Ökumene:
"Tun, was uns eint - uns verbindet mehr als uns trennt"
Das Bistum Mainz gibt Anregungen für das ökumenische Miteinander vor Ort
Mainz. Das Bistum Mainz will die Gemeinden und Verbände zu einem stärkeren
ökumenischen Miteinander ermutigen. Deshalb hat der Diözesan-Pastoralrat
unter dem Vorsitz von Kardinal Karl Lehmann ein Papier verabschiedet, das
der Bischof jetzt in Kraft gesetzt hat. Es trägt den Titel "Tun, was uns
eint. Schritte im ökumenischen Miteinander". Mit dem Text greift der
Pastoralrat die Verpflichtungen auf, welche die Kirchen in Europa in der
"Charta Oecumenica" im Jahr 2001 eingegangen sind und die sich die
Kirchen
in Deutschland auf dem Ökumenischen Kirchentag im Juni 2003 in Berlin zu
Eigen gemacht haben.
Zur Zielsetzung des Textes heißt es in der Einleitung: "Mit unserer
Zusammenstellung von Verpflichtungen der Ökumenischen Charta und Beispielen
aus der ökumenischen Praxis wollen wir den Gemeinden, Gruppierungen und
Verbänden, den Hauptamtlichen wie den Ökumenebeauftragten und Ökumenekreisen
einen neuen Anstoß zu mehr ökumenischer Gemeinsamkeit geben." Die Vielzahl
der unterschiedlichen Aktivitäten biete die Chance, das aufzugreifen, was
jeweils vor Ort ökumenisch realisiert werden kann. "Wir hoffen dabei, dass
die Ökumene nicht bloß als die Aufgabe einiger weniger angesehen, sondern
von der ganzen Gemeinde wahrgenommen wird."
Auf Anregung des Sachausschusses "Ökumene" der Diözesanversammlung im
Bistum
Mainz hat der Pastoralrat in dem Papier die zwölf von den Kirchen in der
Charta eingegangenen Selbstverpflichtungen aufgegriffen und Beispiele
zusammengestellt, wie diese in die ökumenische Praxis vor Ort umgesetzt
werden können. Die dargestellte Vielgestaltigkeit ökumenischer Praxis soll
deutlich machen, dass die Fixierung auf die Abendmahlsfrage die Ökumene eher
hindert als fördert. "Denn wer nur auf die Gemeinschaft im Herrenmahl
blickt, kann nicht genügend ermessen, wie viel fruchtbare Zusammenarbeit
gerade in der Konsequenz der kleinen Schritte liegt. Wer sie verachtet, tut
der Ökumene keinen Dienst." Mit dieser Feststellung greift das Papier ein
Wort von Kardinal Lehmann auf.
Der Pastoralrat erinnert daran, dass vom Ökumenischen Kirchentag in Berlin
viele neue Impulse für das ökumenische Miteinander ausgegangen sind. "Auch
wenn es die schmerzliche Trennung bei der Feier der Eucharistie, des
Abendmahles, weiterhin gibt, so hat dieses große Glaubensfest von Christen
aller Konfessionen der ökumenischen Bewegung neuen Lebensatem
eingehaucht."
Die Erfahrung von Gemeinsamkeit im Beten, Singen, Gottesdienstfeiern,
Bibellesen, meditativen Betrachten und Verweilen sowie im Ringen um
gesellschaftliche und kirchliche Probleme war so stark, dass die
Teilnehmenden erfahren haben, was es heißt: "Die Trennung geht nicht in
die
Wurzel - uns verbindet mehr als uns trennt."
Besonders wichtig ist dem Pastoralrat die vierte Verpflichtung "Gemeinsam
handeln", die lautet: "Wir verpflichten uns, auf allen Ebenen des
kirchlichen Lebens gemeinsam zu handeln, wo die Voraussetzungen dafür
gegeben sind und nicht Gründe des Glaubens oder der größeren Zweckmäßigkeit
dem entgegenstehen; die Rechte der Minderheiten zu verteidigen und zu
helfen, Missverständnisse und Vorurteile zwischen Mehrheits- und
Minderheitskirchen in unseren Ländern abzubauen."
Als praktische Beispiele hierzu führt der Text unter anderem gemeinsame
Pfarr- bzw. Gemeindebriefe und Begrüßungsschreiben für neu Zugezogene an. Zu
dieser gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit gehören dem Pastoralrat zufolge
auch Schilder am Ortseingang, gemeinsame Schaukästen und Prospekte, ein
gemeinsamer Internetauftritt oder die gemeinsame Vorstellung kirchlicher
Einrichtungen in Fußgängerzonen oder bei größeren Veranstaltungen, z.B. die
konfessionellen Kindertagesstätten. Neben der Öffentlichkeitsarbeit verweist
das Papier auf viele Gemeinsamkeiten in der Seelsorge, z.B. in der
City-Seelsorge, in der Telefonseelsorge, der Notfallseelsorge und der
Krankenhausseelsorge. Es verweist auf die Seelsorge an
konfessionsverschiedenen bzw. konfessionsverbindenden Ehen und Familien,
Jugendarbeit und Besuchsdienste, vor allem bei den neu Zugezogenen.
