Ökumene: Kardinal Kasper - Kirchengemeinschaft und Eucharistiegemeinschaft gehören zusammen.

Kurienkardinal Kasper gegen konfessionelle Selbstgenügsamkeit

Münster, 1.2.02 (Kipa) Kurienkardinal Walter Kasper hat zu Geduld im ökumenischen Dialog und zu einem erneuerten Verständnis des Papstamtes aufgerufen. Beim Festakt zum 100- jährigen Bestehen der Rezensionszeitschrift "Theologische Revue" betonte der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen am Freitag in Münster, das Vordringlichste in der Ökumenediskussion sei, die "konfessionelle Selbstgenügsamkeit" aufzubrechen und die "Sehnsucht nach der unendlichen Weite und Fülle der Wahrheit" in der grösseren ökumenischen Gemeinschaft neu wach zu rütteln.

Kasper forderte zur beharrlichen Arbeit an offenen Fragen wie der Eucharistie- und Kirchengemeinschaft auf. Er wandte sich gegen den Eindruck, der ökumenische Dialog sei "hoffnungslos in der Sackgasse". Auch von "Verhärtungen" könne in einer weltweiten Perspektive keine Rede sein. Kasper bezeichnete das Treffen von Repräsentanten der Weltreligionen auf Einladung von Papst Johannes Paul II. des Papstes in Assisi als "Zeichen von neuer Gemeinsamkeit". Nicht nur in den christlichen Konfessionen sei die Identitätsfrage neu erwacht. "Dialog führen kann ich nur mit jemand, der seine eigene Identität hat, sie kennt und sie schätzt." Im ökumenischen Dialog gehe es weder um einen "substanzlosen Relativismus und einen billigen Schmusekurs" noch um einen "starren rechthaberischen, letztlich fundamentalistischen Konfessionalismus".

Kasper hob die Kirchengemeinschaft als zentralen Schlüsselbegriff hervor. Die von evangelischer Seite oft eingeforderte Eucharistiegemeinschaft lasse sich nicht von ihr trennen. Wer die katholischen und protestantischen Vorstellungen von Kirchengemeinschaft für "inkompatibel" halte, könne nicht eine konfessionsübergreifende Eucharistiegemeinschaft fordern. In der Frage der künftigen Form des Petrusamtes sah Kasper insbesondere im Gespräch mit den orthodoxen Kirchen Bewegung. Ost und West hätten sich nicht aus dogmatischen Gründen getrennt, sondern sich "lebens- und mentalitätsmässig entfremdet". Der Kardinal wies darauf hin, dass es den Kirchen der Reformation nicht um die Gründung separater Konfessionskirchen, sondern um die Reform der bestehenden universalen Kirche gegangen sei. Er bezeichnete die Herausbildung getrennter Konfessionskirchen als "eine Katastrophe und eine tiefe Wunde für die katholische Kirche".

15.2.02

Quelle: http://www.kath.ch/aktuell_detail.php?meid=6198