Pius-Brüder:
- gegen die Gleichberechtigung der Frau,
- gebrochenes Verhältnis zum demokratischen Staat,
- kritisch zur Religionsfreiheit.
Baden-Württemberg
VON JOACHIM WILLE
Die Schulen der umstrittenen Pius-Bruderschaft standen bisher wenig im Fokus der Öffentlichkeit. In Baden-Württemberg machen nun die SPD und die katholische Kirche Front gegen sie. Die Bruderschaft reagiert empört.
Die SPD-Landtagsfraktion fordert, die beiden Pius-Grundschulen im Land schärfer zu überprüfen und ihnen die Anerkennung zu entziehen. Begründung: Die Ansichten der Bruderschaft seien "mit dem Erziehungs- und Bildungsauftrag für staatlich anerkannte Schulen nicht vereinbar".
Auch die katholische Diözese Rottenburg-Stuttgart äußerte "massive Vorbehalte", die sich aus der Pius-Grundhaltung ergäben. So lehnten die Pius-Brüder die Gleichberechtigung der Frau ab, hätten ein gebrochenes Verhältnis zum demokratischen Staat und stünden kritisch zur Religionsfreiheit. Die Schulaufsicht müsse "mit größerer Sorgfalt betrieben werden", sagte Diözesen-Sprecher Thomas Broch der FR.
Die SPD kritisierte die CDU/FDP-Landesregierung, die den im Landkreis Biberach gelegenen Schulen jüngst einen Persilschein ausgestellt hatte. Zwar sei das pädagogische Konzept der Schulen auf den ersten Blick nicht zu beanstanden, sagte der bildungspolitische Sprecher der Fraktion, Frank Mentrup. Im Fokus müssten aber die "geistigen Wurzeln" der Pius-Brüder sein: "Ich fordere die Landesregierung auf, genauestens zu prüfen, welche Werte der Schulträger vertritt." Er habe erhebliche Zweifel an ihrer Verfassungstreue und Akzeptanz der staatlichen Grundordnung. Mentrup verweist auf Äußerungen des Pius-Distriktoberen Franz Schmidberger. Dieser habe sich in einem Zeitschriftenbeitrag gegen die grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit und für die Einführung der Todesstrafe ausgesprochen.
Die Landesregierung hatte mitgeteilt, die Schulen, die bislang erst von zwölf respektive 20 Kindern besucht werden, seien unauffällig. Bei Besuchen der Schulaufsicht habe es "keine Beanstandungen gegeben, die eine Rücknahme beziehungsweise den Widerruf der Genehmigungen rechtfertigen würden." Zudem sei noch "nicht erkennbar, dass Äußerungen von Vertretern der Pius-Brüder in eine politisch motivierte, gegen die staatliche Grundordnung gerichtete Aktivität gemündet sind".
Die Schulen erhalten bislang noch keine staatlichen Zuschüsse, da sie vor weniger als drei Jahren gegründet wurden. Im Fall der einen Schule ist diese "Wartefrist" Ende 2009 allerdings abgelaufen.
Die Pius-Bruderschaft wehrte sich heftig gegen die Kritik von SPD und Diözese. Die Anwürfe seien "völlig aus der Luft gegriffen und lachhaft", sagte ihr Sprecher, Pater Andreas Steiner, der FR. Alle fünf Pius-Schulen bundesweit seien staatlich genehmigt und würden regelmäßig überprüft. "Angesichts des heute überall beklagten Werteverfalls sollte man froh sein, dass hier jungen Menschen die Ideale eines christlichen Lebens vermittelt werden", hieß es.
Öffentliches Aufsehen erregte bisher nur die Saarbrücker Pius-Realschule "Herz Jesu". Sie wurde 2006 vom saarländischen Kultusminister Jürgen Schreier (CDU) vorübergehend geschlossen. Begründung: Schüler wurden mehrfach körperlich gezüchtigt, Eltern hatten über Schläge ins Genick und Ohrfeigen berichtet.
Die Realschule durfte aber 2007 wieder öffnen. Das Verwaltungsgericht Saarlouis hatte die Ministeriumsverfügung aufgehoben, da die Zuverlässigkeit des Schulträgers wieder gegeben sei. Das Gericht bestätigte aber, dass es die Züchtigungen durchaus gegeben hatte.
Seither hat das Ministerium die Kontrollen in der Schule verschärft. Es habe aber keinen Grund zum Einschreiten mehr gegeben, heißt es dort.
Die Schulen
Die Pius-Bruderschaft betreibt in Deutschland fünf Schulen. Es sind zwei Grundschulen in Baden-Württemberg und eine in Saarbrücken, zudem eine Realschule für Jungen ebenfalls in Saarbrücken und ein Gymnasium für Mädchen mit angeschlossenem Internat im Bergischen Land in NRW. Sie sind als Privatschulen anerkannt. Eine weiteres Gymnasium für Jungen im westfälischen Wadersloh wurde wegen finanzieller Probleme geschlossen.
Als Schulträger fungiert in Baden-Württemberg der Schulverein "Prager Jesuskind". Es wird in jahrgangsübergreifenden Klassen unterrichtet, man orientiert sich laut Schulkonzeption teils am Montessori-Prinzip. Als "maßgebender Leitfaden" gilt die Erziehungsenzyklika von Papst Pius XI. von 1929. Auch nicht-katholische Kinder können aufgenommen werden.
Frankfurter Rundschau, 27.3.09, S. 10
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/1700680_Wo-Pius-Brueder-Schule-machen.html