Priesterweihe von Frauen entpuppt sich als Sektenspektakel
Wien (DT) Viele Indizien lassen vermuten, dass der ehemalige Benediktinerpater Ferdinand Regelsberger nicht, wie nach anfänglichem Leugnen zuletzt behauptet wurde, von einem römisch-katholischen Bischof am 9. Mai die Bischofsweihe empfangen hat. Gerüchte, Beschreibungen, mehrere sich verdichtende Indizien und ein ausgebliebenes Dementi legen den Verdacht nahe, dass der von Regelsberger bisher konsequent geheim gehaltene Weihe-spender selbst nie eine gültige Bischofsweihe erhalten hat. Es könnte sich nämlich um den Argentinier Rómulo Braschi handeln, zu dessen "ökumenischer Bischofsweihe" am 11. Oktober 1998 eine "Katholisch-Apostolische (nicht römische) Charismatische Kirche ,Jesus König '" nach München einlud.
Nie eine von der Kirche anerkannte Weihe empfangen Als Konsekranten Braschis traten damals Roberto Garrido Padín und Hilarios Ungerer auf, die sich beide fragwürdigerweise als "Erzbischof" titulieren ließen, sowie der "Ältestenrat und Vorsitzende des Charismatischen Zentrums ", Ernst Rösslein. Der in München lebende Ungerer empfing nie eine von der katholischen Kirche anerkannte Priester- oder Bischofsweihe, bezeichnet sich selbst aber als "Erzbischof" und mitunter auch als "Primas". Ungerer distanziert sich mittlerweile von Braschi, weil dieser Frauen - auch seine eigene - zu "Priesterinnen" weihte.
Klangvoll und zugleich lächerlich sind ebenfalls die Titel von Rómulo Braschi, der sich mit einem Bischofswappen und dem Leitwort "Pax et Bonum" schmückt: Er bezeichnet sich als "Erzbischof für die Diözesen von München (Deutschland), Zürich (Schweiz), Buenos Aires (Argentinien) sowie San Salvador de Bahía (Brasilien)". Möglicherweise hat er diesen zahlreichen Territorien mittlerweile auch Österreich angeschlossen. Ein Augen- und Ohrenzeuge der sonderbaren "Bischofsweihe", die am 9. Mai im oberösterreichischen Steinfelden bei Scharnstein stattfand, will den Namen "Rómulo" gehört haben. Auch die nach Argentinien und in den Raum München weisenden Fährten würden auf Braschi zutreffen.
Ob sich Regelsberger, der laisierte Pater aus Kremsmünster, tatsächlich von dem Vertreter einer offensichtlichen Sekte, die über keinerlei erkennbare Gemeindestruktur verfügt, die Hände auflegen ließ, dürfte auch für die Beurteilung der für 29. Juni geplanten Frauen-"Priesterweihe" nicht uninteressant sein. Regelsberger selbst war für die "Tagespost" nicht erreichbar, weigerte sich aber bis jetzt - auch gegenüber dem Abt von Kremsmünster, Oddo Bergmair, der mit seinem ehemaligen Mitbruder sprach - den Namen des Weihespenders bekannt zu geben.
Sollte sich der Verdacht erhärten, dass Braschi der von Rom und der Wiener Apostolischen Nuntiatur gesuchte Weihespender ist, dann könnten sich die am 29. Juni voraussichtlich geweihten Frauen nicht auf die Handauflegung durch einen katholischen Bischof berufen. Es dürfte dann auch außer Zweifel stehen, dass Regelsberger nicht als unerlaubt, aber gültig geweihter Bischof, sondern als laisierter, in eine Sekte abgerutschter ehemaliger Pater zu betrachten ist.
Sollte eine der Propagandistinnen der Priesterinnenweihe, die mit dem Ex-Benediktiner Anselm Forster verheiratete Gisela Forster, mit ihrer Äußerung, Regelsberger werde nicht der weihende Bischof, sondern bei der Ordination der Frauen nur zugegen sein, eine Handauflegung durch Braschi gemeint haben, dann ist sie mit ihren Gefährtinnen auf dem sicheren Weg in die Sekte. Als nichts anderes ist die zahlenmäßig nicht relevante Gruppe um "Erzbischof" Braschi wohl zu sehen.
Forster: "Ich glaube langsam, wir blasen das Ganze ab" Unter dem Stichwort "Sekte" ordnet auch der Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Erich Leitenberger, die Angelegenheit ein. Allein in Wien gebe es drei so genannte "episcopes vagantes", darunter einen, der sich als "Papst Petrus II." bezeichnet, erzählt Leitenberger im Gespräch mit der "Tagespost".
Nachdem Recherchen dieser Zeitung den Namen Rómulo Braschi in Umlauf brachten, kehrte bei den Kandidatinnen für die Priesterinnen-Weihe Nervosität ein. Vom Linzer "Neuen Volksblatt" auf den Namen Rómulo Braschi angesprochen, erschrak Gisela Forster und meinte: "Ich glaube langsam, wir blasen das Ganze ab." Dementieren wollte sie allerdings nicht, dass Braschi Regelsberger geweiht habe. Die bisher für 29. Juni geplante Priesterweihe für Frauen, die möglicherweise nun doch nicht stattfindet, entpuppt sich so immer mehr als Spektakel im Sektenmilieu. Der Schweizer Sektenbeauftragte Joachim Müller will auch von Auftritten "Erzbischof" Braschis bei Scientology-Veranstaltungen wissen.
In einem Interview mit Regelsberger und dem als "Bischof X" bezeichneten Weihe-spender (mutmaßlich Braschi), das der aus dem priesterlichen Dienst ausgeschiedene Rudolf Schermann in seiner kirchenkritischen Zeitschrift "Kirche-in" veröffentlichte, bestätigt Ex-Benediktiner Regelsberger den von der "Tagespost" bekannt gemachten Zusammenhang zwischen seiner Weihe am 9. Mai und der geplanten Priesterinnenweihe am 29. Juni: "Da die Frauen, die sich zum priesterlichen Dienst berufen fühlen, in unseren Gegenden noch immer Widerspruch erleiden und ihre Bemühungen, diese Berufung zu leben, von außen auch nicht unterstützt werden, möchte ich Ihnen eine Hilfe sein."
"Von der institutionellen Rechtskirche überwuchert" In dem genannten Interview kommt auch Regelsbergers Weihespender zu Wort, der - vermutlich wahrheitswidrig - behauptet: "Ich wurde von einem römisch-katholischen Bischof unter der Bedingung zum Bischof geweiht, dass ich auch Frauen die Priesterweihe erteilen werde." Sollte Braschi, der 1998 in der Münchner Salvatorkirche (die damals den Altkalendariern gehörte) "konsekriert" wurde, der ominöse "Bischof X" sein, dann kann diese Behauptung als bloße Propaganda abgetan werden. Für die Vermutung, dass es sich um Braschi handeln könnte, spricht auch die in der Zeitschrift "Kirche-in" zitierte Aussage von "Bischof X": "Leider wird die charismatische Kirche von der institutionellen Rechtskirche überwuchert."
(Stephan Baier)
Aus: Die Tagespost, 5.6.2002
Quelle: http://www.die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=402