Papst
fordert Schweizer Christen zur Einheit auf
Bern (AFP) - Mit einer Messe vor
70.000 Gläubigen hat Papst Johannes Paul II. in der Schweizer Hauptstadt Bern
seine erste Auslandsreise seit acht Monaten beendet. Das Kirchenoberhaupt rief
die eidgenössischen Christen in der von Protestanten boykottierten Andacht zur
Einheit auf. Der Besuch in der traditionell Vatikan-kritischen Schweiz war
umstritten: 40 Schweizer Kirchenpersönlichkeiten forderten den 84-jährigen
Papst wegen seines hohen Alters zum Rücktritt auf.
Zehntausende überwiegend junge
Gläubige jubelten Johannes Paul II. zu, als er in seinem "Papamobil"
auf der Berner Allmend, der historischen Gemeindewiese, zur Messe unter freiem
Himmel eintraf. Mit schwacher Stimme trug das gesundheitlich angeschlagene
Oberhaupt der katholischen Kirche seine Gebete in französischer, deutscher und
italienischer Sprache vor.
In seiner Predigt erinnerte er die
Schweizer Christen weiter an ihre "Verpflichtung zur Einheit." Etwa
35 Prozent Bewohner der Schweiz, die mit Calvin einen der bedeutendsten
christlichen Reformatoren hervorgebracht hat, bekennen sich zum
Protestantismus, mehr als 40 Prozent zum Katholizismus.
Die Protestanten boykottierten den
päpstlichen Gottesdienst, weil sie von der Eucharistie ausgeschlossen blieben.
Selbst viele Schweizer Katholiken sehen die konservative Haltung des Papstes in
Kirchenfragen kritisch.
Bundespräsident Joseph Deiss
verkündete die Ernennung des bisherigen Schweizer Vertreters beim Vatikan zum
"außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter". Er war bislang
rangniedriger als die 170 übrigen Botschafter beim Heiligen Stuhl. Mit dem
Schritt will Bern die Beziehungen zum Vatikan weiter normalisieren.
Die Schweiz hatte ihre
diplomatischen Beziehungen zum Heiligen Stuhl 1873 abgebrochen, nachdem Papst
Pius IX. die Verfolgung der katholischen Kirche in der Schweiz verurteilt
hatte. Erst 1920 wurden die Beziehungen wieder aufgenommen.
Im Vorfeld der 103. Auslandsreise
des Papstes hatte ein Offener Brief von Schweizer Kirchenpersönlichkeiten für
Streit gesorgt. Darin forderten die Unterzeichner, in seiner Eigenschaft als
Bischof von Rom solle das Kirchenoberhaupt wie jeder andere Bischof mit 75
Jahren in den Ruhestand gehen. Jüngsten Meinungsumfragen zufolge schlossen sich
knapp drei Viertel der Schweizer Katholiken der Forderung an. Die Schweizer
Bischofskonferenz verurteilte die Initiative scharf.
6. Juni 2004
Quelle: http://de.news.yahoo.com/040606/286/42cr9.html