Pressemeldungen zur Heiligsprechung des Opus Dei Gründer Escirva:
Papst sprach Opus-Dei-Gründer Escrivá heilig
Rom (dpa) - Papst Johannes Paul II. hat am Sonntag in Rom den Gründer der Priester- und Laienorganisation Opus Dei, Josemaría Escrivá de Balaguer, heilig gesprochen. Über 200 000 Menschen waren bei strahlender Sonne auf den Petersplatz gekommen, um die Heiligsprechung des 1975 gestorbenen spanischen Priesters zu erleben. Unter den Gläubigen waren mehrere Mitglieder der italienischen Regierungen sowie Minister aus Spanien.
Das Opus Dei (Werk Gottes) gilt als strikt konservative und autoritär geführte Organisation, die zu den einflussreichsten Gruppierungen in der katholischen Kirche zählt. Ihr gehören weltweit etwa 85 000 Mitglieder an, die meisten sind Spanier und Lateinamerikaner.
Kritiker werfen dem Opus Dei vor, es stelle sich jeder Modernisierung und Öffnung der Kirche entgegen. Sie monieren zudem die ungewöhnlich schnelle Heiligsprechung. «Er hat sich fügsam vom Heiligen Geist leiten lassen», sagte der Papst zum Wirken des Priesters Escrivá. Seine Lehre des streng christlichen Lebens in allen gesellschaftlichen Bereichen sei noch heute aktuell. Mit der Heiligsprechung kann Escrivá von Gläubigen in der ganze Welt verehrt werden.
Quelle: http://de.news.yahoo.com/021006/3/2ztm2.html
Sonntag 6. Oktober 2002, 13:26 Uhr
Von: "Wir sind Kirche (Presse-Info)" presse@wir-sind-kirche.de
Datum: Mittwoch, 2. Oktober 2002 09:07
Wir sind Kirche: Die Heiligsprechung des "Opus Dei"- Gründers spaltet die Weltkirche
Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche ist befremdet und empört über die für den 6. Oktober 2002 vorgesehene Heiligsprechung des Gründers des "Opus Dei" ("Werk Gottes"), des bereits "seligen" Josemaría Julián Mariano Escrivá de Balaguer y Albás. "Damit soll ein Mann heilig gesprochen werden, dessen Lebenswandel und Wirken nicht nur innerhalb der katholischen Kirche äußerst umstritten sind", erklärt die Theologin Dr. Magdalene Bußmann vom Bundesteam der KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche. Sein Name stehe für "blinden Gehorsam" und "heiligen Zwang", der die Strukturen des von ihm gegründeten sektenhaften
Geheimordens prägt, den zudem Frauen und Sexualfeindlichkeit auszeichnen.
Leben und Wirken dieses Mannes widersprechen genuin christlichen Werten wie Freiheit, Mündigkeit und Gleichberechtigung. Mögen mit der Heiligsprechung lediglich die persönlichen Tugenden dieses Mannes gewürdigt und als vorbildhaft vorgestellt werden, so scheint doch gleichzeitig eine die Kirche polarisierende, bezüglich Mitgliedschaft, Lebensformen und Machtausübung äußerst dubiöse Vereinigung mit der höchsten kirchlichen Ehrung gewürdigt zu werden. Die KirchenVolksBewegung sieht in der Heiligsprechung einen Akt, der wie die umstrittene Seligsprechung Pius IX. theologisch fragwürdig ist und der kirchenpolitisch eine Richtung weist; die den befreienden Impulsen christlicher Botschaft diametral entgegengesetzt ist.
Die umstrittenste Heiligsprechungen in der fast 24-jährigen Amtszeit Johannes Pauls II. verschärft den Konflikt zwischen der am 2. Vatikanischen Konzil orienterten Strömungen und vorkonziliaren restaurativen Strömungen innerhalb der Kirche. Mit 464 Heiligsprechungungen hat der jetzige Papst fast doppelt so viele Kanonisierungen vorgenommen wie alle Vorgänger in den vergangenden 400 Jahren.
Abgesehen davon, dass das Heiligsprechungsverfahren in einer beispiellosen Geschwindigkeit und abweichend von den üblichen Verfahrensregeln durchgegeührt wurde, ist es für viele mündige Christen und Christinnen eine Provokation, wenn der Gründer einer Organisation heilig gesprochen wird, die ein Höchstmaß an Intransparenz auch in ihren finanziellen Verhältnissen praktiziert und in einer erzkonservativen Grundhaltung kirchliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Machtstrukturen beeinflusst und zu durchdringen sucht.
