Ökumene-Streit in Regensburg: Predigtverbot für Altkatholiken
Widerspruch im Ökumene-Streit. Welche Rolle spielt Domkapitular Hopfner?
REGENSBURG (Harald Raab, MZ). Der Streit um die untersagten ökumenischen Gottesdienste in römisch-katholischen Kirchen Regensburgs und Passaus zieht weitere Kreise. Nach einer Stellungnahme des Regensburger Ordinariats habe der Ökumenekreis die Grenze des Zumutbaren überschritten. Verwunderung bei den Altkatholiken und dem evangelischen Stadt-Dekan: Der Ökumenebeauftragte des Bistums sei bei dem Beschluss, den altkatholischen Pfarrer Ralf Staymann predigen zu lassen, doch selbst dabei gewesen.
Dr. Max Hopfner, der Ökumenebeauftragte des Bistums Regensburg, nimmt zu dem Vorfall erneut Stellung: «Die Absicht, einen altkatholischen Geistlichen, der aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten ist, bei einem besonders hervorgehobenen ökumenischen Ereignis in der Dompfarrkirche predigen zu lassen, ist eine die Ökumene belastende Grenzüberschreitung. Nicht das Bistum Regensburg und Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller, der ausdrücklich zu der Entscheidung steht und sie von der Sache her für geboten hält, haben so der Ökumene geschadet, sondern der Versuch, über Grenzen hinauszugehen, die bisher im ökumenischen Miteinander üblich waren. Auf die Einhaltung solcher Grenzen zu achten, sieht Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller bei aller Offenheit für die Ökumene auch als eine seiner Aufgaben als Bischof an.»
Der altkatholische Pfarrer Ralf Staymann (40) versteht die Haltung Hopfners nicht: «Herr Hopfner war doch selbst in dem Kreis gesessen, in dem beschlossen worden ist, dass ich die Predigt halten sollte. Er hat keinerlei Einwände vorgebracht. Ich habe mich auch nicht vorgedrängt. Da ich sagte, dass ich auch in Passau aufgefordert worden sei zu predigen, hat man mich gebeten, dies auch in Regensburg zu tun. Hätte Hopfner nur Bedenken geäußert, dann hätte man doch darüber reden können. Wir wollen doch keinen Eklat.» Die dann anders lautende Entscheidung des Ordinariats müsse wohl vom Bischof selbst getroffen worden sein.
Der Evangelische Stadt-Dekan, Gottfried Schönauer, bestätigt diese Darstellung. Er sei es gewesen, der Staymann als Prediger vorgeschlagen habe. Schönauer: «Die katholische Seite wusste es. Die jetzige Stellungnahme wundert mich schon. Sie ist der Versuch einer Erklärung. Der Grund liegt wohl anderswo.»
Quelle: Thomas Wystrach thomas@wystrach.de
17.1.03
Großes Entsetzen
Die Mittelbayerische Zeitung (MZ) hakte beim evangelischen Dekan Gottfried Schoenauer nach.
MZ: Haben Sie kein Problem mit einem Altkatholiken auf der Kanzel?
Nein. Ich denke, wir Christen leben zusammen in einer Stadt, deshalb sollten wir voneinander wissen und uns stützen, egal ob Katholiken, Altkatholiken, Mennoniten, Baptisten... Beim Vorgespräch zum Gottesdienst sagte Staymann, er spreche in Passau bei einer ähnlichen Feier. Da schlug ich spontan vor, er könne ja auch in Regensburg predigen. Alle stimmten zu.
MZ: Auch Domkapitular Dr. Max Hopfner, zuständig für Fragen der Ökumene im Ordinariat?
Damals äußerte er keine Einwände. Und dann der Anruf mit der Absage. Da war großes Entsetzen.
MZ: Sie sind eingesprungen und öffnen die Neupfarrkirche.
Wir wollten nicht, dass die Feier ausfällt, dass das zarte Pflänzchen des Miteinanders tot getreten wird.
MZ: Außenstehende verstehen das Predigtverbot für Staymann nicht.
Wissen Sie, das Problem ist, altkatholische Pfarrer sind oft Priester, die sich von ihrer Kirche getrennt haben, die heiraten. Darum geht's.
MZ: Bedeutet der Eklat einen Rückschlag für die Ökumene?
Kleinere Kirchen werden sich sorgen. Wir Protestanten versuchen, sie als gleichberechtigt wahrzunehmen. Aber bei den Katholiken laufen die Dinge anders. Hier ist der Bischof in der Diözese letztverantwortlich. Da wird eben deutlich, dass unsere zwei Kirchen doch verschiedene Strukturen haben.
Interview: Marianne Sperb
Aus: Mittelbayerische Zeitung, 17.1.2003
Quelle: http://www.donau.de/news/