Thesenpapier

 

Anfrage zur Ökumene

Überlegungen zur ökumenischen Zusammenarbeit aus der Sicht von

www.wir-sind-kirche.de/fulda-hanau

 

Ökumene setzt voraus:

-         Interesse aneinander, gegenseitige Wertschätzung und Offenheit,

-         Die Bereitschaft, sich über die Unterschiede in Lehre und Tradition zu informieren, auszutauschen, zuzuhören und zu respektieren. Ziel: sich besser kennen und verstehen lernen.

-         Die Bereitschaft auf gleicher Ebene über Pflichtbesuche hinaus Kontakte zu pflegen, auch informeller Art (Pfarrer mit Pfarrer, Laien mit Laien). Die gleichen Ebnen sollten nicht vernachlässigt werden.

-         Die Bereitschaft auszuloten, welche gemeinsamen Aktivitäten möglich und durchführbar sind, mit Respektierung der Grenzen des jeweils anderen.

-         Ökumene sollte mehr als eine lästige Pflichtübung sein.

-         Ökumene erfordert Zeit.

 

Abendmahl / Eucharistie

Die päpstliche Position zur Eucharistie wurde in der ENZYKLIKA ECCLESIA DE EUCHARISTIA( http://www.vatican.va/holy_father/special_features/encyclicals/documents/hf_jp-ii_enc_20030417_ecclesia_eucharistia_ge.html ) erneut deutlich gemacht. Dem gegenüber stehen die Thesen von 3 Ökumenischen Instituten:

These 1

Nicht die Zulassung getaufter Christen zum gemeinsamen Abendmahl,  sondern deren Verweigerung ist begründungsbedürftig.

These 2

Die gelebte ökumenische Gemeinschaft vor Ort und die fehlende Gemeinschaft im Abendmahl widersprechen sich. Dies schwächt  das den  Kirchen aufgetragene Zeugnis und läßt sie angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen unglaubwürdig  erscheinen.

These 3

In zahlreichen Ausnahmefällen wird einzelnen schon heute Abendmahlsgemeinschaft gestattet.

These 4

Die Taufe ist das Tor zur Gemeinschaft der Kirche, dem Leib Christi,  der im Abendmahl je neu konstituiert wird.

These 5

Jesus Christus lädt zum Abendmahl ein. Er ist Geber und Gabe. Allein  in seinem Namen und Auftrag spricht die Kirche die Einladung aus.  Dies kann nicht unterschiedslos geschehen, sondern muss dem Willen  Jesu Christi entsprechen.

These 6

Abendmahlsgemeinschaft reicht weiter als Kirchengemeinschaft.

These 7

Kirche lebt als Gemeinschaft in der Verkündigung, im Gottesdienst und  im Dienst an der Welt. Kirchengemeinschaft setzt diese Vollzüge und  ein gemeinsames Grundverständnis, nicht aber eine bestimmte geschichtliche Ausgestaltung voraus.

These 7.1 Gemeinsamkeit im Glauben:

Unterschiedliche Vorstellungen von der kirchlichen Bezeugung und der verbindlichen Auslegung des  gemeinsamen  Glaubens an Jesus Christus als Heil der Welt müssen nicht kirchentrennend sein.

These 7.2 Gemeinsamkeit im Abendmahlsverständnis:

Ökumenische Dialoge haben zu  einer weitreichenden Übereinstimmung in den traditionell kontroversen  Themen im Verständnis des Abendmahls geführt. Deshalb hindern weiter bestehende Unterschiede eine gemeinsame Feier des Abendmahles nicht.

These 7.3 Gemeinsamkeit im Amtsverständnis:

Trotz weiter bestehender Gegensätze  in der Amtsfrage ist heute eine Annäherung im Grundsätzlichen  erreicht, die eucharistische Gastfreundschaft ermöglicht.

(...)

Ökumenisches Gebot der Stunde ist eine gemeinsame Umkehr und Besinnung, die es Menschen möglich macht, die Eucharistie als  Zeichen  der Gemeinschaft und Quelle des persönlichen spirituellen Lebens zu  erfahren. Wir halten es theologisch jetzt für möglich und pastoral  für geboten, eucharistische Gastfreundschaft zu praktizieren und  dadurch auf dem Weg zur vollen Kirchengemeinschaft konsequent und mutig voranzuschreiten.

 

Die Publikation «Abendmahlsgemeinschaft ist möglich - Thesen  zur eucharistischen Gastfreundschaft» erscheint vor Ostern im Verlag  Otto Lembeck (Frankfurt am Main) und hat 85 Seiten.

Kurzinformation von "Wir sind Kirche"  vom 8.04.2003

http://www.wir-sind-kirche.de/wsk/presse/p2003/i_pre_0311.htm

 

Es ist Praxis, dass Christen, insbesondere konfessionsverschiedene Paare und Familien, sowohl zum Abendmahl als auch zur Kommunion gehen. Sicher gilt auch: Eine gemeinsame Abendmahl- / und Eucharistiefeier sollte aber mehr sein als eine „Demonstration“ oder ein „Geschäftsessen“.

 

Was ist realisierbar, was wünschenswert?

Wir halten es für wichtig und ehrlich, in der Ökumene sich selbst und andern nichts vorzumachen bzw. sich Selbsttäuschungen hinzugeben.

Daraus ergeben sich folgende Fragen:

·        Wer versteht was unter Ökumene:

-         Z.B. - Ökumene als unverbindliches Nebeneinander?

-         Z.B. - Ökumene als ein wie auch immer gearteter Kirchenverbund unter römischer Führung?

·        Wie sieht die praktizierte Ökumene vor Ort mit den jeweiligen Partnergemeinden aus?

·        Was möchte wer an der bisherigen Praxis ändern? D.h. - Was an Ökumene (Inhalt und Umfang) wollen die jeweiligen Pfarrer und die in den Gemeinden aktiven Christen?

·        Was für Vor- bzw. Nachteile in der Ökumene bietet z.B. ein freundliches aber unverbindliches Nebeneinander der Pfarrer und Gemeinden?

·        Was würde Verbindlichkeit in der Ökumene bedeuten?

·        Weshalb wird vom wem ein gemeinsames Abendmahl / Eucharistie angestrebt?

·        Wer steht warum diesem Ziel eher skeptisch gegenüber?

·        Welchen Stellenwert haben Abendmahl / Eucharistie in den jeweiligen Konfessionen?

·        Welche Auswirkung auf die jeweilige Kirchenstruktur müßte / sollte eine gemeinsame Abendmahl / Eucharistiefeier haben? – Denn wenn Gemeinschaft in diesem Punkt praktiziert wird, kann in beiden Kirchen bei den Strukturen nicht alles beim alten bleiben (Stichwort: Unverbindlichkeit).

·        Welche Auswirkung hat die vor allem von Pfarrern und kirchlichen Mitarbeitern geforderte Loyalität gegenüber der jeweils eigenen Konfession auf die Ökumene?

·        Welche Glaubenswahrheiten können/dürfen nach Auffassung der einzelnen Konfessionen nicht „aufgeweicht“ werden?

·        Wie soll mit unterschiedlichen bzw. gegensätzlichen Glaubenswahrheiten umgegangen werden?

 

Auf dem Hintergrund der erlebten Realität:

·        Ist es nicht ehrlicher statt von Ökumene von punktueller Zusammenarbeit zu reden?

 

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