Kardinal Lehmann, Vorsitzende der Deutschen
Bischofskonferenz, über Gemeinsamkeiten,
aber auch zentrale Unterschiede von Christentum,
Judentum und Islam.
(In Absatz V seiner Ausführungen geht Kardinal Lehman auf die Unterschiede von Christentum
und Islam ein H-A Link)
......
V. Allen drei Religionen gemeinsam ist die
Verehrung des Abraham (in der muslimischen Tradition
Ibrahim genannt).
Religionsgeschichtlich markiert er die Entstehung des Monotheismus, des
Glaubens
an den Einen und
einzigen Gott. (...)
In der Frage des
Geschichtsverständnisses sind sich Juden und Christen (...) nahe, während
Christen
und Muslime hier über
strukturell unterschiedliche Grundmodelle verfügen. Dies ist alles andere als
ein
akademisches Thema.
Man darf nämlich mindestens vermuten, dass die muslimische Deutung von
Geschichte eine
produktive Auseinandersetzung des Islam mit der modernen Welt und die
Herausbildung
einer tragfähigen
Synthese zwischen der Moderne und den traditionellen Orientierungen in den
islamisch
bestimmten Ländern
jedenfalls erschwert. In diesen Zusammenhang gehören auch das Verständnis
des Korans als
geschichtlicher Deutung unzugänglichem Wort Gottes und die Vorstellung von der
unabänderlich wörtlichen Geltung des muslimischen Gesetzes, der Scharia. (...)
.......
Frankfurter Rundschau, 21.9.06, S. 7
Nicht nur Theologen sondern auch Philologen, Archäologen und Historiker werden von Islamisten mit
dem Tod bedroht, wenn sie sich nach westlich wissenschaftlichen Kriterien mit dem Islam befassen.
Jeder Forscher, der die wortwörtliche Offenbarung des Koran in Zweifel zieht und bei der Entstehung
der heiligen Schrift des Islam auf außerkoranische Quellen verweist, lebet gefährlich. So gebraucht der
Autor des Buches, „Die Syro - Aramäsiche Lesart des Korans“, aus Sicherheitsgründen das Pseudonym,
Luxenberg. Man darf gespannt auf die Reaktion aus dem Islam sein, wenn westliche Forschung die
muslimische Hagiographie mit der dort geschilderten Entstehung dieser Religion in Frage stellt und
Quellen nach historisch kritischen Gesichtspunkten befragt. Die „Ketzereien“ von Karl-Heinz Ohlig
u.a., „Die dunklen Anfänge des Islam“ scheint noch nicht von den entsprechenden Kreisen bemerkt
worden zu sein. Es bleibt zu hoffen, dass die kritische Wissenschaft sich nicht einschüchtern lässt.
H-A Link
Der Papst muss sagen dürfen,
was er will - auch wenn es das Falsche ist.
Nun ist der Schrecken groß,
und eine Hoffnung liegt in Scherben. Im bayerischen Herrgottswinkel
hatte es Papst Benedikt XVI.
gewagt, den Islam zu tadeln. Noch bevor die katholischen Blaskapellen
in Richtung Oktoberfest
weitergezogen waren, tobte der globalisierte Zorn der Muslime. Darf der
Papst, und sei es nur im
Gewande eines Zitats, islamische Gewalt ansprechen und dabei Ross und
Reiter nennen? Allein die
Frage scheint abwegig. Natürlich darf er es, es ist sogar seine Pflicht. Denn
niemand kennt die Verbindung
zwischen Religion und Gewalt besser als ein Mann der katholischen Kirche.
Allerdings stammt das
inkriminierte Zitat, der Islam sei eine »Schwertreligion« und habe der Welt nur
»Schlechtes und Inhumanes«
gebracht, aus dem Jahre 1391. Es wäre der Wahrheitsfindung nicht
abträglich gewesen, der Papst
hätte erwähnt, dass es christliche Gotteskrieger waren, die ihr Kreuz
in ein Schwert verwandelten,
aufgestachelt vom Hassprediger Bernhard von Clairvaux: »Ein Ritter
Christi tötet mit gutem
Gewissen; noch ruhiger stirbt er. Wenn er stirbt, nützt er sich selber; wenn
er tötet, nützt er Christus.«
Es wäre hilfreich gewesen, der Papst hätte ein Wort über die römisch-
katholische Auslegung des
Tötungsverbots verloren, über die mittelalterliche Verfolgung der Juden,
das Abschlachten der
Ungläubigen und das Verbrennen der Hexen, auch ein Wort über die Liturgie
des Folterns, Verstümmelns,
Ertränkens, stets mit der Bibel in der Hand. Noch den Franco-
Faschisten kroch die
katholische Kirche unter den Rock, und die Befreiungstheologie bekämpfte
sie, als sei es der
Leibhaftige. Ein Hinweis auf die Todsünden der eigenen Kirche, ein Hauch von
Bußfertigkeit hätte den
Ajatollahs ein Zeichen gegeben, und wäre dieses Zeichen so kühl gewesen
wie dieser Satz: »Menschen
der Kirche haben im Namen des Glaubens und der Moral auf
Methoden zurückgegriffen, die
dem Evangelium nicht entsprechen.« Der Satz stammt übrigens
nicht von einem Häretiker. Er
stammt von Joseph Kardinal Ratzinger, damals noch gefürchteter
Präfekt der Glaubenskongregation.
