Pastoralplanung im Bistum Fulda
Anmerkungen von Wir sind Kirche/Fulda-Hanau
1. Ausgangslage:
Nach: www.credobox.de/kirchens.htm
"Wahr ist, daß im Vergleich mit anderen hessischen Bistümern in Fulda statistisch gesehen auf einen Diözesanpriester 1.324 Gläubige kommen (Mainz 1.757, Limburg 2.130 /1997). Wahr ist auch, daß es einen Mangel gibt und Priester und Gemeinden sich neuen Formen der Kooperation öffnen müssen. Kooperation wird das zukünftige Stichwort in der 450.000 Katholiken zählenden Diözese Fulda lauten müssen. Nach dem Tod von Bischof Dyba mußte schließlich auch sein Nachfolger Bischof Algermissen aufrufen "gelassen und nüchtern Veränderungen nachzugehen" und "Neuland unter den Pflug zu nehmen". Das Bistum Fulda ist nicht länger eine "Insel der Seligen".
Bei diesen Entscheidungen geht es zu allererst um die Einsparung von Priestern, die in der kath. Kirche Europas "Mangelware" geworden sind (Weltweit steigend!)."
Fakt ist: Der Priestermangel im Bistum Fulda ist noch nicht so schlimm wie in anderen Bistümern. Andere Bistümer sind Fulda in dieser Entwicklung schon 10 bis 20 Jahre voraus, z.B. das Bistum Limburg. So sind für das Jahr 2007 für die 49 Frankfurter Pfarreien noch 15 Priester vorgesehen. Dann steht in Frankfurt ein Pfarrseelsorger ca. 11.500 Katholiken zur Sakramentespendung zur Verfügung.
2. Welche Auswirkung hat der Priestermangel?
2.1 Betroffen davon sind zunächst die Priester.
Natürlich kann man die Sonntagsmessen rationieren, Pfarreien zusammenlegen, pastorale Schwerpunkte festlegen und Regionale Zentren einrichten (z.B. für Jugendarbeit, Erwachsenenbildung, Kirchenmusik, Frauenarbeit, Spezialgottesdienste. u.ä.). Dies ist sicher in Städten eher möglich auf dem Land. Besonders im ländlichen Raum kann davon ausgegangen werden, daß ein Pfarrer für mehrere Pfarrgemeinden zuständig sein wird. Pfarrgemeinderats- und Verwaltungsratssitzungen in mehreren Gemeinden müssen absolviert werden, der Zeitaufwand für die Koordinierung und Mitarbeiterführung wird größer. Um rechtzeitig die Sonntagsmessen an den verschiedenen Orten halten zu können ist ein schnelles Auto erforderlich. Fakt ist: Immer weniger Priester werden für immer mehr Katholiken zuständig sein. Wie wirkt sich diese Belastungen auf die Priester aus? Wie gehen die Priester auf diesem Hintergrund mit dem Gehorsamsversprechens gegenüber dem Bischof um?
Sicher, die Konzentrierung der Arbeit in Zentren oder Schwerpunktpfarreien beinhalten die Chance, daß eine mögliche Kirchturmpolitik aufgebrochen wird, die Belange nicht nur einer Pfarrgemeinde sondern einer Stadt oder einer Region in den Blick kommen. In der Erweiterung des Blickwinkels liegt die Chance, Ansätze für missionarisches Wirken zu erkennen. Nur, wenn die verbleibenden Priester sich auf Pfarrverwaltung und Sakramentenspendung konzentrieren sollen bzw. müssen, wer kann dann diese Arbeit übernehmen?
