«Ich könnt' narrisch werden» - Suspendierter Oberalteicher Pfarrer will Vatikan anrufen - Bischof Müller hält an Amtsenthebung fest

Oberalteich (ddp-bay). Der niederbayerische Pfarrer Hans Trimpl aus Oberalteich will den Vatikan gegen seine Suspendierung durch den Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller anrufen. Die Amtsenthebung des 61-jährigen Geistlichen sei rechtswidrig und ungültig, sagte Trimpls Sprecher, der Regensburger Liturgiewissenschaftler August Jilek, am Dienstag bei einer Pressekonferenz im Kloster Oberalteich.

Die Suspendierung sei fast ausschließlich damit begründet, dass der Pfarrer ein staatliches Gericht angerufen habe, um dem Bischof verunglimpfende Äußerungen über ihn untersagen zu lassen. Die Wahrnehmung staatsbürgerlicher Rechte verstoße jedoch nicht gegen das Kirchenrecht, betonte der Professor. «Ein Bischof untersteht wie jeder andere Staatsbürger der staatlichen Rechtsprechung.» Überdies erfülle die Suspendierung keine der durch das Kirchenrecht vorgeschriebenen Bedingungen. So müssten bei der Verhängung dieser Sanktion dem Pfarrer «die Anklage als auch die Beweise» dargestellt werden, erklärte Jilek.

Der seit 1969 im Dienst der Diözese Regensburg stehende Pfarrer Trimpl sagte, er sei «traurig und wütend» über seine Amtsenthebung. «Ich könnt' narrisch werden über so viel unsinnigen Kampf», sagte er. Er wünsche sich, dass in dem Verfahren das Kirchenrecht eingehalten werde. «Dann kann mir eigentlich nichts passieren.» Er lebe aus dem Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils, «und da hat ein autoritäres System nichts zu suchen».

Die Diözesanleitung hält die «Strafe der Suspension» dagegen für rechtsgültig und wirksam. Aufgrund der sakramentalen Verfassung der Kirche seien Rechtsakte des Bischofs «aus sich heraus gültig» und könnten nicht von subjektiven Meinungen und Interpretationen in Frage gestellt werden, betonte der Offizial der Diözese, Max Hopfner.

Der Pfarrer war am Freitag mit sofortiger Wirkung seines Amtes enthoben worden. Das Ordinariat begründete diesen Schritt mit Trimpls Weigerung, eine gegen den Bischof beantragte einstweilige Verfügung zurückzuziehen. Mit dem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht Regensburg soll dem Bischof die Wiederholung einiger in einer Predigt gemachten Äußerungen über den Pfarrer untersagt werden. Als Pfarradministrator für die Gemeinde mit rund 1800 Gläubigen wurde der Benediktinerpater Kilian Saum bestimmt.

Wegen der Mitgliedschaft im kirchenkritischen Verein «Aktionskreis Regensburg» (AKR) sowie ihrer Mitarbeit an der Zeitschrift «Pipeline» hatte Bischof Müller Trimpl und Pfarrer Andreas Schlagenhaufer aus dem Oberpfälzer Kohlberg bereits Anfang Juni mit der vorzeitigen Versetzung in den Ruhestand gedroht. Mehrere hundert Gläubige protestierten daraufhin vor dem Regensburger Dom gegen drohende Sanktionen gegen die beiden Geistlichen.

Professor Jilek sagte, die Art, wie Bischof Müller die Diözese leite, erinnere an die Anfangszeit des vor Kurzem von Papst Johannes Paul II. entmachteten Bischofs Kurt Krenn im österreichischen St. Pölten. Auch Krenn sei mit einer «harten Gangart» gegen vermeintlich missliebige Pfarrer und Kirchenbedienstete vorgegangen. Bei den Mitarbeitern des Bistums Regensburg herrsche «Lähmung und Frust». (Quellen: Trimpl und Jilek in PK, Diözese in Mitteilung)

 

27. Juli 2004

Quelle: http://de.news.yahoo.com/040727/336/44w4e.html