern
ließ, weil er sich vor allem seinem Gewissen verpflichtet fühlt, wird sich
auch nicht bei seinem Oberhirten entschuldigen. Die eindrucksvolle
Solidaritäts-Demonstration von rund 200 Kohlbergern für ihren Seelsorger am
Montagabend dürfte ihn in seiner hartnäckigen Haltung nur bestärken.
Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller wiederum wird wohl seine harte,
konsequente Linie gegen den unbequemen Kohlberger Pfarrer beibehalten. Auch
wenn gestern in der Ordinariatskonferenz noch keine Entscheidung gefallen
ist: Aufgehoben ist nicht aufgeschoben. Es wird nicht lange dauern, und der
Diözesanbischof wird seine Strafmaßnahmen vermelden lassen. Hoffentlich sind
nicht die Menschen in Kohlberg die Leidtragenden.
Dass der Bischof am Montag und dann erneut am Dienstag noch einmal den
Regionaldekan beauftragt hat, Pfarrer Schlagenhaufer doch noch zum Einlenken
zu bewegen, war wohl nicht mehr als ein taktischer Schachzug. So können die
Regensburger behaupten, nichts unversucht gelassen zu haben, und verlieren
ihr Gesicht nicht.
Um ihre Ziele durchzusetzen, sind dem Ordinariat inzwischen offenbar viele
Mittel recht. So rief der Generalvikar am Montag beim Landrat in Neustadt an
und bat diesen, den Kohlberger Bürgermeister Karl Prösl darauf hinzuweisen,
dass er sich bei der Demonstration am Abend in Regensburg neutral zu
verhalten habe und nicht als Bürgermeister auftreten dürfe. Ansonsten müsse
das Ordinariat ein Dienstaufsichtsverfahren gegen ihn einleiten. Prösl ließ
das Landratsamt wissen, er protestiere als Privatmann.
Oder: Am Sonntag verlas Gegenfurtner im Gottesdienst in Weiherhammer, wo
gegen den Ortspfarrer staatsanwaltschaftliche Ermittungen wegen des
Verdachts auf sexuellen Missbrauch laufen, eine Stellungnahme des
Bischöflichen Ordinariats. Da war von "berechtigten Vermutungen" die
Rede,
"warum gerade jetzt und zu diesem Zeitpunkt diese internen Ermittlungen
und
sensiblen Vorgänge der Presse zugespielt wurden. Die damit verfolgte Taktik,
aus ganz anderen Interessen den Vorfall ohne Rücksicht auf die Betroffenen
zu instrumentalisieren, ist unanständig."
Damit sollte wohl die Nachbargemeinde Kohlberg mit Pfarrer Schlagenhaufer
gemeint sein. Hier Schlagenhaufer oder jemand anderem aus der Gemeinde zu
unterstellen, sie hätten den Bericht über den Geistlichen in Weiherhammer in
unserer Zeitung lanciert, ist wirklich mehr als unanständig.
Ein weiteres Beispiel: In der Presseverlautbarung am Montag war von einem
Fax an den Weihejahrgang 1969 zu lesen, in dem der Bischof auch die
Studienkollegen Schlagenhaufers bittet, "das Ihnen Mögliche zu tun", um
ihn
zum Einlenken zu bewegen. Sollte da der Eindruck suggeriert werden, der
Bischof lasse nichts unversucht, um eine gütliche Einigung zu erzielen? Kein
Wort davon, dass sieben Priester dieses Weihejahrgangs wenige Stunden vorher
schriftlich beim Bischof gegen sein Vorgehen protestiert hatten. "Ist es
nicht schlimmer, wenn nur ,Dienst nach Vorschrift' oder der bequeme Weg
,blinden Gehorsams' unseren Dienst prägen?", fragten sie ihren Chef. Sie
könnten es jedenfalls nicht tatenlos hinnehmen, wenn ihr Kurskollege, dem
vorgeworfen werde, was viele andere schon gedacht hätten oder dächten, aus
dem priesterlichen Dienst entlassen würde.
Der Verfasser dieses Schreibens erhielt am Montagabend, direkt nach der
Demonstration der Kohlberger, einen Anruf aus dem Ordinariat. Sowohl der
Bischof als auch der Generalvikar lasen ihm die Leviten. Von Einschüchterung
war die Rede. Alle Menschen guten Willens müssen sich jeden Tag um Wahrheit
und Wahrhaftigkeit bemühen. Auch oder gerade für ein Bischöfliches
Ordinariat gilt dieser hehre Anspruch.
Aus: Amberger Zeitung, 9.6.2004
Quelle: http://www.zeitung.org/zeitung/569077-145,1,0.html