Als Alarmzeichen wertet Wir sind Kirche den stark gestiegenen Einfluss des "Opus Dei" vor allem im Kardinalskollegium, das den nächsten Papst wählt. Von den derzeit 124 Papstwählern geben sich 21 offen als Freunde des "Opus Dei" zu erkennen, weitere 31 gelten als Sympathisanten des "Werkes Gottes", das sich selbst als "Kampftruppe mit straffster Disziplin" bezeichnet und dem Vatikan als "mobiles Corps" zur Verfügung steht.
In Deutschland haben 23 Bischöfe und Weihbischöfe die Heiligsprechung unterstützt, unter ihnen die Kardinäle Meisner (Köln), Wetter (München), Scheffczyk, Degenhardt (Paderborn, inzwischen verstorben), Erzbischof Averkamp (Hamburg, inzwischen emeritiert), die Bischöfe Marx (Trier), Mixa (Eichstätt), Müller (Görlitz), Mussinghoff (Aachen), Lettmann (Münster), Reinelt (Dresden), Schlembach (Speyer) sowie Weihbischof Guggenberger (Regensburg).
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Opus Dei - effiziente Elitetruppe, aber keine Mafia
Neben seiner offensichtlichen Leibfeindlichkeit und einem wenig jesuanischen Elitarismus steht Opus Dei vor allem für das finsterste Kapitel römisch-katholitschen Selbstverständnisses, das seit jeher die Wurzel sämtlicher Auseinandersetzungen des Katholizismus mit den Kräften der Moderne verkörpert: Die verweigerte Zustimmung gegenüber einer strikten Trennung von Staat und Kirche.
Die katholische Rechte, aus der Opus Dei 1941 mit seinem jetzigen Statut hervorgehen sollte, trägt eine nicht unerhebliche Mitverantwiortung für den spanischen Bürgerkrieg und dessen Gräuel. Die katholische Rechte übt weiterhin denselben Einfluss im Wirkungsbereich lateinamerikanischer Diktaturen oder Quasidiktaturen aus. Geht man einmal davon aus, dass die die katholische Rechte nicht unter einer Spaltung ihrer kollektiven Persönlichkeit leidet, so darf man annehmen, dass sie dieselben Ziele, könnte sie diese erreichen, auch noch heute in Europa anstreben würde -- bzw. dass sie jene in dem Maß noch immer tatsächlich anstrebt, in welchem sie sie verwirklichen zu können glaubt.
Die Erinnerung an die Unterstützung der katholischen Rechten Kroatiens für den General Franjo Tudjman und seine (großkroatische) Partei HDZ liegt erst wenige Jahre zurück.
Emma Bonnino, langjährige EU-Kommissarin und Abgeordnete im Europäischen Parlament, zum Thema laizistische Verfassung des Staates in Europa: "Der alte Kampf gegen die Feinde der Aufklärung steht neu auf der Tagesordnung. Es ist der Kampf gegen die im politischen Raum machthungrige Religion"
(Publik-Forum Nr. 6/2002). Mit anderen Worten: tutto da capo?
Matthias Fischer
-----Original Message-----
From: Thomas Wystrach [mailto:thomas@wystrach.de]
Sent: Saturday, October 05, 2002 11:54 AM
To: ikvu@domeus.de
Subject: [IKvu] SZ: Opus Dei - effiziente Elitetruppe, aber keine Mafia
Nur kostbare Steine werden geschliffen
Effiziente Elitetruppe, aber keine Mafia:
Am Sonntag wird Josemaría Escrivá, der Gründer des Opus Dei, heilig gesprochen
Der Tempelspruch aus Delphi, er gilt auch hier: Erkenne, spricht der Aphoristiker, wer du bist, du kleiner, erbärmlicher Mensch, du Sandsack und Abfalleimer, du "schmutziger, herabgefallener Staub", dir selbst im Wege, dein größter Feind. Großes liegt in dir, doch du musst an dir arbeiten, darfst nicht "flattern wie eine Henne, wenn du wie ein Adler aufsteigen kannst". Das Leben, rät der Aphoristiker, bedarf der Ordnung, die aus Gott kommt, und der Reinheit, die eine Frucht des Schmerzes ist: "Beklage dich nicht, wenn du leidest. Nur kostbare Steine werden geschliffen."
