Ökumene: Kardinal Lehmann und Theologe Jüngel zum ÖKT 2003
Berlin, 25.5.2003 (KNA). Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz,
Kardinal Karl Lehmann, erwartet vom Ökumenischen Kirchentag wichtige Impulse
für die Zusammenarbeit der Kirchen. Lehmann bekundete am Sonntag in einem
Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin die Hoffnung,
dass das gemeinsame Auftreten in gesellschaftlichen Fragen noch intensiviert
werden könne. Mit ihrer Entscheidung, das Christentreffen in der
Bundeshauptstadt abzuhalten, zeigten die Kirchen, dass sie "im Zentrum der
gesellschaftlichen und kulturellen Diskussionen mitreden wollen". Der erste
bundesweite ökumenische Kirchentag wird am Mittwoch eröffnet.
Lehmann äußerte die Überzeugung, dass Papst Johannes Paul II. "in Konsequenz
seiner vielen Aufrufe zur Einheit der Kirche auch dieses Zusammentreffen"
begrüße. Der Kardinal warnte die Kirchen zugleich, sich durch die
Differenzen in der Frage der Abendmahlsgemeinschaft "gegenseitig zu
blockieren". Die Diskussion darüber könne sie vielmehr dazu anspornen, die
ökumenische Arbeit in den strittigen Fragen noch zu verstärken.
Durch die Erklärung über das Abendmahl des Rats der Evangelischen Kirche in
Deutschland und die Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" des Papstes seien
außer Differenzen auch viele Gemeinsamkeiten sichtbar geworden. Die Kirchen
wüssten jetzt "noch besser, worauf es ankommt". Der Kardinal rief zu einem
gemeinsamen missionarischen Aufbruch auf. Die Kirchen müssten zur Kenntnis
nehmen, dass immer mehr Menschen "den christlichen Glauben eigentlich nicht
kennen". Die Christen müssten "viel stärker auf andere Menschen zugehen".
Quelle:
http://www.kna.de/webnews/kwn0_472prs865qylo/kwn0-20030525t105241296.htm
Berlin, 26.5.2003 (KNA). Angesichts des Streits um gemeinsame
Abendmahlsfeiern hält der evangelische Theologe Eberhard Jüngel einen
ökumenischen Kirchentag für "geradezu geboten". Beim Teilnahme-Verbot für
Katholiken an evangelischen Abendmahlsfeiern einerseits und der Einladung
zur Mahlfeier der evangelischen Kirche an alle Christen andererseits handele
es sich um sich widersprechende Wahrheitsansprüche, erklärte der Tübinger
Theologe in der Berliner Zeitung "Die Welt" (Montagsausgabe). Diese
unterschiedlichen Wahrheitsansprüche forderten zur Diskussion heraus.
Zudem sollte man von einem ökumenischen Kirchentag erwarten dürfen, so
Jüngel, dass sich in den Bibelarbeiten, Gottesdiensten und Diskussionen
Christen als Christen neu entdecken lernten. Sie sollten sich im Blick auf
die getrennten Kirchen fragen, was Verheißung habe und was nicht. Wenn das
nur ansatzweise gelänge, sei die Ökumene noch nicht verloren, meinte Jüngel.
Dann werde der Kirchentag von Katholiken und Protestanten von Mittwoch bis
Sonntag in Berlin nicht der letzte ökumenische sein.
Quelle:
http://www.kna.de/webnews/kwn0_472prs865qylo/kwn0-20030526t124839562.htm
26. Mai 2003