Ratzinger wird als Kardinalsdekan die nächste Papstwahl leiten

Rom (dpa) - Kardinal Joseph Ratzinger (75) wird nach Informationen aus dem Vatikan Kardinalsdekan. Damit fällt dem ehemaligen Bischof von München und Freising eine wichtige Rolle bei der nächsten Papstwahl zu.

Wie verlautete, wählte das fünfköpfige Kardinalskollegium des Kirchenstaates Ratzinger einstimmig in das neue Amt. Offiziell bestätigte der Vatikan und das Büro Ratzinger am Freitag die Wahl allerdings nicht. Auch die Zustimmung von Papst Johannes Paul II. steht noch aus.

Ratzinger ist Präfekt der Glaubenskongregation und gilt als einer der einflussreichsten Theologen im Vatikan. Er gilt auch als enger Papstvertrauter. «Als Kardinalsdekan hat er praktisch die Verantwortung, dass die nächste Papstwahl ordnungsgemäß abläuft», sagte ein Theologe in Rom. Zudem gibt er den Tod des Papstes bekannt. Er nimmt den Kardinälen vor der Papstwahl auch den Eid ab, dass sie den Ablauf des Konklave (Wahlversammlung zur Papstwahl) streng geheim halten und keinerlei Einmischung weltlicher Gruppen dulden werden.

Mit Ratzinger wird vermutlich erstmals seit dem Mittelalter ein Deutscher Kardinalsdekan. Er wird Nachfolger von Kardinal Bernardin Gantin aus Benin (Afrika), der aus dem Amt scheidet, weil er die Altersgrenze von 80 Jahren erreicht hat. Ratzinger gilt in Rom auch als «Strippenzieher»: Es heißt, er werde bei der Papstwahl entscheidenden inhaltlichen Einfluss auf die über 100 Kardinäle ausüben, wen sie als neuen Papst wählen. Unlängst plädierte er für einen Papst aus Afrika.

29. November 2002

Quelle: http://de.news.yahoo.com/021129/3/33fny.html