Die päpstliche Unterlassung rechtfertigt jedoch nichts;
nicht den islamischen Aufruhr, den
Terror mit Worten und Taten,
das Fuchteln mit der Bombe, die ganze Palette des entfesselten
Irrsinns samt
Einschüchterung, Erpressung, Todesdrohung. Was sind das für Verhältnisse, in
denen ein falscher
Zungenschlag mit brennenden Papst-Puppen beantwortet wird, in der Islam-
Kritiker um Leib und Leben
fürchten und in denen eine Entschuldigung sofort neue Drohungen
auslöst, neue Tiraden des
Verdammens und Verfluchens. Nichts bestätigt die Furcht vor
religiöser Gewalt schlagender
als die Taten der Brandstifter, die im Namen des Glaubens
zum Mord aufrufen – und von
ihren Schriftgelehrten zuweilen noch ermuntert werden.
Gleichwohl bleibt es ein
diplomatisches Desaster, wenn Benedikt XVI. den Eindruck erweckt,
er gieße Öl ins Feuer des
religiösen Weltbürgerkriegs, wenn ein Brückenbauer Brücken zum
Einsturz bringt – und seine
theologische Mission aufs Spiel setzt. Diese Mission ist sehr
schlicht, radikal und
verzweifelt politisch. Eigentlich besteht sie nur aus einem Satz: So geht
es nicht weiter, die Welt
muss eine andere werden, denn sie leidet an zwei »Krankheiten«.
Zu der einen »Krankheit«
gehören Ausbeutung und Ausplünderung, die Missachtung des
ungeborenen Lebens, die
Hybris der Gentechnologie und – Stichwort USA – der
Missbrauch imperialer Macht.
Es gibt noch eine zweite »Pathologie der Moderne«, die
religiöse Gewalt, den Terror
der Gotteskrieger. Solange diese »Krankheiten« nicht
besiegt werden, bleibt die
Erde, was sie ist – ein Schlachtfeld.
Welche Aufgabe der Papst dabei für die katholische
Kirche vorgesehen hatte, ist
leicht zu erraten. Im Krieg
der Weltgesellschaft ist der Vatikan ein Fels der Vernunft,
eine machtlose Macht des
Friedens, die gegen alle Freund-Feind-Verhältnisse die »Einheit
der Menschengattung« ins Gewissen ruft. Nie wieder dürfe eine
Religion Gewalt predigen,
denn »Gott ist Liebe«. Auf
diesen Gott soll sich kein Präsident und kein islamistischer
Vorbeter berufen können.
Wer nun von Benedikts
Islamkritik überrascht ist, der hat seine Schriften vorher nicht
gelesen. Es gibt auch nichts
zurückzunehmen. Tatsächlich ist der Gewaltbegriff im Koran
widersprüchlich, sein
Opferbegriff dunkel und sein Politikverständnis nicht von dieser Welt.
Andererseits enthält der
Koran ein unbedingtes Friedensgebot, wonach ein jeder nur mit
dem Herzen für den Glauben
kämpfen darf. »Kein Zwang in der Religion.« Die autoritären
Koran-Ausleger und
theologischen Despoten, die nichts mehr fürchten als das Licht
textkritischer Vernunft,
haben diese Stellen systematisch unterschlagen; mit Ingrimm spülen
sie dagegen die archaischen
Reste des Islams nach oben und bringen sie gegen den Westen,
gegen das »Haus des Krieges«
in Stellung.
Nun wird alle Welt, die
Bilder aufgepeitschter Islamisten vor Augen, mit belegter Stimme
nach dem »Dialog der
Kulturen« rufen. Leider sind hier viele Illusionen im Spiel. Wenn es
über theologische Abgründe
hinweg eine Verständigung gibt, dann höchstens in der Erinnerung
an den gemeinsamen mosaischen
Ursprung, an die unbedingte Achtung vor dem Leben.
