Überlegungen zur Pastoralplanung

 

Nach den Statistischen Daten 2001, herausgegeben von der Deutschen Bischofskonferenz, gehört das Bistum Fulda in Deutschland zu den am besten mit Priestern versorgten Diözesen. Bei den Pastoralen Mitarbeitern liegt das Bistum im oberen Mittelfeld noch vor Limburg.

 

 

 

 

 

Statistisch gesehen ist alles bestens. Für was also braucht das Bistum Fulda eine Pastoralplanung?

 

Im Bistum Fulda werden jetzt die ersten Auswirkungen von Entwicklungen deutlich, die in anderen Bistümern schon vor Jahren eingesetzt haben. So werden z.B. in Frankfurt (Bistum Limburg) für 51 Pfarreien noch 15 Pfarrer zur Verfügung stehen.

 

Ob damit in Frankfurt der Endpunkt der Entwicklung erreicht ist sei dahingestellt. Der Blick auf die Situation der Kirche in Frankreich (vgl. Publik – Forum 24.1.03, S.68, Ein Nest für die Armen) lässt in Zukunft noch drastisch Veränderungen möglich erscheinen. Dort zeichnet sich in den Pfarrgemeinden eine Überalterung der Aktiven und der Priester ab.

 

Diese Entwicklungen lassen auch im Bistum Fulda Überlegungen über die künftigen Möglichkeiten und Strukturen notwendig erscheine.

 

 

Aber: Struktur- und Kooperationsmodelle allein reichen nicht aus.

Nach unserer Einschätzung sollte sich aber eine notwendig Pastoralplanung nicht nur auf die Aspekte von Kooperation und Organisation beschränken. Wenn Kirche gerade in den Ballungsgebieten (Kassel und Hanau) missionarisch sein will, halten wir es für unabdingbar, auch die Menschen jenseits der Kerngemeinde anzusprechen. Es geht dabei um die Frage: Wie kann die persönliche Erfahrung der Menschen, die sie mit Religion, Glaube und Kirche gemacht haben, ihre Lebensgeschichte, den biographische Aspekte, einen Ort in Gemeinde bzw. dem jeweiligen Pastoralen Raum finden. Es gilt, Menschen mit ihren Erfahrungen ernst zu nehmen, auch in ihrem Spannungsfeld zum Glauben der Kirche.

 

Eine Beschränkung auf die Kerngemeinde vernachlässigt nach unserer Einschätzung den missionarischen Aspekt von Kirche. Wir halten es für notwendig auch Überlegungen anzustellen, welche Schritte erforderlich sind, die Menschen dort abzuholen, wo sie im Glauben stehen. (Vgl. Kloster St. Gallen: Wochenenden für Fernstehende www.clinch-wallfahrt.ch).

 

Es geht dabei um die Fragen:

·        Welchen Aufgaben / Stellenwert soll Kirche / Pfarrei vor Ort haben. à Pastoralplanung

Voraussetzung:

-         Menschen dort abholen, wo sie stehen (Pfarrer und Gemeinden)

-         Was bewegt die Menschen vor Ort auch außerhalb der Pfarrgemeinde (Setzt Kenntnis der Situation voraus)

·        Sprechen Bischöfe, Priester, Laien noch dieselbe Sprache? – verstehen die Gruppen sich überhaupt noch?

Was verstehen sie unter Begriffen wie: Glaube, Gott, Vater, Jesus, Christus, Kirche  ......? (vgl. Credo Projekt, Vater unser Projekt – Publik Forum)

·        Wie variiert das Glaubens - Verständnis zwischen den Generationen?

·        Wie können die Menschen dort abgeholt werden, wo sie stehen.

 

Pastoralplanung

 

Was behindert die Planung?

Was fördert die Planung?

