Papst-Äußerung zu Kondomen ruft Kopfschütteln hervor – auch in der Kirche
Die umstrittenen Äußerungen des Papstes zum Gebrauch von Kondomen und Aids haben international Kopfschütteln ausgelöst. Frankreich sei "sehr stark beunruhigt" über die Folgen der Papst-Äußerungen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Paris. Der Vatikan-Sprecher verteidigte die Aussagen der katholischen Kirchenoberhaupts.
Die französische Regierung kritisierte deutlich die Äußerung des Papstes, der Gebrauch von Kondomen verschlimmere das Aids-Problem. "Auch wenn es uns nicht zukommt, über die Kirchendoktrin zu urteilen, sind wir der Meinung, dass solche Äußerungen die öffentliche Gesundheitspolitik und das Gebot des Schutzes des menschlichen Lebens in Gefahr bringen", sagte der Sprecher des französischen Außenministeriums.
Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (beide SPD) erklärten gemeinsam in Berlin, Aids gehöre "nach wie vor zu den großen Bedrohungen der Menschheit". Bei der Bekämpfung "spielen Kondome eine entscheidende Rolle".
Die Deutsche Aids-Hilfe kritisierte die Äußerungen "auf das Schärfste". "Angesichts des millionenfachen Leids durch HIV und Aids auf dem afrikanischen Kontinent ist die kategorische Ablehnung des Kondoms durch den Vatikan zynisch und menschenverachtend", erklärte die Organisation in Berlin.
Auch in der Kirche stießen die Äußerungen auf Widerspruch. "Wer Aids hat und sexuell aktiv ist, wer wechselnde Partnerschaften sucht, muss andere und sich selber schützen", schrieb der katholische Weihbischof Hans-Jochen Jaschke in einem Beitrag für die "Zeit". "Also: kein Tabu beim Thema Kondom, aber auch keine Mythen und Verharmlosungen, als sei damit die Welt in Ordnung."
Vor seiner Ankunft in Kamerun hatte der Papst gesagt, das Aids-Problem lasse sich nicht "durch die Verteilung von Kondomen regeln. Ihre Benutzung verschlimmert vielmehr das Problem." Die christliche britische Hilfsorganisation Christian Aid erklärte, die Anmerkungen des Papstes sorgten in Afrika für Verwirrung. Enthaltung sei nicht die einzige Maßnahme zur Eindämmung der Krankheit. Es sei fraglich, ob der Papst im 21. Jahrhundert lebe, sagte der kamerunische Aids-Aktivist Alain Fougé. "Die Menschen folgen den Worten des Papstes nicht. Er lebt im Himmel und wir auf der Erde."
18.3.09
Quelle: http://de.news.yahoo.com/2/20090318/tpl-papst-aeusserung-zu-kondomen-ruft-ko-ee974b3_2.html
Katholischer Bischof widerspricht dem Papst
Benedikt XVI. erntet für seinen Kampf gegen Kondome Kritik in der eigenen Kirche. Der katholische Weihbischof von Hamburg, Hans-Jochen Jaschke, meint: "Kondome können schützen". Das finden auch zwei deutsche Ministerinnen. Erstmals regt sich zudem Ärger bei Katholiken in Afrika.
Nach den Papst-Äußerungen zur Aids-Bekämpfung hat der katholische Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke es abgelehnt, Kondome zu tabuisieren. In einem Beitrag für die "Zeit“ schreibt Jaschke: „Die Kirche steht nicht in einer finsteren Anti-Kondom-Ecke, von der aus sie die Menschen einschüchtern will. Wer Aids hat und sexuell aktiv ist, wer wechselnde Partnerschaften sucht, muss andere und sich selber schützen“, schreibt Jaschke. Wenn ein aidskranker Ehemann mit seiner Frau verkehre, dann sei „Schutz angesagt“.
Der Weihbischof lobte die sogenannte A-B-C-Methode, die unter anderem in Uganda von Staat und Kirche propagiert werde: Der Buchstabe A steht für Abstinenz, B für „Bleib treu“ und C für die Benutzung von Kondomen, auf Englisch „Condoms“.
18.3.09
Quelle: http://www.welt.de/politik/article3398056/Katholischer-Bischof-widerspricht-dem-Papst.html