Auch für die Bibelarbeit und die Erwachsenenbildung führt das Papier eine
ganze Reihe von konkreten Beispielen mit namentlicher Nennung von Gemeinden
bzw. Orten auf, in denen solche Aktivitäten bereits praktiziert werden. Zur
Vielfalt der ökumenischen Gemeinsamkeiten gehören nicht zuletzt caritative
Dienste z.B. in den Sozialstationen, in der Hospizarbeit-, der
Seniorenarbeit und der Obdachlosenhilfe. Nicht vergessen werden
kommunalpolitische Aktivitäten, z.B. im Einsatz für die lokale Agenda. Die
Gemeinsamkeiten können auch organisatorisch und strukturell verbessert
werden. Dazu gehören u.a. gemeinsame Sitzungen von Pfarrgemeinderat und
Kirchenvorstand, ökumenische Pfarr- und Seelsorgekonferenzen, Arbeitskreise
und Ausschüsse, vor allem die Gründung regionaler und lokaler
Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen, die es im Bistum Mainz bereits
in Alzey/Gau-Bickelheim, Bensheim, Bingen, Darmstadt, Dreieich,
Gießen-Wetzlar, Groß-Gerau, Mainz und Rödermark gibt.
Ebenso vielgestaltig sind die Beispiele ökumenischer Gottesdienste. Nicht so
zahlreich, aber ebenfalls überzeugend sind die Praxisbeispiele für die
Selbstverpflichtungen "Europa mitgestalten", "Völker und
Kulturen versöhnen"
und "Die Schöpfung bewahren". Nicht vergessen sind die Begegnungen
mit
anderen Religionen und Weltanschauungen, vor allem die Vertiefung der
Gemeinschaft mit dem Judentum und die Pflege der Beziehungen zum Islam.
Vorbereitet wurde der Text vom Sachausschuss "Ökumene" der
Diözesanversammlung. Der Sachausschuss hat in der Sitzungsperiode 2000-2004
sowohl den Zweiten Ökumenetag im Bistum Mainz im November 2001 zum Thema
"Auf Wegen gemeinsamen Glaubens: Die Konfessionsverschiedene Ehe - ein
Zeichen ökumenischer Hoffnung?" wie auch die Katholikenratsversammlung im
November 2002 zum Ökumenischen Kirchentag in Berlin vorbereitet. Bei beiden
Veranstaltungen sei von guten Erfahrungen berichtet worden, die in Gemeinden
und Verbänden des Bistums Mainz in der Ökumene gemacht werden. Es sei aber
auch deutlich geworden, dass es eine große "Ungleichzeitigkeit" in
der
ökumenischen Praxis vor Ort gibt. In manchen Orten geschehe sehr viel. Mit
einer großen Selbstverständlichkeit werde dort Ökumene praktiziert. Aber er
gebe auch Orte, in denen kaum ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert wird.
Der Vorsitzende des Sachausschusses, Dipl.-Theologe Godehard Lehwark, Leiter
des Katholischen Bildungszentrums Darmstadt, erklärte dazu zusammenfassend:
"Wir hatten einen ganzen Katalog mit konkreten Vorschlägen für das
Zusammenwirken von Gemeinden und Christen aus den verschiedenen Kirchen und
Konfessionen zusammengetragen." Es sei nicht darum gegangen, spektakuläre
neue Ideen zu präsentieren, sondern deutlich zu machen, "was wir alles in
der Ökumene tun können". Das sei oft viel mehr als häufig angenommen.
Dieses
gemeinsame Tun sei nicht auf irgendein Vorfeld kirchlicher Tätigkeiten zu
beschränken, sondern es erstrecke sich, wie Papst Johannes Paul II. in
seiner Ökumene-Enzyklika betont habe, "auf die verschiedenen Ebenen:
pastoral, kulturell, sozial und auch im Zeugnis für die Botschaft des
Evangeliums".
Im Anhang enhält das Heft eine Reihe von Anschriften ökumenischer
Einrichtungen, Hinweise auf Verlautbarungen und Erklärungen zur Ökumene z.B.
der Europäischen Ökumenischen Versammlung von Graz (1997) sowie eine Fülle
praxisorientierter Literaturhinweise.
Hinweis: Tun, was uns eint. Schritte im ökumenischen Miteinander.
Herausgegeben vom Diözesan-Pastoralrat im Bistum Mainz, Mainz 2004, 20
Seiten, zu beziehen in der Druckversion (ab Frühjahr 2004) über die
Bischöfliche Kanzlei, (Tel.: 06131 / 253114), in der E-Mail-Version über
dioezesaneraete@bistum-mainz.de
Sk (MBN)
Aus: Mainzer Bistumsnachrichten Nr. 4, 28. Januar 2004
Quelle: http://www.kath.de/bistum/mainz/mbn/2004/mz040128.htm#b1
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