Meisner kritisiert Pfarrer Kroll
Auch Attacken vom Kardinal
Bischof Mixa vergleicht evangelisches Abendmahl mit Brötchen

GROSSHABERSDORF, 11.6.2003. Im Streit um die vorläufige Amtsenthebung des
katholischen Ortspfarrers von Dietenhofen-Großhabersdorf, Bernhard Kroll,
mischt nun auch der als besonders konservativ geltende Kölner Kardinal
Joachim Meisner mit. In einem Brief an den Eichstätter Bischof Walter Mixa,
der die Suspendierung des mittelfränkischen Priesters veranlasst hatte,
bezeichnet der Kardinal den Schritt als "richtig und konsequent." Kroll habe
"den Glauben der Kirche an die heilige Eucharistie praktisch verleugnet",
meint der Würdenträger.

Damit habe er auch sein Versprechen von der Priesterweihe gebrochen, "die
Mysterien Christi, besonders die Sakramente der Eucharistie und der
Versöhnung, gemäß der kirchlichen Überlieferung zu feiern". Deshalb dürfe
Kroll auch nicht mehr an den Altar treten, "bevor es nicht zu einer echten
Umkehr gekommen ist."

Bischof Mixa hatte seine Entscheidung, Pfarrer Kroll nach dessen Teilnahme
an einem evangelischen Abendmahl des Amts zu entheben, in seiner
Pfingstpredigt verteidigt: Es gehe nicht darum, "dass wir zum Zeichen der
Verbundenheit Brötchen miteinander essen", sagte er. Der katholische Glaube,
dass Christus wirklich und wahrhaftig im Sakrament des Altars anwesend sei,
werde von der evangelischen Kirche nicht geteilt. Bei ihr stehe das
Abendmahl als Erinnerungsmahl im Vordergrund.

Ansonsten zeigt sich das Eichstätter Ordinariat offenbar überrascht oder
sogar enttäuscht über die Reaktionen auf die Affäre in Großhabersdorf. In
einer Erklärung von Generalvikar Johann Limbacher heißt es: Das öffentliche
Echo sei "von Verständnislosigkeit und harter Kritik bestimmt." Anliegen von
Bischof Mixa sei es, "dass Kroll zur katholischen Lehre zurückfindet." Noch
am vergangenen Freitag hatte der Eichstätter Offizial, Stefan Killermann,
unter anderem von einer "Sühnestrafe für eine bereits vollzogene Tat"
gesprochen.

Unterstützung von der Basis
Unterstützung erhält Bernhard Kroll dagegen von den katholischen
Reformbewegungen "Wir sind Kirche" und "Initiative Kirche von unten". Sie
sehen in der Eichstätter Entscheidung "einen schweren Affront gegen die
Ökumene und die evangelische Kirche." Das "weder kirchenrechtlich,
theologisch noch pastoral angemessene Vorgehen von Bischof Mixa fügt dem
Ansehen der katholischen Kirche schweren Schaden zu", heißt es weiter.

Auch der Evangelische Arbeitskreis der CSU im Bezirksverband
Nürnberg-Fürth-Schwabach setzt sich für Pfarrer Kroll ein. In einem Brief
appelliert der Vorstand an den Bischof, "bei seinem Handeln
Verhältnismäßigkeit, Weitsicht und Milde walten zu lassen". Ferner bitten
die CSU-Politiker Mixa, "nicht die Gedanken von Vergebung und Versöhnung aus
dem Blick zu verlieren. Das ist das ökumenische Gebot der Stunde." (ULRICH
RACH)

Aus: Nürnberger Nachrichten, 11.6.2003
Quelle: http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=91986&kat=27