Patriarch nimmt Entschuldigung für Kreuzzug an

Katholiken und Orthodoxe haben nach achthundert Jahren das wohl dunkelste
Kapitel ihrer beiderseitigen Geschichte aufgearbeitet. Die katholische Seite
entschuldigt sich für ihren Anteil am Fall von Konstantinopel im Jahr 1204,
während des Vierten Kreuzzugs. Die orthodoxe Seite nimmt diese Entschuldigung an. Es
war wirklich ein historischer Tiefpunkt: Der Doge von Venedig erbot sich
damals, den vom Papst ausgerufenen Vierten Kreuzzug zu finanzieren - Bedingung:
Die Ritter sollten für Venedig die Stadt Zara einnehmen. Das taten sie auch,
gegen den ausdrücklichen Willen des Papstes. Und unter dem Druck anderer
europäischer Herrscher marschierten sie dann auch noch gegen Konstantinopel, Venedigs
ewigen Konkurrenten, das östliche Rom. Sie nahmen die Stadt ein, setzten sie
in Brand und plünderten sie. Derart geschwächt, wurde Konstantinopel (oder
Byzanz) später eine leichte Beute für das islamische Heer von Mehmet dem Eroberer.
- Bei seinem Griechenlandbesuch vor drei Jahren hatte sich der Papst für den
Anteil der Kirche an dieser Zerstörung von Konstantinopel entschuldigt. Bei
einer Feier in Istanbul, an der auch ein französischer Kardinal teilnahm, hat
Bartholomaios I. diese Entschuldigung nun akzeptiert. Der Patriarch von
Konstantinopel ist das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Kirche. "Wir können diesen
tragischen Tag von damals nicht vergessen", so Bartholomaios. "Aber wir vergeben,
und wir akzeptieren mit Genugtuung die Entschuldigung und die Versicherung, dass
der Westen nie wieder den Christen des Ostens etwas so Schändliches antun
wird."

RV
15.04.04
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