Ökumene:
Eklat um geplatztes Abkommen zwischen Vatikan und Georgien
Rom (AP) Nach einem
geplatzten Abkommen über die Rechte der römisch-katholischen Minderheit in
Georgien stehen die Beziehungen der ehemaligen Sowjetrepublik und der orthodoxen
Kirche zum Vatikan vor einer schweren Belastungsprobe. Der Heilige Stuhl
protestierte am Wochenende in scharfer Form gegen die Weigerung der georgischen
Regierung, die Vereinbarung über die Sicherung religiöser Freiheiten für die
Katholiken zu unterzeichnen. Ein Vertreter des Vatikans sprach von einem
«ernsten» Vorfall.
Die Regierung in Tiflis
ließ die Unterzeichnung in letzter Minute platzen, nachdem es am Freitag zu
Straßenprotesten orthodoxer Christen gegen die Vereinbarung gekommen war. Der
Außenminister des Vatikans, Erzbischof Jean-Louis Tauran, war am Donnerstag
eigens zur Unterzeichnung des Abkommens nach Georgien gereist und kehrte
unverrichteter Dinge wieder zurück.
Bei seinem Abflug aus
Tiflis erklärte Tauran, er bedauere, dass das Ziel seiner Reise durch den
Sinneswandels der georgischen Regierung in letzter Minute durchkreuzt worden
sei. «Der Heilige Stuhl hofft, dass Georgien, das Mitglied wichtiger
internationaler Menschenrechtskonventionen ist, weiß, wie es diese bedauerliche
Situation wieder in Ordnung bringen kann.» Der Vatikan sei außerdem tief
verletzt von der Haltung der orthodoxen Kirche Georgiens.
Die Entwicklung belaste
auch Johannes Paul II. sehr, sagte Tauran. Bei einem Besuch in Georgien 1999
hatte der Papst zu einem Brückenschlag mit der orthodoxen Kirche aufgerufen.
Der Patriarch der
orthodoxen Kirche Georgiens, Ilja II., hatte sich schon vor dem Besuch Taurans
gegen die Vereinbarung mit dem Vatikan zum jetzigen Zeitpunkt gewandt. Die
Kirche wirft dem Vatikan vor, seinen Einfluss zu Lasten der orthodoxen Christen
ausdehnen zu wollen. Das Abkommen hätte die georgische Regierung verpflichtet,
den katholischen Christen die freie Religionsausübung zu garantieren sowie
katholische Schulen zuzulassen. In dem überwiegend orthodoxen Georgien mit
seinen 4,4 Millionen Einwohnern gehören etwa 50.000 dem römisch-katholischen
Glauben an.
Ähnliche Vorwürfe gegen den
Vatikan wie in Georgien gibt es auch auf seiten der russisch-orthodoxen Kirche.
Diese Vorbehalte haben bisher einen Besuch des Papstes in Russland verhindert.
Ein Vertreter des Vatikans, der anonym bleiben wollte, äußerte die Ansicht, dass
der Eklat um das Abkommen mit Georgien keinen Einfluss haben werde auf das
Bemühen des Vatikans, die Beziehungen zu anderen orthodoxen Kirchen zu
verbessern.
21. September
2003
Quelle: http://de.news.yahoo.com/030921/12/3ng8e.html