Ökumene: Präses Schneider kritisiert katholisches Abendmahlsverständnis

Bad Neuenahr, 12.1.2004 (epd). Der Präses der rheinischen evangelischen
Kirche, Nikolaus Schneider, hat das katholische Abendmahlsverständnis
kritisiert. "Die Kirche darf vom Tisch des Herrn nicht ausschließen", sagte
er am Montag vor Journalisten in Bad Neuenahr. Die Vorstellung, die
Austeilung des Abendmahls sei ans Weihe-Priestertum gebunden, halte er für
falsch. Jesus selbst habe keine "handverlesene Gesellschaft" an seinem Tisch
gehabt. "Wenn Jesus so einlädt, welches Recht haben wir, es anders zu
machen?", fragte der evangelische Theologe.

Die Landessynode der rheinischen Kirche befasst sich auf ihrer bis Freitag
dauernden Jahrestagung in Bad Neuenahr ausführlich mit dem Thema. Die
Abfassung einer umfangreichen Vorlage wurde durch den Abendmahls-Streit rund
um den Ökumenischen Kirchentag im Mai in Berlin beeinflusst.

In seinem Präses-Bericht kritisierte Schneider am Montag bereits die
Disziplinierung der Priester Gotthold Hasenhüttl und Bernhard Kroll durch
die katholische Kirche. Grund war ihre Teilnahme an einem gemeinsamen
Abendmahl mit Protestanten am Rande des Ökumenischen Kirchentags. Die beiden
Priester hätten lediglich "öffentlich vollzogen, was an vielen Orten und in
vielen Gemeinden in Deutschland sonntäglich geschieht", sagte Schneider.

Er wollte seine pointierten Äußerungen aber nicht als Absage an den Dialog
verstanden wissen, sondern als "Konturierung, die hoffentlich dem weiteren
Gespräch dient". Beide Seiten müssten darüber reden, welche Seite die Bibel
richtig verstehe. Die klare Formulierung und Begründung der eigenen Position
sei dazu hilfreich. (12.1.04)

Quelle: http://www.epd.de/west/west_index_19647.htm