2.2 Betroffen vom Priestermangel sind auch die Pfarrgemeinden,
Immer weniger Priester werden für die Pfarrseelsorge im bisherigen Stil zur Verfügung stehen. Natürlich kann eine erforderliche Umorganisation angeordnet und ohne Diskussion und umgesetzt werden. Werden aber für die Zusammenlegungen von Pfarreien oder der pastoralräumlichen Planungen Kriterien entwickelt, nach denen in Zukunft die Arbeit ausgerichtet werden soll, stellt sich die Frage: Wer wird an der Entwicklung dieser Kriterien beteiligt? Trotz "objektiver" Kriterien wird es oft aus sachlichen oder menschlichen Gründen Ausnahmen geben müssen. All das wird eine Menge Konflikte auslösen, zumal sich leicht eine Pfarrei gegen die andere ausgespielt fühlt.
2.3 Weiterführende Überlegungen
Die oben aufgeführten Überlegungen haben sich auf die mehr oder weniger gerechte Verteilung der verbleibenden Priester gerichtet. Die Erfahrungen aus anderen Bistümern lehren, daß die Kriterien der Priesterverteilung immer wieder verändert werden müssen, da die Zahl der Priester überproportional zum demographischen Trend sinken wird. Alternative Überlegungen sind also angesagt.
Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es in diesem Zusammenhang für Laien? Im Bistum Fulda wie in einigen anderen Bistümern werden nach unserer Kenntnis keine Diplom Theologen mehr eingestellt. Hier spielt offensichtlich die Angst vor der zu großen fachlichen Kompetenz eine Rolle, da der Ausbildungsweg bis zum Diplom dem der Priester gleicht. Hinzu kommt ein Laufbahn und Karriere Problem. Jeder Kaplan wird zumindest Pfarrer. Was wird ein Diplom Theologe? Nur sollten diese Bistümer darauf achten, daß es ihnen nicht genau so ergeht wie der evangelischen Kirche. Dort wurde Studentinnen und Studenten dringend abgeraten Theologie zu studieren, da ein Stellenbesetzungstopp bestehe. Daraufhin sank an einigen Fakultäten die Zahl der Studierenden drastisch. Heute haben einige Landeskirchen kaum noch Pfarrernachwuchs.
Aufgrund des weiter zunehmenden Priestermangels wird der Verlust von theologischer Kompetenz in der katholischen Kirche noch dadurch verstärkt, daß etliche Bistümer, wie auch das Bistum Fulda, auf Diplom Theologen, Laien, verzichtet. Wenn irgend wann einmal dieser Mangel von den Entscheidungsträgern gesehen wird, gibt es möglicher weise diese Berufsgruppe nicht mehr. Ob das Bistum Fulda gut beraten ist, sich bei der Einstellung von pastoralen Mitarbeitern nur auf Gemeindereferenten, mit verkürzter theologischer Ausbildung, zu beschränken, sei dahingestellt. Bleibt noch der Einsatz von ehrenamtlichen Laien.
Wie sehen nun die kirchenrechtlichen und theologischen Rahmenbedingungen für den Einsatz von Laien, sei es als Theologen oder als Ehrenamtler aus? Hier zieht der CIC und die "Instruktionen zu einigen Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester" (http://www.vatican.va/roman_curia/pontifical_councils/laity/documents/rc_con_interdic_doc_15081997_ge.html ) klare Grenzen. Das allgemeine Priestertum der Laien gilt nur mit Einschränkungen. Kein Bischof kann oder wird es wagen, selbst wenn er wollte, diese Rahmenbedingungen zu ignorieren. Rom achtet besonders in Deutschland darauf, daß die Grenzen nicht überschritten werden.
Trotz der sich weltweit abzeichnenden Engpässe beim Priesternachwuchs scheint die Kirchenleitung nicht die Berufungen annehmen zu wollen, die ihr Gott schickt. Vielmehr erweckt sie den Eindruck, daß der Geist Gottes in der Art zu wirken hat, wie es die Kirchenleitung für richtig hält. Wird bei einer Pastoralplanung eine priesterzentrierten Sichtweise vorherrschen, steht zu befürchten, daß sich die Laien nur insoweit interessieren, wie "ihr" Pfarrer oder "ihr" Kaplan ersatzlos weggenommen wird.
27.1.02
H-A Link
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