Papst verurteilt Bischofsweihe in China

Vatikanstadt/Peking (AFP) - Papst Benedikt XVI. hat die eigenmächtige Weihe zweier katholischer Bischöfe in China scharf verurteilt. Sie stelle eine "ernste Verletzung der Religionsfreiheit dar", erklärte Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls. Der Vatikan beansprucht das Recht zur Ernennung von Bischofen für sich. Die katholische Kirche in China ist gespalten. Nach ihrer Machtergreifung gründete die kommunistische Führung eine offizielle Kirche. Jene katholischen Gemeinden, die dem Papst treu bleiben wollten, bildeten eine Untergrundkirche.

Gegen den Widerstand des Vatikans hatte China am Sonntag und am Mittwoch zwei Bischöfe geweiht. Peking wies die Kritik des Vatikans zurück. Die Weihe der beiden Bischöfe sei auf sehr positive Resonanz gestoßen, erklärte das Außenministerium. Die Wahl sei "voller Respekt" in "demokratischen Prozessen" abgelaufen. Die Kritik des Vatikan sei "haltlos". Gleichzeitig unterstrich Peking sein Interesse an guten Beziehungen zum Vatikan.

Seit den 90er Jahren gibt es mehr und mehr informelle Kontakte zwischen beiden Kirchen; viele der offiziellen Bischöfe sind inzwischen vom Papst bestätigt. Der jetzige Konflikt gilt aber als herber Rückschlag in den diplomatischen Bemühungen zwischen Peking und dem Vatikan.

Der Hongkonger Kardinal Joseph Zen hatte jüngst angedeutet, der Vatikan sei bereit, im Rahmen einer Gesamtlösung seine diplomatischen Beziehungen mit Taiwan abzubrechen. Dies ist eine zentrale Forderung Chinas, das Taiwan als abtrünnige Provinz ansieht. Gute Beziehungen zu Peking könnten nach Hoffnung des Vatikan den geschätzten zehn Millionen Katholiken in China die Ausübung ihres Glaubens erleichtern. Auch die Ernennung Zens zum Kardinal durch Papst Benedikt XVI. galt als Zeichen der Annäherung.

 

4. Mai 2006

Quelle: http://de.news.yahoo.com/04052006/286/papst-verurteilt-bischofsweihe-china.html

 

 

Kardinal fordert Ende des Dialogs mit Peking

Hongkongs Kardinal ist verärgert über Pekings Ernennung von Bischöfen. Annäherung mit Vatikan gefährdet

BERLIN taz Die für heute angekündigte Weihe eines zweiten chinesischen Bischofs innerhalb weniger Tage ohne Einverständnis des Vatikans hat bei Hongkongs Kardinal Joseph Zen scharfen Protest ausgelöst. Der im März von Papst Benedikt XVI. zum Kardinal beförderte Bischof der einstigen britischen Kolonie fordert von Rom, den Dialog mit Peking abzubrechen. "Er kann nicht fortgesetzt werden, weil die Menschen sonst denken, wir sind bereit zu kapitulieren", sagte Zen der Hongkonger South China Morning Post. "Wir können nicht nachgeben. Wenn man brutal solch eine vollendete Tatsache schafft, wie kann man da von Dialog reden? Dies widerspricht total dem Geist von Dialog."

Der 74-jährige Zen ist der einzige chinesische Kardinal. In den letzten Monaten hat er starkes Interesse an einer Annäherung mit dem Vatikan gezeigt und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen, die 1951 abgebrochen wurden, bereits für 2008 möglich gehalten.

Peking stört sich seit der Revolution daran, dass chinesische Bischöfe vom Vatikan ernannt werden. Deshalb erkennt Chinas Regierung die vatikantreuen Katholiken nicht an, sondern nur solche, die einer regimenahen Patriotischen Vereinigung angehören. Letztere hat nach Angaben Pekings vier Millionen Mitglieder. Laut Rom zählen zehn Millionen Katholiken zur vatikantreuen Untergrundkirche. Der Vatikan unterhält keine Beziehungen mit Peking, sondern erkennt als einziger Staat Europas Taiwan an, was er aber aufzugeben bereit ist.

In der Praxis arbeiten Chinas peking- und vatikantreue Katholiken stellenweise zusammen. So gibt es Bischöfe und Priester, die den Segen beider Seiten haben. In den letzten Monaten deutete sich auch ein Kompromiss an, dass beide gemeinsam Bischöfe auswählen könnten.

Zuletzt hatte Peking im Jahr 2000 fünf Bischöfe ohne Rücksprache mit dem Vatikan geweiht. Damit begann eine fünfjährige Eiszeit in den Beziehungen. Doch der neue Papst Benedikt XVI. signalisierte vergangenes Jahr, dass er großes Interesse an einer Normalisierung der Beziehungen hat. Denn im bevölkerungsreichsten Land der Welt suchen viele Menschen spirituellen Halt und die Kirchen haben Konjunktur.

Dass Pekings Patriotische Vereinigung in Kunming, Hauptstadt der Provinz Yunnan, am vergangenen Sonntag den Kirchenfunktionär Ma Yinglin zum Bischof weihte, war für die Anhänger Roms eine Provokation. Der Vatikan hatte um eine Verschiebung gebeten, um Mas Qualifikation überprüfen zu können, der auch Mitglied des Volkskongresses ist. Doch Peking sprach von Einmischung in innere Angelegenheiten und kündigte für heute noch die Weihe des Priesters Liu Xinhongs in Wuhu, Provinz Anhui an. Der hatte im Februar den Bischofsposten noch abgelehnt, nachdem der Vatikan Bedenken angemeldet hatte.

Kardinal Zen sieht die Patriotische Vereinigung hinter den Bischofsweihen. Diese habe aus Angst vor einem Machtverlust kein Interesse an einer Annäherung zwischen Peking und dem Vatikan. Zen warf der Patriotischen Vereinigung "Druck, Drohungen und wie es scheint Täuschung" vor und kündigte eine scharfe Reaktion des Vatikans an. Andere Beobachter halten Pekings Verhalten für Taktik, um weitergehende Forderungen des Vatikans abzublocken.

Zen äußerte sich bereits früher kritisch über die Regierung in Peking. Umgekehrt bezeichnete die Patriotische Vereinigung seine Ernennung zum Kardinal als Versuch des Vatikans, die kommunistische Regierung zu unterminieren. SVEN HANSEN

taz vom 3.5.2006, S. 9, 118 Z. (TAZ-Bericht), SVEN HANSEN

Quelle: http://www.taz.de/pt/2006/05/03/a0089.1/text