An ihren Schmerzen, die sie tapfer erleiden und klug verbergen, sollt ihr sie erkennen - diese Maxime steht über den drei Bänden mit Aphorismen, die Josemaría Escrivá in den dreißiger Jahren verfasste. 1917 hatte er als 15- Jähriger, so sagt man, im Schnee die Spuren eines barfüßigen Mönchs entdeckt. Das Beispiel einer Treue zu Gott, die Schmerzen auf sich nimmt, beeindruckte den Jungen, er wurde Priester und gründete 1928 in Madrid Opus Dei, das "Werk Gottes". Die drei Spruchsammlungen "Der Weg", "Die Spur des Sämanns", "Im Feuer der Schmiede" bilden die theologische Grundlage der innerkirchlichen Organisation, die mit dem Ziel angetreten ist, den Alltag der Laien zu heiligen.
Dass die dreimal tausend "Betrachtungspunkte" sich militärischer Rhetorik bedienen, dass Escrivá die "Soldaten Christi" zum "Feldzug für Männlichkeit und Reinheit" aufruft, dürfte auch der Entstehungszeit geschuldet sein. Von 1933 an gab es immer wieder schwere Unruhen, die 1936 in den Spanischen Bürgerkrieg mündeten. Im Vorwort zur Erstausgabe des "Wegs" heißt es 1939, Spanien könne durch "christusförmige Menschen die alte Größe seiner Heiligen, Weisen und Helden wiedererlangen".
Die Stärke der Schriften Escrivás ist die persönliche Anrede. "Und du? Was tust du?", schallt es dem Leser entgegen. Die Belehrungen wollen daran erinnern, dass Christus von denen, die an ihn glauben, den Einsatz des ganzen Lebens verlangt. Auch heute findet diese radikale Botschaft Anhänger. Deren 31 sind in einem Sammelband zum 100. Geburtstag des Gründers unter dem Titel "Profile einer Gründergestalt" versammelt. Die Gratulantenschar eint ihr skeptisches Verhältnis zur Ökumene und eine eschatologisch gefärbte Zivilisationskritik.
Der Wiener Schauspieler Michael König verdankt der "klaren, begeisternden Ansprache" Escrivás die Rückkehr in die katholische Kirche und die Abkehr vom "marxistischen Materialismus". An Bischöfen aus dem deutschsprachigen Raum machten die Kölner, Münsteraner, Feldkircher und Basler Würdenträger sowie der emeritierte Bamberger Erzbischof Karl Braun, Kardinal Leo Scheffczyk und der verstorbene Paderborner Kardinal Degenhardt dem Jubilar ihre Aufwartung. Sie alle rühmen wie Degenhardt Escrivás "Vorwegnahme" des Zweiten Vatikanischen Konzils, das durch die Betonung der Laienspiritualität und die Wiederentdeckung des Taufpriestertums "die Lehre von Escrivá bestätigt" habe. Opus Dei gebe, so Kardinal Meisner, den Christen Hinweise zur Hand, "wie der Weg zur Heiligkeit konkret beschritten werden kann".
Den Elogen zum Trotz sieht Opus Dei sich zahlreichen Vorwürfen ausgesetzt. Ein autoritärer Geheimbund sei es, der mit unlauteren Mitteln die katholische Kirche zum Hort der Orthodoxie machen wolle. Escrivá selbst hat Befehl und Gehorsam als die Ordnungsprinzipien des "Werks" dargestellt, so dass der strukturelle Einwand zutrifft: "Nur wenn du über einen starken Willen verfügst, wirst du ihn aufgeben können, um zu gehorchen." Bei dem zweiten Kritikpunkt, den reaktionären Zwecken und den dubiosen Mitteln, sieht der Sozialwissenschaftler Wolfgang Ockenfels eine Medienkampagne. Opus Dei werde stellvertretend angegriffen "für die gesamte Kirche, als hervorragende Projektionsfläche für antikirchliche Vorurteile".
Gar so leicht fällt es nicht, den neu erschienenen "Erfahrungsbericht" Michael Lehners beiseite zu wischen. Der Student, der vom 16. bis zum 24. Lebensjahr dem "Werk" angehörte, hält seiner Kirche die Treue. Lehner trug ohne Murren zwei Stunden täglich ein dorniges Bußband am Oberschenkel, schlief einmal pro Woche auf dem Fußboden, ließ sich vom geistigen Leiter "brüderlich zurechtweisen", mied Tänze und Vollbäder und gab Opus Dei die Vollmacht über seine Konten. Aus Lust am Intellektuellen trat er dem "Werk" bei. Er verließ es, weil die Eingriffe in sein Leben zu rigide wurden. Lehners Fazit: Opus Dei sei "eine dem Heiligen Stuhl unerschütterlich ergebene, straff geführte, hocheffiziente Elitetruppe, keineswegs eine Mafia, ein Konzern oder gar eine Sekte".
