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Papst betet in Eriwan
für 1,5 Millionen getötete Armenier
Eriwan (Reuters) - Sichtlich bewegt hat Papst Johannes Paul II. am Mittwoch bei einem Gottesdienst nahe Eriwan für rund 1,5 Millionen Armenier gebetet, die Anfang des 20. Jahrhunderts getötet wurden. Bei seiner Predigt an der Gedenkstätte Zizernagaberd auf einem Hügel oberhalb der armenischen Hauptstadt vermied das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche aber den Begriff "Völkermord" zur Beschreibung der Ereignisse vor etwa 80 Jahren. Die Türkei bestreitet den Vorwurf Armeniens, wonach die Armee des Osmanischen Reiches während des Ersten Weltkriegs und in den Folgejahren Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern begangen hat. Aus türkischer Sicht sind die Menschen bei kriegerischen Auseinandersetzungen gestorben. |
"Wir sind entsetzt angesichts der schrecklichen Gewalt, die dem armenischen Volk zugefügt wurde. Wir sind bestürzt, dass die Welt heute noch immer eine solche Unmenschlichkeit kennt", sagte der Papst, nachdem er Blumen an der ewigen Flamme neben der Gedenkstätte für die 1,5 Millionen getöteten Armenier niedergelegt hatte. Um die Flamme stand ein Chor armenischer Priester und sang Trauerlieder. Der Papst hielt seine Predigt in Englisch. Die damaligen Ereignisse beschrieb er jedoch mit dem armenischen Wort "mez jeghern", was übersetzt großes Verbrechen oder großes Übel bedeutet. Armenier benutzen dieses Wort seit mehr als 75 Jahren als Ausdruck für den Völkermord, der an ihren Vorfahren begangen worden sei.
Wenn der Papst das Wort Völkermord im Zusammenhang mit den 1,5 Millionen getöteten Armeniern benutzt hätte, hätte er wohl einen Sturm der Entrüstung bei der türkischen Regierung ausgelöst. Der Streit um diese Frage belastet seit Generationen die Beziehungen der Türkei zu vielen Staaten, die dem NATO-Mitgliedsland und EU-Beitrittskandidaten Völkermord vorwerfen. Armenien fordert dafür eine Entschuldigung seines Nachbarlandes Türkei.
26.9.01
Quelle: Yahoo! Deutschland