Hoffnungen richten sich
hierzulande auf die Berliner Islamkonferenz, zu der Innenminister
Schäuble Organisationen
einlädt, denen er sonst schaudernd die kalte Schulter zeigt. Dahinter
steckt der Gedanke: Wer vom
Staat als Dialogpartner anerkannt wird, muss im Gegenzug
auch Recht und Gesetz
anerkennen. Der Staat garantiert die freie Religionsausübung; und
die Religion achtet den
Staat, der ihr diese Freiheit gewährt.
Eine solche Konferenz endet
freilich an den Grenzen des Nationalstaates. Die große Frage
aber ist, wie dem
globalisierten Fanatismus das Wasser abgegraben werden kann – jenen
Gotteskriegern, die alle
Bindungen zu einer mäßigenden islamischen Kultur gekappt haben
und direkt vor dem »Weltauge«
der TV-Kameras predigen, um im aufgewühlten Meer
der Weltöffentlichkeit auf
Seelenfang zu gehen.
In dieser auflodernden
Weltöffentlichkeit steht Benedikt XVI. nun als jemand da, der
Partei ergreift im
Kulturkampf, als Teil des westlichen »Kreuzzugs« gegen den Islam. Doch
immerhin hat der Papst die
Wirkung seiner Rede bedauert und in einem Akt der Selbstbesinnung
Einsicht gezeigt. Dass jemand
überhaupt die Wirkung seiner Worte wägt – das unterscheidet
den Papst von den
Machtpolitikern urbi et orbi. Und mag es auch eine ganz und gar haltlose
Hoffnung sein, vielleicht
imponiert die päpstliche Geste auch islamischen Schriftgelehrten,
vielleicht erinnern sie sich
an die lichte und friedfertige Tradition des Islams, als ein Streit
zwischen den Religionen noch
»als Barmherzigkeit Gottes« betrachtet wurde. Zum Beispiel
bei dem Gelehrten Averroes
(1126 bis 1198), für den Gewalt ein Gräuel und die Verbindung
von Vernunft und Glauben eine
Selbstverständlichkeit war. Ausgerechnet dieser kühne
Denker hat jene antike Vernunft-Philosophie
vor dem Vergessen bewahrt, die der Papst
heute mit dem Christentum
versöhnen will.
Aber eines stimmt auch. Die
Hoffnung auf einen erlösenden »Dialog der Religionen« ist naiv,
solange sich der Westen nicht
klarmacht, warum seine Wirtschaftsweise als Neokolonialismus
beklagt, seine
Menschenrechtspolitik als doppelzüngig verteufelt wird und warum die
islamistischen Dunkelmänner
nach dem Irak-Kreuzzug leichtes Spiel haben. Zum Sündenregister
des Westens hat bereits
Johannes Paul II. das Nötige gesagt, aber wie so oft ging es im
christkatholischen
Weihrauchnebel unter.
DIE ZEIT, 21.6.09, S. 1
Quelle: http://www.zeit.de/2006/39/01-papst-39
Im Nachhinein sind
immer alle klüger. Es war sicher etwas naiv und nicht ganz zeitgemäß, den
Propheten Mohammed,
dessen Name von einem gläubigen Muslim nicht ausgesprochen werden
darf; ausgerechnet
mit den Worten eines mittelalterlichen Kaisers zu kritisieren.
Auch wenn es ein
Hörsaal der Regensburger Uni war, wo die Vorlesung stattfand, so wurde die
aber nicht mehr vom
alten Professor Ratzinger gehalten, sondern vom Papst, dem obersten
Interpretator dessen,
was katholische Meinung ist.
Es spricht für die
Ehrlichkeit und Redlichkeit Benedikts, dass er ganz schnell seine Botschaft
richtig gestellt hat,
nachdem er bemerkt hatte, dass sie falsch angekommen war.
Doch trotzdem war die
Reaktion der islamischen Führer überzogen. Ihr Verhältnis zur Gewalt
ist nach wie vor
ungeklärt. Genau darauf hat der Papst hingewiesen. Und das völlig zu Recht.
Der muslimische
Verweis auf Verbrechen der Kreuzfahrer ist wohlfeil, aber zu wenig. Diese
Untaten sind
bedauerlich und liegen mehrere Jahrhunderte zurück.
Die Islam-Führer sollen
bitte ihren eigenen Anhängem und dem Rest der Welt erklären,
tatsachlich 60 Jungfrauen war- ten, oder ob er
auch in Allahs Augen nur ein Mörder ist.
auch Frauen, Kinder und alte Menschen ins
Jenseits bombt, darf die sich legitim
"Islamischer Dschihad" nennen?
feuert? Kann das der Wille Allahs sein? Dürfen
sich solche Täter auf ihn berufen?
Glaubensbrüdern die Halse durch.
im Namen ihres Propheten, ja gar im Namen
Gottes solche Verbrechen begangen werden?
Hans Liedel
Quelle: Frankfurter Neue Presse, 18.9.06, S. 2