Anderer Meinung ist der Journalist Peter Hertel, der sein viertes Buch über Opus Dei vorgelegt hat. Auf der Basis interner Richtlinien zeichnet Hertel das Bild einer "auf eitel weltliche Reichtümer" bedachten Organisation, die eine "wachsende Gefahr für ein ungekrümmtes Christsein" darstelle. Das "heikle Beziehungsgeflecht aus Ethik und Kapital" diene der Wiederherstellung einer vorkonziliaren Kirche im Stile Pius' X. Die Dokumente belegen undurchschaubare Transaktionen, ausgespart bleibt die Verwendung der Gelder. Hertel schreibt von "Projekten" für "Straßenkinder", unterlässt aber eine Deutung der von ihm bezweifelten Zwecke.
Beunruhigend ist ein Zitat aus einer Richtlinie von 1990. Demnach gilt für Opus Dei eine gestufte Nächstenliebe. Zuerst seien die Mitglieder des "Werks ", dann die Familienangehörigen, dann die Katholiken und schließlich "alle Seelen" zu lieben. Ein solche Auffassung widerspricht dem Christentum. Ob auch die brutale Bußpraxis zu den von Bischof Klaus Küng gepriesenen, "in der Tradition der Kirche bewährten Mitteln" zählt, ist sehr fraglich. Andererseits sollte einer Organisation, die 17 von 4000 Bischöfen stellt und die in Deutschland 1000 Mitglieder hat, nicht zu viel Bedeutung beigemessen werden. Opus Dei wird die Kirche nicht "schleichend übernehmen", deren geheimnisvollstes Kind aber bleiben. (ALEXANDER KISSLER)
Aus: Süddeutsche Zeitung, 5.10.2002
Quelle:
http://www.sueddeutsche.de/aktuell/sz/getArticleSZ.php?artikel=artikel295.php
Bedingungslos gehorsam
Papst Johannes Paul 11. spricht Opus-Dei-Gründer heilig
Von Roman Arens (Rom)
Zu Tausenden dürften die Anhänger von Opus Dei am Sonntag auf den Petersplatz in Rom strömen. Denn dann spricht Papst Johannes Paul II. den Gründer des katholischen Fundamentalisten-Bundes Josemaria Julian Mariano Eserivä de Balaguer y Albäs heilig. Schon an der eiligen Seligsprechung Eseriväs vor zehn Jahren hatten zahlreiche Gläubige großen Anteil genommen. Viele verstörte und verbitterte Katholiken aber wollten von der Erhebung eines reaktionären Flügelmanns zur Ehre der Altäre nichts wissen.
Kirchliche Reformbewegungen finden die Heiligsprechung des Gründers dieses Geheimordens einen Skandal und eine Provokation. Sie halten dies für völlig unvereinbar mit den politisch-progressiven Positionen des Papstes, der Antikapitalist und Pazifist für sozialen Ausgleich in aller Welt eintritt. Doch Johannes Paul II. ist schon seit seiner Zeit als Oberhirte im polnischen Krakau ein großer Anhänger der Religiosität und Spiritualität, mit der das Opus Dei (,Werk Gottes') den privaten und gesellschaftlichen Alltag voll durchdringen möchte.
Heiligkeit habe "tausend Gestalten"; sie könne an jeder Stelle und in jedem Beruf verwirklicht werden. "Sie besteht darin, das gewöhnliche Leben auf Gott hin zu leben und es mit dem Geist des Glaubens zu durchformen", so hat Glaubenspräfekt Joseph Ratzinger das Leitmotiv des 1975 gestorbenen Spaniers Eseriväs interpretiert, der sein Opus Dei 1928 ins Leben gerufen hatte. Damals sei Spanien aufgewühlt (gewesen) vom Hass gegen die Kirche, gegen Christus, gegen Gott, befand Kardinal Ratzinger.
Wie viele Sympathisanten über Ratzinger hinaus Opus Dei in der römischen Kurie noch hat, darüber kann nur spekuliert werden. Denn der Orden lebt seit je mit großer Geheimniskrämerei. Seine geistlichen und weltlichen Angehörigen wirken mit strenger Disziplin und blindem Gehorsam zumeist im Verborgenen. Allerdings wächst in letzter Zeit die Zahl derer, die sich öffentlich als "Soldaten", so Eserivä über seine Mitstreiter gegen Atheismus, Marxismus und "Verdrängung des Glaubens aus dem öffentlichen Leben" öffentlich bekennen.
