Papst neigt zu einsamen Entscheidungen
Rom (dpa) - Papst Benedikt XVI. (78) neigt angeblich zu einsamen
Entscheidungen und kapselt sich von seiner Umgebung ab. «Das Problem ist, dass
niemand im Vatikan weiß, was Joseph Ratzinger wirklich denkt», schrieb die
römische Zeitung «La Repubblica» am Freitag.
Während sein Vorgänger Johannes Paul II. seinen «polnischen Clan» um
sich versammelte, habe sich der Deutsche seit Amtsbeginn vor einem halben Jahr
sehr zurück gezogen.
«Benedikt hat keine Freunde in der Kurie, er kommt nicht mit
Landsleuten zusammen, er lädt niemanden zum Mittagessen ein und hält keine
Morgenmesse für Gruppenbesuche.» Der angesehene Vatikankenner Marco Politi
schrieb in dieser ersten öffentlichen, scharfen Kritik am Papst: «Benedikt
lebt, denkt und plant im Turm seiner Zurückgezogenheit.»
So werde noch immer darüber spekuliert, ob Ratzinger eine größere
personelle Veränderungen in der Führungsspitze des Vatikans plane. Dabei gehe
es vor allem um eine Neubesetzung des Amtes des Kardinalstaatssekretärs, der
«Nummer zwei» im Vatikan. Der Amtsinhaber Angelo Sodano wird 78 Jahre alt.
Vermutlich werde Kurienkardinal Giovanni Battista Re (71) in Kürze zum
Nachfolger Vernannt, schrieb das Blatt.
Zugleich wurden die Vorschläge der Weltbischofskonferenz (Synode)
bekannt. Die «Gipfelkonferenz» der Katholischen Kirche plädiere dafür, dass es
bei den «heißen Themen» keine Änderungen geben solle: Die Ehelosigkeit
(Zölibat) für Priester solle weiter bestehen, ein gemeinsames Abendmahl von
Katholiken und Protestanten werde weiter abgelehnt und auch das grundsätzliche
Verbot zur Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene solle bestehen bleiben.
Die dreiwöchige Synode geht am Sonntag mit einer Papstmesse offiziell zu Ende.
21. Oktober 2005
Quelle: http://de.news.yahoo.com/051021/3/4qfrh.html