Ökumene:
Erhebliche
Spannungen zwischen evangelischer und der katholischer Kirche
«Trauer» über Zustand der Ökumene
- Wetter: Katholische Kirche lässt sich nicht unter Druck setzen - Kritik an
Landesbischof Friedrich
München (ddp-bay). Zwischen der
evangelischen und der katholischen Kirche gibt es erhebliche Spannungen. Der
Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, äußerte am
Donnerstag «Trauer» über den Zustand der Ökumene. Er betonte, die katholische
Kirche wolle sich in zentralen Fragen des Glaubens von der evangelischen Kirche
nicht unter Druck setzen lassen.
Der evangelische Landesbischof
Johannes Friedrich, der den Streit mit ausgelöst hatte, war auf Anfrage
zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Wetter verwahrte sich gegen
eine «in Form von Ratschlägen an die Adresse der katholischen Kirche gerichtete
Kritik» Friedrichs.
Der Catholica-Beauftragte der
Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands hatte am 8. Februar in
einem Zeitungsinterview gesagt: «Für den christlichen Charakter unseres Landes
ist es ein ganz großes Problem, wenn die katholische Kirche wegen des
Priestermangels nicht mehr in der Fläche präsent ist.» Sie solle einsehen,
«dass sie gar nicht mehr allen Gläubigen die Eucharistie am Sonntagvormittag
garantieren kann». Ihm sei unverständlich, dass die katholische Kirche die gemeinsamen
ökumenischen Möglichkeiten so beharrlich negiere.
Der Kardinal entgegnete nun, die
Aussagen des bayerischen Landesbischofs seien sachlich unzutreffend. Die
katholische Kirche entfalte auch in Pfarrgemeinden, in denen kein eigener
Priester mehr am Ort ist, «in der Regel ein profiliertes geistliches Leben».
Wetter betonte zudem vor den Dekanen
der Erzdiözese München und Freising, für die katholische Kirche gehe es bei der
Eucharistie und beim geistlichen Amt um «die Treue zur Stiftung Christi und
damit zum Ursprung des christlichen Glaubens». Er habe zwar schon sehr viele
positive Erfahrungen in der Ökumene machen können. Wenn aber jetzt seitens der
evangelischen Kirche in zentralen Fragen des Glaubens unrealistische
Forderungen erhoben würden, habe dies «keine guten Auswirkungen».
Als «symptomatisch» für die
gegenwärtigen Beziehungen wertete der Kardinal die Interview-Äußerungen von
Friedrich. Dieser hatte auch gesagt, bei den Lutheranern habe der
Wortgottesdienst theologisch gesehen «ohne Wenn und Aber» den gleichen
Stellenwert wie der Gottesdienst mit Abendmahl.
Wetter fragte, weshalb es dann
überhaupt noch ökumenische Bemühungen um eine Eucharistiegemeinschaft geben
solle, wenn doch alles gleich sei. Es sei dann auch unverständlich, weshalb die
Abendmahlsfrage von seiten der evangelischen Kirche ständig forciert werde. Der
Kardinal mahnte, bei der Ökumene könne es nur Fortschritte geben, wenn man sich
gegenseitig respektiere. (Quellen: Wetter in Pressemitteilung;
Friedrich-Sprecher auf Anfrage; Friedrich in der «Welt» vom 8.2.)
24. Februar 2005
Quelle: http://de.news.yahoo.com/050224/336/4flbc.html