Opus Dei auf dem Vormarsch

Das umstrittene Opus Dei (Werk Gottes) gewinnt nach Meinung des Fachautors Peter Hertel in der katholischen Weltkirche zunehmend an Macht. Vor allem im Kardinalskollegium, das den nächsten Papst wählt, sei der Einfluss der theologisch konservativen Priester- und Laienorganisation stark gewachsen, sagte Hertel in Hannover bei der Vorstellung seines neues Buches "Schleichende Übernahme: Josemaría Escrivá, sein Opus Dei und die Macht im Vatikan". Auch wenn nur ein Kardinal der Organisation angehöre, so gäben sich doch 21 der derzeit 124 Papstwähler offen als Freunde des Opus Dei zu erkennen. 30 weitere ließen intern keinen Zweifel an ihrer Vorliebe für das Werk.

Papst Johannes Paul II. will den Gründer des Opus Dei, den spanischen Priester Josemaría Escrivá (1902-1975), am 6. Oktober heilig sprechen. "Das Opus Dei wird weltweit Schlagzeilen machen und mit dieser Veranstaltung dem Vatikan und der Welt vor Augen führen, wer die stärksten Bataillone in der katholischen Kirche und die Macht hat, sie generalstabsmäßig nach Rom zu führen", meinte der in Ronnenberg bei Hannover lebende Theologe und Journalist, der bereits zuvor zwei Bücher über das Opus Dei verfasste. Von den knapp 85.000 Mitgliedern des Werkes in etwa 80 Ländern seien gut 2000 Kleriker, darunter ein Kardinal und 16 Bischöfe.

Escrivá gründete das Opus Dei 1928 in Madrid. Die Mitglieder verfolgen das Ziel einer "Heiligung des Alltags": Sie sollen ihr Leben und ihre Arbeit ganz in den Dienst Gottes stellen, Gesellschaft und Staat "christianisieren". Außerdem gibt es strenge Gehorsams- und Bußregeln für die Mitglieder.

8.6.02

Quelle: http://www.n-tv.de/3010810.html