Der bedingungslose Gehorsam gegen- über dem Willen Gottes, so wie ihn die Kirche darstellt, das Hinnehmen eines strengen Index, der den Mitgliedern die Lektüre zahlloser Bücher untersagt, selbstquälerische Bußübungen und Selbstgeißelungen kennzeichnen Opus Dei von innen. Wer sich aus seinen autoritären Strukturen befreit hat, spricht oft voller Zorn von faschistischen und sektenhaften Zügen.
Opus Dei hat inzwischen mehr als 80 000 Mitglieder in aller Welt, Laien und geweihte Priester, mehr als ein Viertel davon in Spanien, wo es auch nach Ende des Franco-Regimes in Politik und Gesellschaft noch eine starke Rolle spielt; in Deutschland gehören etwa sechshundert bis tausend Mitglieder an 15 Orten dazu. Die Heiligsprechung Escrivas haben 23 deutsche Bischöfe und Weihbischöfe, unter ihnen die Kardinäle Joachim Meisner aus Köln und Friedrich Wetter aus München, befürwortet.
Seit nunmehr 20 Jahren ist das Opus Dei eine Personalprälatur, so etwas wie eine Diözese ohne Territorium, mit einem zentralen Sitz in Rom. Die 1760 Priester unterstehen nicht Ortsbischöfen, sondern direkt dem Prälaten im feinen römischen Stadtteil Parioli. Die Mitglieder der Sekte, die ein bürgerliches Zivilleben auch als Verheiratete und mit Familien führen, kommen vor allem aus gehobenen akademischen Berufen. Banker, Politiker, Industrielle oder Anwälte schließen sich gern dem Orden an und können sich mit diesen Kontakten gegenseitig bei Karriere und Postenvergabe unterstützen.
Papst-Sprecher Joaquin Navarro Valls, der seit Jahrzehnten dem Opus Dei angehört, ist auch ein gefragter Berater seines Kirchenoberhauptes. Mit dem 58-jährigen Peruaner Juan Luis Cipriani Thorme ist zum ersten Mal ein offen bekennendes Ordensmitglied im Kardinalskollegium und unter den Wählern des künftigen Papstes. Etwa 20 dieser insgesamt 120 Wähler werden feste Opus-Dei-Uberzeugungen nachgesagt und noch weiteren dreißig gewisse Sympathien.
Erzbischof Julian Herranz, argentinisches Mitglied der römischen Kurie und des Ordens, sagt zu dem ständigen Gemunkel über die Opus-Dei-Seilschaft im Vatikan- "Eine solche Lobby existiert nicht." Doch Giaucarlo Zizola, angesehener Experte und Buchautor, will das nicht gelten lassen: "Opus Dei ist die einzige gut genug organisierte Gruppe, die in der Machtstruktur der römischen Kurie arbeitet." Das könne schon etwas für das Stimmverhalten der Kardinäle ausmachen, fügt Zizola noch hinzu.
Eine Rolle spielt auch die relativ starke Präsenz des Geheimordens in Südamerika. In einer künftigen Konklave spielen der Kirchenvertreter aus dieser Region eine stärkere Rolle als zuvor. Dies geht so weit, dass manche Beobachter auf die Wahl eines Papstes von diesem Subkontinent spekulieren - zumindest, wenn sich die Kardinäle nicht auf einen Italiener einigen könnten.
Quelle: Frankfurter Rundschau, 5.10.02, S. 2
Literaturhinweise (bestellen durch Klick auf Hyperlinks):
Michael F. Lehner:
Eine Jugend im Opus Dei. Ein Erfahrungsbericht.
150 Seiten, Wichern-Verlag 2002
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3889811337/wystrach
Peter Hertel: Schleichende Übernahme.
Josemaría Escrivá, sein Opus Dei und die Macht im Vatikan.
158 Seiten, Publik-Forum-Verlag, Oberursel 2002
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3880951195/wystrach
Peter Hertel: Geheimnisse des Opus Dei.
Verschlußsachen, Hintergründe, Strategien.
222 Seiten, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1995
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3451043866/wystrach
Peter Hertel: Glaubenswächter.
Katholische Traditionalisten im deutschsprachigen Raum.
216 Seiten, Echter-Verlag, Würzburg 2000
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3429022797/wystrach