Pfarrei bisher:

-         Abgegrenzter Raum mit klaren Zuständigkeiten (Erbhof)

-         Kuschelraum          für Pfarrer und Gemeinde

à Abwehr von Neuem und Neuen

à Beharrung auf dem Bestehenden

 

 

Pastoralplanung / Pastoraler Raum

Neuorientierung und Neuorganisation führt zu:

-         Verlust von Heimat, klarer Zuständigkeit und Kuschelraum

à Verunsicherung, Ängste und Abwehr durch Pfarrer und Gemeinde

 

 

bisherige Rolle des Pfarrers

-         Priesterrolle

-         Sakramentenchef

-         Territorialchef

-         Verwaltungschef

-         Koordinator

à Überforderungsgefühl bei Zunahme von Aufgaben und Pfarreien und neuen Strukturen:

à Ängste, Abwehr:

  • Die eigene Arbeit wird „zu“ transparent
  • Andere, auch Laien, können zuviel reinreden
  • Statt Entlastung gibt es mehr Arbeit
  • Abgabe von Aufgaben bedeutet auch ein Verlust an Macht und Einfluß
  • Angst vor Reibungsverlusten durch Kooperation

 

 

Unklares Rollenbild:

Welche Rolle soll in Zukunft der Pfarrer übernehmen, welche nicht?

 

 

Wenn Gemeinden und vor allem Pfarrer der Pastoralplanung skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen, werden sie die Planung unterlaufen und nach Möglichkeit für ihren Bereich neutralisieren.

Pfarrer und PGR vor Ort müssen von Sinn einer Pastoralplanung überzeugt werden können.

Problem bei Pastoralplanung:

·                    Beschäftigung mit sich selbst

·                    Die Umwelt der Pfarrei kann leicht aus dem Auge verloren werden.

·                    Der Pfarrer wird aus Zeitmangel immer weniger zu erreichen sein.

 

 

 

Ziel von Pastoralplanung sollte sein:

·        Vernetzung

·        Kooperation

·        Synergieeffekt – keine Gemeinde, kein Pfarrer muß mehr alles anbieten

·        Entlastung

·        Ermöglichung von Initiativen

-         wie autonom dürfen Gruppen sein (z.B. wsk) ?

 

 

Kooperation / Vernetzung (z.B. durch Zentralpfarreien, kirchliche Ämter, Bildungseinrichtungen, Pfarrzusammenschlüsse, Klöster, Personalgemeinden, u.u. Neue Zentren) beinhaltet:

-         Aufgabenorientierung

-         Themenorientierung

-         Spirituell sakramentale Orientierung

-         Zielgruppenorientierung

-         Verbindlichkeitsgrad (Nähe- Distanzproblem)

-         Nationale Orientierung (Italiener, Polen, Spanier, Portugiesen, Kroaten, .....)

-         Öffentlichkeitsarbeit

-         Vernetzung über die Konfessionsgrenzen hinaus

-         Kooperation mit außerkirchlichen Partnern

-         Ökumene

-         Interreligiöser Dialog

-         Mission

 

 

Bei einer Reduzierung von personellen Ressourcen, besonders bei Priestern, und dem wachsen von finanziellen Engpässen werden Entscheidungen auf dem Konsensweg nicht immer herstellbar sein. Es ist nicht auszuschließen, dass Entscheidungen von der Bistumsleitung unumgänglich werden. Die Verwaltung von Mangel, die Kürzung von Mitteln, die Zusammenlegung, Schließungen von Pfarreien und Einrichtungen oder gar die Kündigung von Personal kann unumgänglich werden wie z.B. im Bistum Berlin. Dies alles wird Widerstand und Resignation hervorrufen.

 

Ausschlaggebend wird sein, ob es rechtzeitig gelingt, eine Vision für die Zukunft von Kirche zu entwickeln, für die es sich lohnt, Opfer zu bringen.

 

Folgendes gilt es zu beachten: Den Rahmen für jeden Pastoralplanung bildet das Kirchenrecht und die „Instruktion zu einigen Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester“.

25.02.2003

H-A Link

www.wir-sind-kriche.de/fulda-hanau