VON
CLAUDIA MÖLLERS München - Noch gehen vier Jahre ins Land, bevor der zweite
Ökumenische Kirchentag am 12. Mai 2010 in München eröffnet werden kann. Aber
sicher ist: Ein gemeinsames Abendmahl von katholischen und evangelischen
Christen wird es auf diesem Großereignis, das bis zum 16. Mai dauert, nicht
geben.
Am Freitag
wurde der offizielle Auftakt zum Kirchentreffen gesetzt: Der Münchner
Erzbischof Friedrich Wetter und der evangelische bayerische Landesbischof
Johannes Friedrich sprachen in München die offizielle Einladung aus. Sieben
Jahre nach dem ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin, zu dem 200 000
Christen gekommen waren, findet das konfessionsübergreifende Treffen an der
Isar seine Fortsetzung. Die Veranstalter erwarten 100 000 Besucher.
Wetter wie Friedrich machten
deutlich, dass der Kirchentag nicht benutzt werden solle, um Streit zu
provozieren. Ohne direkt auf den Dissens "gemeinsames Abendmahl"
einzugehen, warnte Wetter: "Es ist sicher nicht sinnvoll und der Ökumene
nicht förderlich, theologische Problemfelder zu thematisieren. Ein solches
Treffen könnte kaum zur Lösung solcher Fragen beitragen." Er plädierte
dafür, die gemeinsamen christlichen Aufgaben im gesellschaftlichen Bereich
herauszustellen.
Der evangelische Landesbischof
Friedrich wurde deutlicher: An den Kirchentag 2010 dürfe nicht die Erwartung
geknüpft werden, "es könne dort oder bis dorthin zu einer gemeinsamen
Abendmahlsfeier kommen". Hier sei er sich mit Wetter völlig einig.
Friedrich betonte zudem, der Berliner Kirchentag 2003 sei durch ökumenische
Abendmahlsfeiern außerhalb des offiziellen Programms im Nachhinein "stark
verdunkelt worden". Der Ökumene sei dadurch nicht geholfen worden:
"Zur Ökumene gehört eben auch der Respekt vor dem Anderssein des
Anderen".
Ob es auch in München zu Aktionen
kommt, die dem katholischen Kirchenrecht widersprechen, steht noch dahin.
Christian Weisner von der Kirchenvolksbewegung, die die umstrittenen
ökumenischen Feiern in Berlin mitorganisiert hatte, fordert Fortschritte bei
der Eucharistischen Gastfreundschaft: "Eine Ausnahmegenehmigung für das
Großereignis wäre theologisch möglich."
Doch auch die beiden Veranstalter, der Deutsche Evangelische Kirchentag (DEKT) und das Zentralkomitee der der deutschen Katholiken (ZdK), sind gegen Provokationen. "Wir wollen keine größere Spaltung, sondern größere Gemeinsamkeiten", sagte ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer. Man werde nichts zudecken, aber ein Kirchentag sei auch kein Ort des Streits.
14.3.06
Oberbayrisches Volksblatt