1.
Ausgangslage
Der Priestermangel im Bistum Fulda ist noch nicht so schlimm wie in anderen Bistümern. Andere Bistümer sind Fulda in dieser Entwicklung schon 10 bis 30 Jahre voraus, z.B. das Bistum Limburg. So werden z.B. in Frankfurt (Bistum Limburg) für 51 Pfarreien noch 15 Pfarrer zur Verfügung stehen. Dann steht in Frankfurt ein Pfarrseelsorger ca. 11.500 Katholiken zur Sakramentespendung zur Verfügung.
2. Welche Auswirkung hat der
Priestermangel?
2.1 Betroffen davon
sind zunächst die Priester.
Man kann man die Zahl der Sonntagsmessen kürzen, Pfarreien zusammenlegen, pastorale Schwerpunkte festlegen und Regionale Zentren einrichten (z.B. für Jugendarbeit, Erwachsenenbildung, Kirchenmusik, Frauenarbeit, Spezialgottesdienste. u.ä.). Dies ist sicher in Städten eher möglich auf dem Land. Besonders im ländlichen Raum kann davon ausgegangen werden, daß ein Pfarrer für mehrere Pfarrgemeinden zuständig werden wird. Pfarrgemeinderats- und Verwaltungsratssitzungen in mehreren Gemeinden müssen absolviert werden, der Zeitaufwand für die Koordinierung und Mitarbeiterführung wird größer. Um rechtzeitig die Sonntagsmessen an den verschiedenen Orten halten zu können ist ein schnelles Auto erforderlich. Fakt ist: Immer weniger Priester werden für immer mehr Katholiken zuständig sein. Wie wirkt sich diese Belastungen auf die Priester aus? Wie attraktiv wirken diese Anforderungen an den Beruf des Priesters auf potentiellen Nachwuchs?
Sicher, die Konzentrierung der Arbeit in Zentren oder Schwerpunktpfarreien beinhalten die Chance, daß eine mögliche Kirchturmpolitik aufgebrochen wird, die Belange nicht nur einer Pfarrgemeinde sondern einer Stadt oder einer Region in den Blick kommen. In der Erweiterung des Blickwinkels liegt die Chance, Ansätze für missionarisches Wirken zu erkennen. Nur, wenn die verbleibenden Priester sich auf Pfarrverwaltung und Sakramentenspendung konzentrieren sollen bzw. müssen, wer kann dann diese Arbeit übernehmen?
2.2 Betroffen vom Priestermangel sind auch die Pfarrgemeinden,
Immer weniger Priester werden für die Pfarrseelsorge im bisherigen Stil zur Verfügung stehen. Natürlich kann eine erforderliche Umorganisation angeordnet und ohne Diskussion und umgesetzt werden. Werden aber für die Zusammenlegungen von Pfarreien oder der pastoralräumlichen Planungen Kriterien entwickelt, nach denen in Zukunft die Arbeit ausgerichtet werden soll, stellt sich die Frage: Wer wird an der Entwicklung dieser Kriterien beteiligt? Trotz „objektiver“ Kriterien wird es oft aus sachlichen oder menschlichen Gründen Ausnahmen geben müssen. All das wird eine Menge Konflikte auslösen, zumal sich leicht eine Pfarrei gegen die andere ausgespielt fühlt.
2.3 Weiterführende Überlegungen
Die oben aufgeführten Überlegungen haben sich auf die mehr oder weniger gerechte Verteilung der verbleibenden Priester gerichtet. Die Erfahrungen aus anderen Bistümern lehren, daß die Kriterien der Priesterverteilung immer wieder verändert werden müssen, da dort die Zahl der Priester weiter sank, als die ursprüngliche Planung vorsah. Alternative Überlegungen sind also angesagt.
Aufgrund des weiter zunehmenden Priestermangels wird der Verlust von theologischer Kompetenz in der katholischen Kirche noch dadurch verstärkt, daß etliche Bistümer, auf Diplom Theologen, Laien, in der Pfarrseelsorge verzichtet. Hier spielt möglicherweise die Angst vor der zu großen fachlichen Nahe zum geweihten Priester eine Rolle, da der Ausbildungsweg bis zum Diplom dem der Priester gleicht. Ob Bistümer gut beraten ist, sich bei der Einstellung von pastoralen Mitarbeitern in der Pfarrseelsorge nur auf Gemeindereferenten, mit verkürzter theologischer Ausbildung, zu beschränken, sei dahingestellt.
Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es in diesem Zusammenhang für Laientheologen oder ehrenamtliche Laienmitarbeiter? Hier zieht der CIC und die "Instruktionen zu einigen Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester" (
http://www.vatican.va/roman_curia/pontifical_councils/laity/documents/rc_con_interdic_doc_15081997_ge.html ) klare Grenzen. Das allgemeine Priestertum der Laien gilt nur mit Einschränkungen. Kein Bischof kann oder wird es wagen, selbst wenn er wollte, diese Rahmenbedingungen zu ignorieren. Rom achtet besonders in Deutschland darauf, daß die Grenzen nicht überschritten werden.
Die Kirchenleitung hält an den bisherigen Zugangsvoraussetzungen zum Priesterberuf trotz der sich weltweit abzeichnenden Engpässe fest. Wird bei einer Pastoralplanung eine priesterzentrierten Sichtweise vorherrschen, steht zu befürchten, daß sich die Laien dafür nur insoweit interessieren, wie „ihr“ Pfarrer oder „ihr“ Kaplan ersatzlos weggenommen werden.
27.1.02
H-A Link
www.wir-sind-kirche:de/fulda-hanau