Ökumenischem Kirchentag droht erster großer Konflikt

Streitfall ist Initiative für gemeinsames Abendmahl

Berlin (epd). Dem ersten Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin droht der erste öffentliche Konflikt. Streitfall ist eine gemeinsame Initiative von katholischen Christen und einer evangelischen Kirchengemeinde in Berlin, die im Verlauf des kirchlichen Großereignisses im Frühsommer nächsten Jahres zwei ökumenische Abendmahlsgottesdienste in der Gethsemanekirche am Prenzlauer Berg abhalten wollen. Dies war bislang von den Veranstaltern des Kirchentages ausgeschlossen worden. Die vier Pfarrer der Gemeinde seien für dem 1. Oktober zu einem Gespräch mit der Kirchenleitung ins Konsistorium gebeten worden, bestätigte der Sprecher der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, Markus Bräuer, am 27. September in der Bundeshauptstadt auf epd-Anfrage.

Hintergrund ist eine gemeinsame Initiative der evangelischen Kirchengemeinde mit den katholischen Initiativen "Kirche von unten" und Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche". In einer gemeinsamen Erklärung hatten sie am Donnerstag bekannt gegeben, "beim Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin das Abendmahl gemeinsam zu feiern". Konkret gedacht ist den Angaben zufolge an zwei ökumenische Gottesdienste an zwei verschiedenen Tagen, bei denen das Abendmahl einmal nach evangelischer Tradition und einmal nach katholischem Ritus gefeiert werden soll.

"Wir wollen die Unterschiede zwischen den Konfessionen nicht einfach aufheben, sondern ein Zeichen für gegenseitige Offenheit und Gastfreundschaft setzen", begründete der geschäftsführende Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Prenzlauer Berg-Nord, Heinz-Otto Seidenschnur, das Vorhaben gegenüber dem epd. Dem Gespräch im Konsistorium, bei dem von Seiten der Kirchenleitung unter anderem der Stellvertreter von Bischof Wolfgang Huber, Propst Karl-Heinrich Lütcke, teilnehmen werde, sähen die Pfarrer der Gemeinde "mit Hoffnungen, aber auch mit Befürchtungen entgegen".

Von Seiten des Konsistoriums hieß es, dass das Gespräch der Information der Kirchenleitung über das geplante Vorhaben dienen soll. "Die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg wird sich aber an die Absprachen halten, wie sie in den Gremien des Ökumenischen Kirchentages getroffen wurden", unterstrich Bräuer. Der erste Ökumenische Kirchentag, zu dem Ende Mai nächsten Jahres in Berlin über 100.000 Besucher erwartet werden, wird gemeinsam vom Deutschen Evangelischen Kirchentag und dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken veranstaltet.

Ob die beiden ökumenischen Abendmahlsgottesdienste Chancen haben, ins offizielle Veranstaltungsprogramm des bereits als "historisches Ereignis" gewürdigten Kirchentages beider Konfessionen aufgenommen zu werden, war am Freitag noch unklar. Carl-Peter Klusmann von der katholischen Initiative "Kirche von unten" betonte jedoch, dass die geplanten Gottesdienste auf jeden Fall in dieser Form stattfinden werden. "Sollten sie nicht Eingang in das offizielle Programm des Ökumenischen Kirchentages finden, hätten die Veranstalter allerdings ein Problem, dies vor den Gläubigen zu rechtfertigen", Klusmann. (4117/27.09.2002)

Quelle: http://www.epd.de/ost/740_10138.htm

2.10.02

Kardinal befürchtet "schweren ökumenischen Schaden" beim Kirchentag

Berlin (epd). Der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky befürchtet "schweren ökumenischen Schaden", wenn beim Kirchentag 2003 gemeinsame Abendmahlsgottesdienste von Protestanten und Katholiken gefeiert werden. "Wenn die kirchenrechtlichen Regeln verletzt werden, werde ich mich in Absprache mit dem Vatikan um entsprechende Sanktionen für die Priester bemühen, die sich daran beteiligt haben", sagte Sterzinsky am Dienstag dem epd in Berlin.

Hintergrund der Äußerungen ist eine gemeinsame Initiative einer evangelischen Kirchengemeinde am Berliner Prenzlauer Berg sowie der katholischen Organisationen "Kirche von unten" und der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche". Sie hatten in der vergangenen Woche erklärt, "beim Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin das Abendmahl gemeinsam zu feiern". Dies ist von den Veranstaltern des kirchlichen Großereignisses vom 28. Mai bis 1. Juni nicht vorgesehen.

Wie die Pressestelle des Ökumenischen Kirchentages bekannt gab, werden die beiden geplanten Gottesdienste nicht Teil des offiziellen Veranstaltungsprogramms sein. Ein entsprechender Antrag der katholischen Initiativen und der evangelischen Kirchengemeinde sei abschlägig beschieden worden. Zu dem Kirchentag, der vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken und dem Deutschen Evangelischen Kirchentag gemeinsam veranstaltet wird, werden mehr als 100.000 Dauerteilnehmer in der Bundeshauptstadt erwartet.

Um die liturgische Gestaltung dieses "kirchenhistorischen Großereignisses" hatte es in den Vorbereitungsgremien bereits zahlreiche Konflikte gegeben. Nach katholischem Kirchenrecht sind zum Abendmahl keine Protestanten zugelassen. (08941/1.10.02)

Quelle: http://www.epd.de/nachrichten/752_10186.htm

 

Kirchentagsstreit: Kirchenleitung "konsterniert" über Gemeinde

Der Konflikt um zwei ökumenische Abendmahlsgottesdienste geht weiter

Berlin (epd). Nach dem katholischen Kardinal Georg Sterzinsky hat sich auch die Leitung der Berliner evangelischen Kirche "konsterniert" über das Vorhaben von evangelischen und katholischen Christen gezeigt, beim Ökumenischen Kirchentag 2003 das Abendmahl gemeinsam zu feiern. Er habe die "starke Erwartung", dass die zwei umstrittenen ökumenischen Gottesdienste in der Berliner Gethsemanekirche "nicht so, wie bislang geplant" ablaufen, sagte Propst Karl-Heinz Lütcke am 2. Oktober dem epd in Berlin.

Vorangegangen war ein Gespräch mit Vertretern der evangelischen Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord. Andernfalls werde das Konsistorium die in Frage kommenden kirchenrechtlichen Möglichkeiten prüfen. Auch der Berliner Erzbischof Sterzinsky hatte am 1. Oktober bereits für das Erzbistum Sanktionen angedroht.

Hintergrund ist eine Initiative der evangelischen Kirchengemeinde mit den katholischen Organisationen "Kirche von unten" und Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche". In einer gemeinsamen Erklärung hatten sie in der vergangenen Woche bekannt gegeben, "beim Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin das Abendmahl gemeinsam zu feiern". Dies ist von den Veranstaltern des kirchlichen Großereignisses ausdrücklich nicht vorgesehen.

Konkret ist an zwei ökumenische Gottesdienste an zwei verschiedenen Tagen gedacht, bei denen das Abendmahl einmal nach evangelischer Tradition und einmal nach katholischem Ritus gefeiert werden soll. Damit soll, so die Kirchengemeinde, auch der "Not" vieler konfessionsverschiedener Ehen und Familien Rechnung getragen werden.

Aus seiner Sicht, betonte hingegen Lütcke, der zugleich Stellvertreter des Berliner Bischofs Wolfgang Huber ist, "benutzt hier der katholische Partner, der keinen Ort findet, die evangelische Seite". Zudem wäre es eine "ziemliche Belastung für die Ökumene", wenn hier eine Gemeinde der gastgebenden Landeskirche die eindeutigen Absprachen innerhalb des Ökumenischen Kirchentages nicht beachte. Aus "Respekt vor der Situation des katholischen Partners" bei diesem kirchlichen Großereignis müsse auch die evangelische Seite Abstriche von ihren ursprünglichen Erwartungen machen. Ein "zu weites Vorpreschen gibt nur den Kräften das Übergewicht, die eher weniger als mehr Gemeinsamkeit wollen".

Der geschäftsführende Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord, Heinz-Otto Seidenschnur, betonte nach dem Gespräch mit der Kirchenleitung gegenüber epd, dass jetzt der Gemeindekirchenrat entscheiden müsse, ob er die im Mai fast einstimmig getroffene Entscheidung noch einmal revidiert. "Wir erwarten allerdings auch von der Seite des Ökumenischen Kirchentages die Bereitschaft, die dort einmal getroffenen Absprachen zu überdenken", unterstrich Seidenschnur.

Sowohl Lütcke als auch der katholische Sprecher des Ökumenischen Kirchentages, Theodor Bolzenius, schlossen dies jedoch aus. "Ohne eine Änderung der Haltung des Vatikans in dieser Frage ist hier keine Bewegung möglich. Das ist bei uns so", erklärte Bolzenius.

Der erste Ökumenische Kirchentag, zu dem vom 28. Mai bis 1. Juni 2003 über 100.000 Dauerteilnehmer in Berlin erwartet werden, wird gemeinsam vom Deutschen Evangelischen Kirchentag und dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken verantwortet. Er gilt als ein "kirchenhistorisches Ereignis", da hier erstmals beide Konfessionen auf ihre bislang üblichen getrennten Kirchentage verzichten. (4184/02.10.2002)

Quelle: http://www.epd.de/ost/740_10215.htm